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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter XIV

Bonaparte vor Mantua

XIV. Die Ereignisse westlich des Gardasees am 3. und 4. August.

In der Ausführung der von Bonaparte für den 3. August angeordneten Angriffsbewegungen gegen Quosdanovich kam es an diesem Tage zu einer Reihe Einzelkämpfe, die fast in völliger Isolierung voneinander zum Austrage gelangten; es sind dies die Gefechte bei Lonato und Desenzano, dann die Gefechte im Chiesetale nächst Gavardo und endlich die Zusammenstöße im Garzatale zwischen Nave und Caino.

I. Die Gefechte bei Lonato und Desenzano am 3. August.

Am 2. August, bei Tagesanbruch, war die Division Masséna von Brescia nach San Marco marschiert, und hatte den General Pigeon mit der 4. leichten Halbbrigade nach Lonato, wo noch Saurets Division stand, vorgeschoben. Als diese Division, unter Guieus Führung – wie im vorigen Abschnitte dargestellt wurde – am Nachmittage über Drugolo nach Salo gerückt war, stand Pigeon in Lonato allein. Ocskay, der im anbefohlenen Vormarsch am Abend des 2. August bis Desenzano gelangt war, hatte von der späteren Entschließung des F.M.L. Quosdanovich, die für den 3. August bereits angeordnete Bewegung gegen Süden aufzugeben, noch nichts erfahren, und rückte im Sinne des ersten Befehles bei Anbruch des 3. August von Desenzano gegen San Marco vor, um sich dort mit Ott zum Angriff auf Brescia zu vereinen. Bei diesem Marsche stieß er auf das von Pigeon verteidigte Lonato, griff dieses energisch an, trieb die Besatzung aus dem Ort und nahm Pigeon und einen Teil seiner Truppe gefangen.

Als aber Ocskay die Vorrückung gegen San Marco fortsetzen wollte, traf er auf die unter dem persönlichen Befehle Bonapartes von dort ankommende Division Masséna. In dem sich alsbald entwickelnden Gefechte versuchte Ocskay die feindlichen Flügel zu umfassen, schwächte sich dadurch in der Mitte, und gab so Bonaparte Gelegenheit, die österreichische Gefechtslinie zu durchbrechen und damit den Kampf zu entscheiden. 1) Ocskay mußte Lonato aufgeben und zog sich, von den Franzosen energisch verfolgt, gegen Desenzano zurück. Um den Österreichern den Weg dahin zu verlegen, ließ Bonaparte seinen Adjutanten, den Oberst Junot mit der Guidenkompagnie, 2) dem 15. Dragonerregiment und einer Abteilung der 4. leichten Halbbrigade unter Oberst Destaing auf Seitenwegen vorauseilen und Ocskay auch von Osten her angreifen. Nach einem hartnäckigen Gefecht, bei dem Junot schwer verwundet wurde, mußte sich endlich der österreichische General mit dem größten Teil seiner Brigade gefangen geben; nur einem geringen Teile gelang es, nach Norden zu entweichen.

In der Verfolgung der fliehenden Österreicher drang zuerst der Generalstabsoffizier Lorcet mit Teilen der 18. leichten Halbbrigade in Desenzano ein. Zu gleicher Zeit war General Fürst Reuß nach einem Nachtmarsch über die Höhen mit seiner Kolonne in die Nähe dieses Ortes gelangt, und hatte von den Versprengten der Brigade Ocskay von der unglücklichen Lage dieses Generals erfahren. Er griff sofort an, warf die Franzosen aus Desenzano und hielt sich über eine Stunde im Besitze dieses Ortes. Nun kam aber Bonaparte mit den Linienhalbbrigaden 18 und 32, und zwang damit den nur 1800 Mann starken Reuß zum schleunigen Rückzug über Padenghe gegen Norden. Die Franzosen folgten lebhaft nach und Rampon rückte mit der 32. Halbbrigade bis Moniga.

Major Maelcamp, der in Castel Sermione heftiges Feuer aus der Gegend von Desenzano und Lonato vernommen hatte, segelte um 8 Uhr früh mit seiner Flottille ab und fand Gelegenheit, die den Fürsten Reuß verfolgenden Franzosen in der rechten Flanke zu beschießen und über 100 versprengte Österreicher aufzunehmen. Maelcamp war es auch, der die erste Nachricht von dem unglücklichen Kampfe bei Lonato, und zwar in der Nacht vom 4. auf den 5., zur Kenntnis des Feldmarschalls brachte.

2. Die Kämpfe im Chiesetal am 3. August.

Gegen die bei Gavardo stehende Hauptkraft des österreichischen rechten Flügels gelangten am 3. August drei französische Kolonnen zur Wirkung: die Division Guieu von Salo her, Despinois von Brescia aus und zwischen beiden Dallemagne mit einem Bataillon von Lonato über Bedizzole und Paitone.

