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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter XVII

Bonaparte vor Mantua

XVII. Die Schlacht bei Castiglione (Solferino) am 5. August.

Am Morgen des 5. August hatte Wurmser in der Stellung östlich Castiglione 21 Bataillone (einschließlich der Pionierkompagnien) und 10 1/2 Eskadronen,' mit zusammen etwa 18000 Mann vereint. Außerdem sollte im Laufe des Tages die Kolonne Oberst Weidenfeld zur Hauptarmee stoßen, 4 Bataillone und 1 Eskadron, mit etwa 3000 Mann, während das rechtzeitige Eintreffen der Kolonne Mészáros sehr zweifelhaft war.

Wurmser entwickelte die Armee in zwei Treffen; der rechte Flügel stützte sich auf die Höhen nächst Solferino, der linke Flügel auf den durch Erdwerke verstärkten Monte Medolano. Hier kommandierte F.M.L. Davidovich, im Zentrum General Liptay, und auf dem rechten Flügel F.M.L. Sebottendorf und die Generale Schubirz und Mitrovsky. Demgegenüber hatte Bonaparte am Morgen des Schlachttages zunächst nur die bei Castiglione lagernde Division Augereau und die um I Uhr früh von Lonato abmarschierte Division Masséna zur Hand. Im Laufe des Vormittags waren aber Rampon und Despinois zu erwarten und endlich gegen Mittag das Eintreffen der Division Sérurier. Der französische Feldherr hatte daher alle Ursache, den Angriff nicht zu früh ins Werk zu setzen, um die Entscheidung bis zur Mittagsstunde zu verzögern. Dem entsprach auch sein Angriffsplan, den er, wie General Joubert berichtete, 1) in der Nacht vom 4. auf den 5. mit seinen Generalen eingehend erörterte. Seine Absicht ging dahin, die österreichische Front bis zur Ankunft Séruriers durch Scheinangriffe hinzuhalten, dann aber energisch den feindlichen linken Flügel anzufallen und die Österreicher von ihrer Rückzugslinie gegen Norden abzudrängen.

Die Stärke der bei Castiglione ins Feuer gekommenen Franzosen kann nur annähernd geschätzt werden, da verläßliche Angaben, besonders auch über die in den bisherigen Gefechten und durch Krankheiten erlittenen Verluste, fehlen. Man wird annehmen dürfen, daß Bonaparte am Beginn der Schlacht etwa 17000 Mann zählte, nach dem Eintreffen der Kolonnen Despinois und Rampon 22000 Mann, und daß er erst mit Séruriers 5000 Mann die ausschlaggebende Überlegenheit gewonnen hat.

Die Schlacht wurde von den Franzosen eröffnet; Augereau rückte beiderseits der Straße und über le Greole gegen den österreichischen linken Flügel und das Zentrum vor, Masséna nördlich davon über Barche gegen Solferino und den feindlichen rechten Flügel. Der Angriff wurde aber von den Franzosen nur mit geringem Nachdruck geführt und vom ersten Treffen der Österreicher mit leichter Mühe abgewiesen. Durch diesen Erfolg verleitet, und im Hinblick auf die Möglichkeit, daß doch noch Teile der Kolonne Quosdanovich diesseits des Gebirges stehen und den Anschluß an die Hauptarmee suchen könnten, schob Wurmser seinen rechten Flügel auf den Höhen vor, mit der Absicht, Massénas linken Flügel zu umfassen. Dem französischen Feldherrn kam diese Verschiebung eines Teiles der feindlichen Kraft gegen Norden zu sehr gelegen, denn sie war geeignet, den von ihm geplanten Angriff auf den österreichischen linken Flügel wesentlich zu erleichtern.

Zur Vorbereitung dieses Angriffes ließ Bonaparte die unter dem Kommando Marmonts gegenüber Monte Medolano zu einer Batterie formierten 20 leichten Geschütze das Feuer eröffnen, und die auf dem Hügel stehenden Truppen anhaltend beschießen. Das heftige Feuer zeigte bald die erwünschte Wirkung, und daraufhin griff Verdier an der Spitze der vereinigten Grenadierbataillone an, während Beaumont, der an der Stelle des erkrankten Kilmaine die Reiterei kommandierte, rechts von Verdier gegen Cassiano vorbrach. Der französische Angriff gelang und die Österreicher wurden trotz tapferer Gegenwehr zurückgedrängt. Gleichzeitig rückten aber auch die Divisionen Augereau und Masséna neuerdings und mit Energie gegen die österreichische Stellung an, und damit wurde der von beiden Seiten mit allem Nachdruck geführte Kampf auf der ganzen Front allgemein.

