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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter XVIII

Bonaparte vor Mantua

XVIII. Das Gefecht bei Peschiera am 6. August.

Nach dem unglücklichen Ausgange der Schlacht beschloß der Feldmarschall, am Mincio stehen zu bleiben, und dort das Eintreffen seines rechten Flügels abzuwarten. Daß Wurms er diesen Plan gefaßt hat, lassen die nächsten Anordnungen erkennen und auch ein kurz nach der Schlacht geschriebener Bericht des Oberst Graham, der sich über die nächsten Absichten der Heeresleitung in folgender Weise aussprach: „Der heutige Kampf, der beträchtliche Verluste an Mannschaften und Geschützen und unersetzliche Verluste an Kriegsmut und Ruhm mit sich brachte, hat in drei Tagen die Sachlage in betrübender Weise geändert. Sollte der Feind morgen angreifen, so fürchte ich, daß die erschöpften und ausgehungerten Truppen ihm nicht Stand halten werden; bleibt uns jedoch die Zeit, gute Dispositionen zu treffen und solche auszuführen, so können wir wohl hoffen, uns so lange zu halten, bis Quosdanovich über Roveredo herankommt.“ 1)

Diese Hoffnung erwies sich – wie nicht anders zu erwarten war – als trügerisch, denn Bonaparte hatte das lebhafteste Interesse, die von Wurmser beabsichtigte Sammlung der österreichischen Armee hinter dem Mincio zu verhindern, und der gesicherte Übergangspunkt Peschiera gab ihm die beste Handhabe dazu.

Der Feldmarschall erkannte auch den schwachen Punkt seiner Verteidigungsfront sehr wohl und verlegte den Schwerpunkt seiner Kraft auf seinen rechten Flügel und Peschiera gegenüber. Am Morgen des 6. nahm die österreichische Armee am linken Flußufer folgende Stellung ein:

Mészáros stand bei Goito,

Sebottendorf südlich Valeggio und mit einem Bataillon in Pozzolo,

Davidovich und Vukassovich in Valeggio und nördlich davon mit einem Bataillon in Mozambano, und

Bajalics verstärkt durch die Brigade Mitrowsky, gegenüber Peschiera. Die letztgenannte Brigade zählte 4 1/3 Bataillone, so daß Bajalics 8 1/3 Bataillone und 2 Eskadronen unter seinem Kommando vereinigte.

Im übrigen wurde die Anlage von Schanzen und Batterien befohlen; man richtete sich allem Anscheine nach zu ernsthaftem Widerstande ein. Major Maelcamp wurde angewiesen, mit seiner Flottille Landungen des Feindes vom östlichen Seeufer abzuhalten und dadurch die rechte Flanke zu decken. Die Schiffbrücke von Bussolengo wurde nach Dolce, und die hier stehende nach Ala zu bringen befohlen.

Demgegenüber war Bonaparte sofort nach der Schlacht entschlossen, schon am nächsten Morgen Wurmser anzugreifen. Seine Absicht war, gegen die österreichische Front bei Valeggio zu demonstrieren, gleichzeitig aber bei Peschiera über den Mincio zu gehen und unter Bedrohung der Verbindungen Wurmsers mit Tirol die Österreicher zum weiteren Rückzuge zu zwingen.

Am Abend des 5. wurden die folgenden von Berthier gezeichneten Befehle erlassen:

1. „General Masséna hat so rasch als möglich aus seiner Stellung aufzubrechen, morgen nach Peschiera zu marschieren, die Festung zu durchziehen und sein Korps jenseits derselben, den Umständen entsprechend, zu entwickeln. Die Hälfte der Kavallerie ist angewiesen, seinem Marsche zu folgen. – General Augereau soll versuchen, den Mincio bei Borghetto zu überschreiten, oder soll sich damit begnügen, den Feind zu beschießen, während General Masséna so zu manövrieren hat, daß dem Feinde der Rückzug abgeschnitten wird. Die Ausführung dieser Befehle ist natürlich von den Ereignissen abhängig; General Masséna ist aber umsichtig genug, diese Dispositionen zu beurteilen und, wenn erforderlich, zu verändern.“ 2)

2. „General Augereau hat zu versuchen, den Mincio so rasch als möglich bei Valeggio zu passieren. Er hat den Feind zu beschießen und so lange in Schach zu halten, bis General Masséna, der den Fluß bei Peschiera zu passieren hat, die rechte Flanke des Feindes angefallen und dessen Rücken bedroht hat.