Am frühesten kam Guieu zum Angriff, der vor Tagesanbruch Salo gewonnen hatte und nun mit großer Energie von dort über Tormini gegen Gavardo vordrang. Er bemächtigte sich der hinter der österreichischen Aufstellung aufgefahrenen Artilleriereserve und richtete ein überraschendes Feuer auf das feindliche Lager. Trotz der großen Verwirrung gelang es Quosdanovich sehr bald, drei Bataillone zu sammeln; er warf sich damit den Franzosen entgegen und drängte sie so energisch nach Salo zurück, daß Guieu an diesem Tage sich nicht mehr vorwagte und Masséna um schleunige Unterstützung bat. Dieser beauftragte den General Rampon, mit der 32. Linienhalbbrigade und dem 1. Bataillon der 18. Linienhalbbrigade Guieu zu verstärken, und um 5 Uhr nachmittags setzten sich diese Truppen von Moniga und Desenzano aus nach Salo in Marsch.

Nachdem Quosdanovich den Angriff Guieus abgeschlagen und seine 3 Bataillone auf den Höhen vor Salo postiert hatte, ließ er die Artilleriereserve und den größten Teil seiner Reiterei, für die er in dem gebirgigen Terrain scheinbar keine Verwendung wußte, gegen Sabbio zurückmarschieren und gab Ott Befehl, seine Brigade dicht südlich von Gavardo zu konzentrieren. Von den in der Nähe dieses Ortes stehenden Resten der Brigaden Sporck und Reuß bestimmte Quosdanovich den Oberst Graf Klenau mit 2 Bataillonen und 2 Eskadronen zur Verstärkung der Brigade Ott, während General Sporck mit dem letzten Bataillon als Reserve nördlich Gavardo zu verbleiben hatte.

Unterdessen war Dallemagne mit dem 1. Bataillon der 11. Linienhalbbrigade von Lonato über Bedizzole auf die Höhen westlich von Paitone vorgerückt, hatte den rechten Flügel der Brigade Ott umgangen, und war überraschend in Gavardo eingedrungen. Dallemagne gelangte so zwischen die südlich des Ortes stehende Brigade Ott und das nördlich in Reserve stehende Bataillon des Generals Sporck. Während dieser die aus Gavardo verdrängten Österreicher sammelte, um den Ort wieder zu nehmen, gelang es einer in der Nähe stehenden österreichischen Kompagnie, Gavardo im raschen Anlauf zu erstürmen und die Franzosen gegen Westen zurückzuwerfen.

Kurz darauf zog F.M.L. Quosdanovich, der den in Salo stehenden Franzosen nicht traute, und einen Vorstoß ins Chiesetal und eine ernstliche Bedrohung seiner Rückzugsstraße fürchtete, den General Sporck mit dem letzten Bataillon seiner Brigade zu sich auf die Höhen westlich Salo.

Dallemagne, der immer noch auf das geplante Vorgehen der Kolonne Despinois von Süden her gegen Otts Aufstellung wartete, und sein Bataillon auf den westlichen Höhen gesammelt hatte, warf sich nachmittags abermals mit großer Kühnheit auf die Brigade Ott; ein Teil griff deren rechten Flügel an, ein Teil drang in Gavardo ein. Oberst Knorr, der mit einem Bataillon von Ehrbachinfanterie auf dem rechten Flügel stand, schlug die Franzosen energisch zurück und gleichzeitig warf General Ott mit einem in der Reserve stehenden Bataillon des gleichen Regiments Dallemagne aus Gavardo hinaus. Die Franzosen wurden dabei umzingelt und nur unter großen Verlusten vermochte sich Dallemagne mit einem Teile seines Bataillons nach Rezzato und Brescia durchzuschlagen.