Während dieser Vorgänge drang General Fiorella, der an des erkrankten Sérurier Stelle die Division kommandierte und schon vor Tagesanbruch Marcaria verlassen hatte, völlig unbemerkt und von Mészáros ungestört gegen Guidizzolo vor. Die vorausgeschickte Kavallerie überfiel diesen Ort und begann das Gepäck des österreichischen Hauptquartiers zu plündern. Die dort postierten Stabsdragoner warfen zwar nach kurzem Kampf die französischen Reiter zurück, bald aber kam die Infanterie heran, durchzog Guidizzolo und entwickelte sich auf Bonapartes Befehl jenseits des Ortes zum entscheidenden Angriff gegen Cavriano.

Wurmser war vollkommen überrascht. Er zog seinen weichenden linken Flügel zurück und ließ die Höhen zwischen Cassiano und Cavriano durch Bataillone des zweiten Treffens besetzen. Diese Bewegung war aber noch nicht ausgeführt, als Augereau und Masséna unter Einsetzung der letzten Reserve vorbrachen, und dabei Bataillone des österreichischen rechten Flügels auf den noch nicht in Ordnung stehenden linken Flügel warfen. Die dadurch entstehende Verwirrung ließ den Feldmarschall an einen guten Ausgang der Schlacht verzweifeln, 2) und da die Befürchtung nahe lag, bei längerem Standhalten die Verbindung mit den Minciobrücken zu verlieren, gab er den Befehl zum allgemeinen Rückzug nach Valeggio.

In diesem Augenblick trafen auch schon Despinois und Rampon auf dem Schlachtfelde ein und während Masséna einen Teil seiner Division in die rechte Flanke der Österreicher führte, um diese auch von Norden her vom Mincio abzuschneiden, rückten die Franzosen mit neuer Kraft gegen Solferino vor. Ein auf den Höhen nächst Solferino gelegenes kleines Fort, spia d'Italia genannt, wurde von den Franzosen erstürmt und damit der Rückzug des rechten Flügels arg bedroht; zur rechten Zeit kam aber Oberst Weidenfeld von Peschiera her, griff Masséna mit großer Energie in seiner linken Flanke an, und gab so den hartbedrängten Truppen des österreichischen rechten Flügels Zeit zur Sammlung und zu einem geordneten Rückzug. Die Brigade des schwerverwundeten Generals Liptay verließ das Schlachtfeld zuletzt.

Ohne wesentliche Störung erreichten Wurmsers Truppen Borghetto und setzten dort über den Fluß, während General Schubirz drei Eskadronen westlich Borghetto postierte, um den Übergang zu decken. Nachdem dieser vollzogen war, ging auch Schubirz aufs linke Ufer und ließ die Brücke abbrechen.

General Vukassovich war am Morgen des 5. bei Ponti angelangt und hatte seine schwache Brigade auf den Höhen zwischen der Festung und dem Kloster Madonna den Frasino aufgestellt. Auf die erste Nachricht vom unglücklichen Ausgang der Schlacht zog er sich mit seinen Truppen gegen Ponti zurück, und dort traf gegen Abend ein Befehl des Marschalls ein, mit tunlichster Beschleunigung bei Borghetto auf das linke Mincioufer überzugehen. Der den Befehl überbringende Ordonnanzoffizier fügte hinzu, daß die Franzosen der Brücke schon nahe wären und der Übergang mithin gefährdet sei; 3) Vukassovich dirigierte darauf nur die beiden Bataillone Nádasdy über Valeggio, und ließ den Rest seiner Brigade bei Ponti übersetzen. Beide Teile kamen auch glücklich über den Fluß, obgleich bei Ponti nur eine kleine fliegende Brücke zur Verfügung stand, was den Übergang nicht unbedenklich verzögerte.