General Augereau wird hiermit verständigt, daß General Fiorella angewiesen ist, Borghetto zu besetzen, oder, falls der Feind dort noch stehen sollte, auf den gegen Volta sich hinziehenden Höhen Stellung zu nehmen. Die Hälfte der Kavallerie hat dieser Bewegung zu folgen und die rechte Flanke des Generals Augereau zu decken. General Dommartin hat 4 leichte Geschütze der Division Augereau und 2 andere Geschütze der zugeteilten Kavallerie zuzuweisen.“ 3)

3. „General Beaumont 4) hat die Hälfte seiner Kavallerie mit 2 leichten Geschützen dem General Masséna zu unterstellen, welcher den Befehl hat, nach Peschiera zu marschieren. Die andere Hälfte, unter dem Kommando des Generals selbst, hat den Marsch des Generals Augereau auf Borghetto in der rechten Flanke zu decken.“ 5)

4. An General Fiorella. „Der Obergeneral vertraut das Kommando der Division Sérurier provisorisch dem General Fiorella. Die Befehle zur Komplettierung dieser Division sind bereits gegeben. General Fiorella hat morgen früh nach Borghetto zu marschieren und dieses zu besetzen; sollte aber der Feind noch mit Macht dort stehen, so ist auf den vor Borghetto gelegenen und gegen Volta sich hinziehenden Höhen Stellung zu nehmen.

General Augereau hat die Aufgabe, sich zum Übergang über den Mincio bereit zu stellen und den Feind zu beschäftigen, während General Masséna in Peschiera über den Fluß setzen und versuchen wird, dem Feinde in den Rücken zu fallen.“ 6)

5. „General Dommartin hat die leichte Artillerie wie folgt zu verteilen:

Da sich diese Divisionen schon morgen früh in Bewegung setzen, ist es wichtig, daß die Zuteilung sofort erfolgt.“ 7)

Eine Disposition für die Truppen Despinois‘ liegt in der Korrespondenz nicht vor, dafür aber der kurze Befehl: „General Despinois hat sich nach Alessandria zu begeben und das Kommando dieser Festung zu übernehmen.“ 8) Die Division wurde aufgelöst und die Truppen den anderen Generalen unterstellt. 9)

Bei Tagesanbruch setzten sich die französischen Divisionen in Bewegung. Augereau und Fiorella marschierten auf Borghetto, entwickelten sich gegenüber den nächst Valeggio stehenden österreichischen Truppen und eröffneten eine lebhafte Kanonade; Masséna rückte unterdessen nach Peschiera vor. Dort hatte General Guillaume schon am frühen Morgen mit einem Teile seiner schwachen Garnison einen Ausfall zur Störung der feindlichen Befestigungsarbeiten unternommen, war aber sehr rasch in die Festung zurückgeworfen worden. Bald darauf erreichte die an der Spitze der Division Masséna marschierende 18. Linienhalbbrigade unter General Victor Peschiera, durchzog sofort den Ort und entwickelte sich – durch ein schmales Tor die Festung verlassend – gegen die hinter Schanzen stehende Brigade Bajalics. Eine von den zwei österreichischen Eskadronen ausgeführte Attacke, „exécutée avec une rare intrépidité“, 10) brachte aber die Franzosen in Unordnung, und ein Gegenangriff der österreichischen Infanterie trieb sie vollends gegen den Mincio zurück.