Völlig versagt hatte die Kolonne Despinois, welche die Aufhatte, Gavardo von Süden her anzugreifen, aber schon nach einem schwachen Versuch in großer Unordnung nach Brescia zurückgewichen war. Despinois selbst hat über diesen, nahezu unverständlichen Vorgang, am nächsten Tage aus Brescia folgendes an Bonaparte berichtet: „Wenn es nur der Kühnheit bedurft hätte, so würden wir gestern ohne Zweifel einen großen Erfolg errungen haben; ich habe den Feind aufgesucht und ich habe ihn ohne Zögern angegriffen. Was konnte ich mehr tun? Aber die Arme, welche dem Kopfe folgen sollten, haben mich in der Gefahr verlassen; und ich würde meine Pflicht verraten, wenn ich Ihnen nicht die ganze Wahrheit sagen würde: von der 8. Brigade 3) ist nichts mehr zu erwarten; sie ist derart feige, daß gestern morgen beim ersten Flintenschuß, den eine der Feldwachen gegen einen auf der Straße erscheinenden Österreicher abgab, die Hälfte davonlief. Wir vereinigen uns, der General Bertin und ich und alle die Tapferen, um Sie zu bitten, diese Truppe in eine Festung zu stecken oder wenigstens uns nicht mehr der Gefahr auszusetzen, durch sie entehrt zu werden, und Ihr Vertrauen zu verlieren. – Übrigens kann die Division, deren Kommando Sie mir anvertraut haben, in dem gegenwärtigen Zustand der Auflösung nicht länger verbleiben. Sie ist aller Mittel entblößt, hat weder Kommissare noch Geld, weder Ärzte noch Krankenwagen ... Schicken Sie mir, ich bitte Sie, wenn nur irgend möglich, Infanteriemunition und Proviant. Wir haben nur mehr 10 Patronen pro Mann und in Brescia gibt es nur wellig Vorräte an Lebensmitteln, die für die Besatzung des Schlosses bestimmt sind.“ 4)

3. Das Gefecht bei Nave am 3. August.

Mit mehr Erfolg als Despinois operierte dessen Generalstabschef Herbin im Garzatale. Er brach in der Nacht vom 2. auf den 3. August mit seiner Kolonne von Brescia auf, traf nächst Nave auf österreichische Vorposten und entwickelte sich um 4 Uhr früh zum Angriff gegen die nördlich dieses Ortes stehenden Truppen des Oberstleutnants Vogel. Die in drei Kolonnen vorgehenden Franzosen brachten die Österreicher zum Weichen und drängten diese über San Osetto gegen Norden zurück. Herbin folgte nach und besetzte die Höhen beiderseits des Passes von San Osetto etwa um 1 Uhr nachmittags. Er sandte darauf von hier aus 4 Ordonnanzen an den in Gavardo vermuteten General Despinois, um mit diesem zu einer gemeinsamen Fortsetzung der Bewegung in Verbindung zu treten; aber keiner der abgesandten Reiter traf bei Despinois ein, es wurden vielmehr alle von den Österreichern abgefangen.

Dagegen erhielt Herbin um Mitternacht vom 3. auf den 4. die Nachricht, daß Despinois bei Gavardo nicht durchgedrungen, vielmehr nach Brescia wieder zurückgegangen sei; er ließ darauf den Divisionsgeneral bitten, zur Sicherung seiner Verbindung mit Brescia und zu seiner etwaigen Unterstützung ein Bataillon nach Nave vorzuschieben. Despinois hielt aber Herbins Stellung für zu exponiert, und ließ ihm den Befehl zugehen, San Osetto aufzugeben und nach Nave zurück zu marschieren. Herbin erhielt diese Aufforderung erst am Vormittage des 4. August, gerade als er im Begriff stand, gegen die linke Flanke der über Sabbio zurückgehenden Österreicher vorzustoßen. Nach Empfang des Befehles gab Herbin seine löbliche Absicht auf und zog sich gehorsam nach Nave zurück.

4. Quosdanovich am Abend des 3. August.

Nachdem Quosdanovich die unter Guieu gegen Gavardo vorgedrungenen Franzosen zurückgeworfen hatte, war er auf den Höhen gegen Salo stehen geblieben, um ein abermaliges Vorgehen derselben gegen Westen zu verhindern. Er war dabei entschlossen, am Morgen des 4. August Salo wieder zu nehmen, gleichzeitig aber für den Fall eines Rückzuges, der durch die bei San Osetto gemeldeten Franzosen bedroht erschien, die nach Nozza führende Straße zu sichern. Der Feldmarschalleutnant schickte dem General Ott den Befehl zu:

„den auf Vorposten gegen Mocasina, Ponte San Marco und Brescia stehenden Major Trach mit 1 Bataillon, 2 Kompagnien und 2 Eskadronen stehen zu lassen, den Zugang von San Osetto gegen Gavardo durch einen starken Posten zu sichern, und sich mit den übrigen Truppen seiner Brigade an die unter F.M.L. Quosdanovich auf den Höhen nächst Salo stehende Brigade Sporck anzuschließen. Oberst Graf Gavasini wird gleichzeitig angewiesen, mit 2 Grenadierbataillonen und 2 Pionierkompagnien Vobarno und Sabbio einstweilen zu besetzen und die Straße durch das Chiesetal zu decken.“ 5) Ott erhielt diesen Befehl gegen 6 Uhr abends und setzte seine Brigade sofort gegen Salo in Marsch.

