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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter XIX

Bonaparte vor Mantua

XIX. Kurze Darstellung der Ereignisse vom 7. bis 12. August.

Bonaparte ließ am 7. August, bei Tagesanbruch, zur Verfolgung des weichenden Feindes die Division Masséna gegen Rivoli, und die beiden Divisionen Fiorella und Augereau über Peschiera und Castelnovo gegen Verona vorgehen. Nur ein Bataillon, 100 Reiter und 4 Geschütze blieben bei Borghetto zurück und hielten die dortigen Höhen besetzt.

Masséna traf bei Rivoli die schwache Nachhut der Brigade Bajalics, warf sie zurück, nahm auf dem Plateau Stellung und kam noch zurecht, die Etschtalstraße unter Feuer zu nehmen, als das Hauptquartier 1) und ein Teil der österreichischen Kavallerie und Artillerie über Volarge nach Dolce zogen. Nachdem so der kürzeste Rückweg für die Infanterie verlegt erschien, blieb nur der Weg über das lessinische Gebirge nach Ala frei, und in dieser Richtung setzten sich auch gegen Abend die Bataillone der Divisionen Davidovich und Sebottendorf von Verona aus in Marsch. F.M.L. Mészáros sollte mit 5 1/2 Bataillonen und 10 Eskadronen diesen Abmarsch decken, und dann nach Bassano zurückgehen; dorthin war schon um 6 Uhr nachmittags General Funk mit der Artilleriereserve abgezogen.

Um 8 Uhr abends kam die Division Fiorella in die Nähe von Verona, nachdem sich kurz vorher Mészáros gegen Bassano in Marsch gesetzt hatte. Im Laufe der Nacht traf auch Augereau in Verona ein.

Am 8. August, vormittags, erreichten:

Sebottendorf mit 7 Bataillonen und 10 Kompagnien, nach einem sehr beschwerlichen Gebirgsmarsche, über Lugo im Val Pantena, St. Anna,

Davidovich mit 4 Bataillonen Peri im Etschtale, und

Mészáros im Marsche gegen Osten Montebello.

Die Brigade Bajalics stand in befestigter Stellung am Monte Baldo, mit ihrer Hauptkraft bei Madonna della Corona, die Brigade Mitrovsky bei Incanal.

Wurmser nahm sein Hauptquartier in Ala.

Reuß hielt unverändert seine Stellung beiderseits des Lago d'Idro, während Quosdanovich mit der Hauptkolonne Torbole, am Nordende des Gardasees erreicht hatte.

Auf französischer Seite hielt Masséna das Plateau von Rivoli besetzt, die Division Augereau stand in Verona, während Fiorella nachmittags von dort in eine Stellung bei Villafranca abmarschiert war, um die Deckung der Armee gegen die starke Besatzung Mantuas zu übernehmen.

Am 9. August erreichte Sebottendorf das Etschtal bei Ala, und nur 6 Kompagnien Kroaten, die später durch ein Bataillon verstärkt wurden, blieben zur Besetzung der Gebirgspässe nächst St. Rocco zurück.

Davidovich ließ seine Stellung bei Peri, am linken Etschufer, verschanzen.

Mitrovsky, der in seiner vorgeschobenen Position bei Incanal durch eine Umgehung seiner rechten Flanke bedroht worden war, zog sich nach Brentino zurück; daraufhin ließ der Feldmarschall von Ala aus Truppen nach Brentino vorrücken und dem General Mitrovsky den Befehl zugehen, am nächsten Tage wieder bis Incanal vorzugehen.

Quosdanovich traf bei Mori ein, und Mészáros erreichte im Laufe der Nacht auf den 10. August Bassano, wo er bis auf weiteres Stellung zu nehmen hatte.

Die Franzosen waren an diesem Tage bei Rivoli und Verona stehen geblieben, und nur Fiorella war von Villafranca aufgebrochen um weiter gegen Mantua bis nach Marmirolo vorzurücken. Ein Teil der Division war beauftragt, über Goito nach Borgoforte zu marschieren, und so die Einschließung Mantuas vorzubereiten.

Am 10. August vormittags besetzte Mitrovsky, ohne auf Widerstand zu stoßen, seine alte Stellung bei Incanal und la Groara. An Stelle des erkrankten Quosdanovich übernahm Sebottendorf das Kommando über die am rechten Etschufer und auf dem Monte Baldo versammelten österreichischen Truppen. Davidovich ließ an der Befestigung seiner Stellung bei Peri weiterarbeiten.

Für den 11. Au g u s t ordnete Bonaparte eine allgemeine Vorrückung an, um die Österreicher völlig nach Tirol zurückdrängen.

Augereau sollte von Verona aus, unter Zurücklassung einer Besatzung von 3000 Mann, über das Gebirge gegen Ala,

Masséna gegen den Monte Baldo und Corona und

Saint-Hilaire und Sauret über Sabbio und Rocca d'Aufo vorgehen.

Augereau rückte in zwei Kolonnen, über St. Anna gegen Borghetto, und über St. Rocco gegen Ala vor, und drückte gegen Abend die schwachen, auf den Höhen stehenden österreichischen Posten zurück.

Masséna griff mit zwei Kolonnen den Monte Baldo, mit einer Kolonne Incanal an. Nachmittags wurde der rechte Flügel der Brigade Bajalics bei Ferrara umgangen, und die Schanze bei Corona, auf die sich der linke Flügel stützte, mit Sturm genommen; Bajalics zog sich gegen Artiglione zurück. General Mitrovsky war nach dreistündiger Verteidigung seiner Stellung bei Incanal zunächst nach la Groara und dann nach Rivalta zurückgegangen. Im Chiesetal erreichten die Franzosen Sabbio.