Jetzt trafen beiderseits frische Kräfte ein: bei Bajalics die Brigade Mitrowsky, auf Seite der Franzosen die Generale Pigeon und Rampon mit dem Reste der Division. Nachdem sich die 18. Halbbrigade wieder gesammelt hatte, ging Masséna mit großer Energie zu neuem Angriff vor und zwang die Österreicher nach mehrstündigem Kampf zum Rückzuge gegen Castelnovo. Der Feldmarschall, der die ausschlaggebende Bedeutung des Gefechtes natürlich erkannt hatte, war schon während desselben persönlich auf dem Kampfplatze eingetroffen, und hatte auch den General Schubirz mit 6 Eskadronen von Valeggio aus dahin beordert. Die Kavallerie kam aber zu spät, um an dem Gefechte noch teilzunehmen, und mußte sich damit begnügen, die Franzosen von der Verfolgung der geschlagenen Truppen abzuhalten. 11)

Durch das Vordringen der Division Masséna auf das linke Ufer des Mincio war die Stellung der Österreicher unhaltbar geworden und Wurmser sah sich veranlaßt, den Rückmarsch der Armee nach Tirol anzuordnen:

Die Brigade Bajalics sollte bei Madonna della Corona,

General Mitrowsky bei Incanale Stellung nehmen.

General Mészáros wurde angewiesen, mit seiner Kavallerie nach Verona zu marschieren, seine Infanterie aber – 4 Bataillone unter Minkwitz – nach Mantua zu werfen.

Eben dorthin hatte General Spiegel 3 Bataillone des Zentrums zu führen. 12)

Davidovich und Sebottendorf, mit dem Rest der Armee, sollten nach Verona marschieren, da der direkte Weg nach Ala über Bussolengo zu sehr bedroht erschien.

General Vukassovich wurde angewiesen, den Rückzug der Armee durch eine Aufstellung bei Villafranca zu decken, und am 7. August früh der Armee zu folgen.

F.Z.M. Allvintzy hatte sich schon vormittags nach Mantua begeben, um den Zustand der Festung zu besichtigen, und im Namen des Feldmarschalls die Versicherung zu geben, daß nach dem Eintreffen der Kolonne Quosdanovich alles versucht werden wurde, um die Festung bald wieder zu befreien.

Die österreichischen Kolonnen führten während der Nacht den anbefohlenen Rückzug aus und erreichten die angewiesenen Marschziele im Etschtale schon am frühen Morgen des 7. August.

Bei den verschiedenen Darstellungen des Treffens von Peschiera fallt auf, daß die französischen übereinstimmend von einem sehr heftigen Widerstand der österreichischen Bataillone erzählen, während der Feldmarschall selbst, in einer Meldung an den Kaiser, nur Tadelnswertes über die Haltung seines rechten Flügels zu berichten weiß. Er schrieb am 10. August aus Ala:

„Es war ein Glück, daß ich mich persönlich nach Peschiera begeben habe; ich fand bei den acht Bataillonen, die dort standen, die größte Verwirrung. Kaum ein Drittel hat sich gehalten; die übrigen waren auseinander gelaufen und bis Roveredo, selbst bis Trient, geflüchtet. Der Major Hager, den ich nach Roveredo schickte, hat ungefähr 2000 gesammelt und jeden Augenblick kommen immer noch neue Versprengte hinzu.“ 13)

In Übereinstimmung mit Wurmser berichtete Oberst Graham von Verona aus am Abend des 6. August: „Der Feind fand heute nur wenig Widerstand bei Peschiera, so daß der Mincio aufgegeben werden mußte.“ 14)

Während der geschilderten Vorgänge bei der Hauptarmee hatte die Kolonne Quosdanovich ihren Rückzug im Chiesetal aufwärts fortgesetzt, und, ohne von den Franzosen gedrängt zu werden, am 6. August bei Condino und Storo sich gesammelt. Nur Fürst Reuß war mit 5 1/2 Bataillonen und 2 Eskadronen, insgesamt 2800 Mann stark, am Lago d'Idro zurückgelassen worden, mit der Aufgabe, das Eindringen der Franzosen in Tirol zu verhindern. Er besetzte zu diesem Zwecke den Engpaß von Rocca d'Anfo mit 120 Mann, Bagolino – zur Deckung gegen das Val Trompia – mit 550 Mann, ferner die vom Gardasee nach dem Val di Ledro führenden Gebirgspässe mit 1200 Mann, und postierte seine Reserve, 900 Mann unter Oberst Graf Morzin, bei Ponte di Caffaro.