F.M.L. Mészáros, dein es nicht gelungen war, den Abmarsch der Division Sérurier nach Norden zu verhindern oder auch nur zu verzögern, gelangte vormittags bis Rivalta, und erhielt hier den Befehl, „nach Goito zu marschieren und diesen Übergangspunkt, sowie die Verbindung der Hauptarmee mit Mantua zu decken“. Der österreichische linke Flügel kam also am Tage der Entscheidung zu gar keiner Wirkung.- Im teilweisen Widerspruch zu dieser, der österreichischen militärischen Zeitschrift entnommenen Darstellung über die Tätigkeit dieser Kolonne am 5. August, berichtet die Geschichte des k. und k. Infanterieregiments Nr. 56, daß die Brigade Mészáros schon am 4. von Borgoforte abmarschiert und bis Rodigo gelangt war. Dann allerdings wäre sie sehr wohl in der Lage gewesen, der Kolonne Sérurier den Weg zu verlegen und damit den Ausgang der Schlacht ganz wesentlich zugunsten der Österreicher zu beeinflussen.

Die Verluste der Österreicher sind an diesem Tage verhältnismäßig gering. Offizielle Angaben fehlen zwar, aber die Schätzungen gehen nicht hoch. Oberst Graham berichtet aus Verona am 6., also nach den Kämpfen dieses letzten Gefechtstages am Mincio, daß der Verlust der Hauptkolonne Wurmser in allen Gefechten 2000 Mann nicht übersteige. Er bemerkt aber in einem, Valeggio den 5. August datierten Bericht: „Ich bin aber überzeugt, heute wäre das ganze Korps vernichtet worden, wenn der Feldmarschall nicht rechtzeitig den Rückzug befohlen hätte. Die von Marcaria kommenden französischen Truppen wurden auf diese Weise verhindert, wirksam in das Gefecht einzugreifen.“ 4) Von Bonaparte wird der österreichische Verlust mit 2000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen, 18 Kanonen und 120 Munitionswagen angegeben.

Die Franzosen folgten dem Rückzuge der Österreicher nur bis zur Linie Volta-Pozzolengo; eine nachhaltige Verfolgung hat nicht stattgefunden, so einladend dazu die Verhältnisse auch lagen. Bonaparte sagt darüber in seinem Bericht an das Direktorium: „Der Feind war in vollständiger Auflösung; aber unsere Truppen, die ganz abgemattet waren, haben ihn nur drei Stunden weit verfolgen können.“ 5) Ein energisches Nachdrängen gegen Valeggio, wo die geschlagene Armee auf einer Brücke über den Fluß setzte, hätte den Österreichern die schwersten Verluste bringen müssen. Aber nicht nur die Ermattung der französischen Truppen und der empfindliche Mangel an Kavallerie wehrten dem französischen Feldherrn die volle Ausnutzung seines Sieges; auch seine persönliche Erschöpfung mag nicht ohne Einfluß gewesen sein. Ein Sekretär Bonapartes eröffnet einen Bericht, den er am Abend nach der Schlacht, von Castiglione aus, an die Regierungskommissare Salicetti und Garreau sendet, mit der Bemerkung: „Der Obergeneral trägt mir auf, Ihnen Nachrichten von der Armee zu geben: seine vielseitigen Obliegenheiten und seine außerordentliche Ermüdung – er hat seit dem 29. Juli nicht geschlafen und ist noch nicht aus den Stiefeln gekommen – verhindern ihn, Ihnen selbst zu schreiben.“ 6)

Und Berthier schließt einen in der Nacht geschriebenen ausführlichen Bericht mit den Worten: „Seit acht Tagen sind wir im Sattel; die Pferde sterben vor Müdigkeit. Wir verlieren an körperlichen Kräften, gewinnen aber an moralischen. Wir wollen dem Feinde keine Ruhe lassen, bis wir ihn vernichtet haben. Leben Sie wohl, ich steige zu Pferde.“ 7)

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  1. Le général Joubert par Edmond Chevrier.

    „Joubert à son père, Verone, 9 août 1796 . . .. La nuit du 4 au 5. le général en chef nous parla tout la nuit des dispositions à prendre.“

  2. Le Marquis de Vérac, p. 90.

    . . . Lorsque j'arrivai à la butte, clef de la position, je trouvai le maréchal, qui avait mis pied à terre. Il regardait tout sans rien voir, sans rien dire, sans rien entendre; et cette brave es vieille tête couverte de cheveux blancs ne pensait pas davantage; tous les adjudants, consternes de ce qui allait arriver, chuchotaient derrière lui . . .

  3. Geschichte des k. und k. Infanterieregiments Nr. 41.
  4. The English Historical Review, January 1899, Seite 121.
  5. Correspondance No. 842.
  6. Feldzug des Generals Buonaparte in Italien. Paris, im 6. Jahre der Republik. Seite 136.
  7. Ebenda, Seite 144.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 167-172