Am 12. August räumte infolge der Fortschritte Augereaus Davidovich seine Stellung bei Peri und zog sich am Morgen nach Ala zurück; nur Vukassovich blieb mit einer Nachhut bei Ossenigo stehen. General Sporck wurde mit 5 Bataillonen und 3 Eskadronen zum Schutze der linken Flanke ins Val Freddo geschickt, und General Mitrovsky von Rivalta nach Avio (5 km südlich Ala) zurückgenommen. General Bajalics nahm mit seiner Brigade bei Artiglione Stellung.

Westlich des Gardasees marschierten Saint-Hilaire und Sauret von Sabbio über Nozza nordwärts, überwältigten nachmittags den schwachen Posten von Rocca d'Anfo, drangen darauf bis Caffaro vor, und zwangen die dort stehende Reserve zum Rückzug. Die ausgedehnte Aufstellung des Fürsten Reuß war damit durchbrochen und 1100 Gefangene fielen den Franzosen in die Hände. Fürst Reuß ging von Storo gegen Trient zurück, wo er am Morgen des 14. anlangte, und wo auch bald darauf ein Teil seines rechten Flügels, von Bagolino her, anlangte.

Mit diesem Tage erreichten die Feindseligkeiten ihr Ende, und die Österreicher standen ungefähr in derselben Linie, aus welcher sie am 28. Juli den Vormarsch angetreten hatten.

Die österreichische Militärzeitschrift gibt die Verluste des ganzen Feldzuges für die Zeit vom 28. Juli bis 12. August nach den offiziellen Ausweisen in folgender Stärke an:

an Toten: 1 Stabsoffizier, 27 Oberoffiziere und 1042 Mann.
an Verwundeten: 8 " 91 " " 3411 "
an Vermißten: 7 " 159 " " 12024 "
in Summa: 16 Stabsoffiz. 277 Oberoffiziere und 16477 Mann.

Dabei wird aber ausdrücklich bemerkt, daß bis zum 28. August sich über ein Viertel der als vermißt Aufgeführten wieder bei den Fahnen eingefunden habe und der eigentliche Verlust deshalb nur gegen 13000 Mann betrage. Außerdem fielen 71 Geschütze und 147 Munitionswagen und andere Fahrzeuge den Franzosen in die Hände.

Bonaparte berichtete über die beiderseitigen Verluste in seinem an das Direktorium gerichteten ausführlichen Berichte vom 6. August: „Wurmser hat in diesen fünf Tagen siebzig Feldkanonen verloren, alle seine Pulverwagen der Infanterie, zwölf bis fünfzehntausend Gefangene, und sechstausend Mann an Toten und Verwundeten. Wir haben eintausenddreihundert Gefangene und zweitausend Tote oder Verwundete verloren.“ 2) So Übertrieben die Angaben in bezug auf die Österreicher sind, so sehr bleiben sie bezüglich der französischen Verluste unter der als wahrscheinlich anzunehmenden Höhe. General Koch schätzt diese auf 10000 Mann, und zwar auf 6000 Tote und Verwundete und ungefähr 4000 Gefangene. 3)

Previous: XVIII. Das Gefecht bei Peschiera am 6. August.
Next: XX. Schlussbemerkungen.
  1. Le Marquis de Vérac, p. 93:

    „Nach der Niederlage von Castiglione flüchtete die Armee in völliger Auflösung. Der Schrecken war allgemein. Jeder lief dorthin, wo er sich am sichersten glaubt. .... Das Defilé von Dolce war nur mehr im Galopp zu passieren. Der Marschall entschloß sich zu diesem Wege. Aber dieser unglückliche Greis war von den Anstrengungen und der Verzweiflung so gebrochen, daß er nicht mehr die Kraft hatte, sein Pferd in Galopp zu bringen. Die meisten seiner Offiziere hatten ihn verlassen, und suchten sich auf eigene Faust zu retten. Jene, welche bei ihm geblieben waren, drängten ihn vergebens, ein Gleiches zu tun. Er war vollkommen niedergeschlagen. Ohne viel Worte ritt ich an seine Seite und brachte damit sein Pferd zu lebhaften Gang; und dem Reitknecht gab ich zu verstehen, das Pferd so anzutreiben, daß es der Marschall nicht merke. Die schmerzbewegten Klagen dieses unglücklichen und so guten alten Mannes zerrissen mir das Herz. – Bei Volargue sprach er zu mir: Gehen Sie voraus, mein Lieber, und sehen Sie, was es dort gibt. – In diesem Augenblick traf ich Graham: Kommen Sie mit uns, Herr Oberst, rief ich, hier gilt es Spießruten laufen. Beeilen wir uns; je früher und je rascher, desto besser. – Wir nahmen unsere Pferde zusammen, und als wir an das Ende einer Mauer gekommen waren, die uns bisher geschützt hatte, jagten wir ventre à terre die Straße dahin. Die Franzosen riefen uns tausend Schimpfworte zu und schossen auf uns, aber keine Kugel traf. Der Marschall passierte mit zwei Reitknechten hinter uns. Niemand wurde gefangen und nur ein Pferd des Getolges wurde getötet und Offizier verwundert.“

  2. Correspondance No. 842.
  3. Mémoires de Masséna, tome deuxième, p. 165.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 179-183