Trotz der tapfersten Kämpfe war also den beiden österreichischen Hauptkolonnen die Vereinigung und damit der Sieg nicht gelungen, und während sie den Bergen zueilten, von wo sie vor kurzem voll Kraft und Zuversicht herabgestiegen waren, konnte Bonaparte mit stolzer Befriedigung den Parisern melden: „So ist denn in fünf Tagen ein zweiter Feldzug gewonnen worden. 15)

Previous: XVII. Die Schlacht bei Castiglione (Solferino) am 5. August.
Next: XIX. Kurze Darstellung der Ereignisse vom 7. bis 12. August.
  1. The English Historical Review, January 1899. Seite 120.
  2. Correspondance No. 835.
  3. Correspondance No. 834.
  4. Beaumont ersetzte provisorisch den erkrankten Kilmaine
  5. Correspondance No. 836.
  6. Correspondance No. 837.
  7. Correspondance No. 838.
  8. Correspondance No. 845.

    Marmont erzählt in seinen Memoiren, daß Bonaparte nach der Schiacht von Castiglione vor den versammelten Generalen folgende Worte an Despinois richtete: „General, Ihr Kommando in der Lombardei hatte mir Ihren Mangel an Rechtschaffenheit und Ihre Liebe zum Gelde gezeigt, aber ich wußte nicht, daß Sie ein Feigling wären, Verlassen Sie die Armee, und erscheinen Sie nicht mehr Vor mir.“

  9. In den „Études sur la campagne de 1796-1797 par J. C.“ Seite 164 erscheinen die Truppen der ehemaligen Division Despinois in der Situation der Armee am 31. August in folgender Verteilung: die 22. leichte Halbbrigade und die 39. Linienhalbbrigade in der Division Vaubois (früher Sauret). die 5. Linienhalbbrigade in der Division Augereau.

  10. Souvenirs du général de Pelleport.
  11. Die österr. Militärzeitschrift gibt den Gefechtsverlust der beiden Brigaden Bajalics und Mitrovsky in folgender Stärke an: an Toten 1 Offizier und 62 Mann; an Verwundeten 133 Mann; an Vermißten 6 Offiziere 540 Mann und 4 Kanonen verloren.
  12. Bei Einbruch der Nacht langten die 7 Bataillone unter Minkwitz und Spiegel in Mantua an und erhöhten damit die Besatzung der Festung auf 16423 Mann davon aber nur 12224 dienstbare. (Geschichte des k. und k. Infanterieregiments Nr. 56.)
  13. Vivenot, Wurmser an den Kaiser. Ala, den 10. August 1796.
  14. The English Historical Review, January 1899. Seite 121 und 122, Die Fortsetzung dieses Berichtes hat folgenden Wortlaut :

    „Die Armee wird nun an der Etsch bleiben, bis der rechte Flügel uns erreichen kann. Da der Verlust an Mannschaften in allen Gefechten 2000 Mann nicht übersteigt, so würde ich bei guter Führung noch Hoffnung haben; aber alles Übel kommt daher, daß sich in der Armee kein einziger fähiger und energischer Kopf befindet. Auch die Disziplin könnte eine bessere sein. Die Generale halten es nicht für nötig, bei ihren Truppen zu bleiben; in vielen Regimentern sind die Offiziere unachtsam und bei jedem Marsche, bei jeder Verfolgung, bei jedem Rückzuge zerstreuen sich die Mannschaften in ganz unsoldatischer Weise. Nichtsdestoweniger sind sie aber alle brave Jungens und ein guter Führer würde ganz gewiß in kurzer Zeit etwas Gutes aus ihnen machen.“

  15. Correspondance No. 842.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 172-178