Aber weder Ott noch Sporck waren der Meinung des F.M.L. Quosdanovich, am Morgen des 4. August abermals anzugreifen sondern glaubten vielmehr, unter Hinweis auf die große Ermattung der Truppen, die zahlreichen Verluste und den Mangel an Proviant und Munition, zum sofortigen Rückzug nach Nozza raten zu müssen. Quosdanovich hingegen hoffte, durch weiteres Ausharren gegen die ihm gegenüberstehende französische Hauptmacht das Vorgehen Wurmsers zu erleichtern und blieb bei seinem Entschluß.

Da traf um Mitternacht General Reuß mit seinen Bataillonen ein und brachte die Nachricht von Ocskays schwerer Niederlage und daß bei Lonato und Desenzano Bonaparte mit überlegenen feindlichen Kräften stehe. „General Fürst Reuß hatte bei seinem Rückzuge von Desenzano im Gebirge Seitenwege aufgesucht, um nach Salo zu gelangen. Schon war er mehrere Stunden in der öden Gegend umhergeirrt, als er von Landleuten die Nachricht erhielt, daß die Franzosen bereits Salo, Gavardo und Villanova an der Chiese besetzt hätten. Auf solche Weise wäre Fürst Reuß ganz vom Feinde umringt gewesen. Der General entschloß sich, auf irgend einem Gebirgswege unbemerkt bis in die Gegend von Gavardo zu ziehen, und, wo er auf französische Truppen stoßen würde, sich durch dieselben mit Gewalt Bahn zu brechen. So erreichte er gegen Abend die Gegend von Gavardo, legte seine Leute in eine Schlucht, und durchforschte dann in Person die Gegend näher um Gavardo, nach einem Wege, auf welchem er sich in der Nacht mit seiner Kolonne am Feinde vorbeischleichen könnte, um die Straße von Nozza zu gewinnen. Da überzeugte er sich aber, daß Gavardo noch im Besitz der eigenen Truppen war. Er zog dann durch Schluchten gegen Norden und vereinigte sich gegen Mitternacht mit dem Hauptteile des rechten Flügels auf den Höhen bei Salo.“ 6)

Durch die Mitteilungen des Fürsten Reuß erschien freilich die Lage der Kolonne Quosdanovich nicht unbedenklich. Der Umstand, daß ihr der französische Obergeneral in Person scheinbar mit der Hauptmacht seiner Armee gegenüberstand, ließ vermuten, daß der Marschall noch immer nicht angegriffen habe, und daß man bei einem Angriffe am nächsten Morgen auf überlegene Kräfte stoßen würde. Schätzte man die Verluste der zahlreichen Gefechte der letzten Tage auf reichlich 7000 Mann, so blieben kaum 10000 Mann zum Schlagen, und auch von diesen war schon ein Teil ins Chiesetal zurückgegangen. In einem Kriegsrat, den Quosdanovich mit seinen Generalen hielt, wurde auch auf die Gefahr hingewiesen, die dem Korps über San Osetto drohe, und da auch vom Marschall bestimmte Nachrichten fehlten, so wurde der Beschluß gefaßt: „es wäre nicht möglich, in der gegenwärtigen Aufstellung einen Angriff abzuwarten, da die feindliche Hauptmacht durch ihre am vorigen Tage begonnenen Bewegungen und durch die in der Nacht behaupteten Aufstellungen das Korps mit Umrimigung bedrohe. Es sei daher von der Notwendigkeit geboten, das Korps durch einen Rückmarsch hinter Rocca d'Anfo aus einem fast gewissen Verderben zu retten.“ Quosdanovich hatte dabei die weitere Absicht, von Rocca d'Anfo aus seine Truppen über Storo und Riva um das Nordende des Gardasees dem Feldmarschall zuzuführen.

Der Rückzug sollte sofort angetreten und von General Graf Sporck gedeckt werden. Dem Kommando dieses Generals wurden die folgenden Truppen unterstellt:

Das letztgenannte Bataillon stand auf Vorposten südlich Gavardo, und erhielt den Befehl, sich schleunigst bei Gavardo zu sammeln und mit der Nachhut dem allgemeinen Rückzuge auf Vobarno – Nozza zu folgen.

5. Der Rückzug der Kolonne Quosdanovich am 4. August.

Bald nach zwei Uhr morgens setzte sich F.M.L. Quosdanovich mit der Haupttruppe Chiese aufwärts in Marsch, während die Nachhut auf den Höhen südlich Tormini, Front gegen Salo, Aufstellung nahm und dort das Eintreffen des Bataillons Trach von Gavardo her abwartete. In Salo waren unterdessen die von Guieu erbetenen Verstärkungen, und zwar die Generale Rampon und Saint-Hilaire, mit der 32. Linienhalbbrigade und dem 1. Bataillon der 18. Linienhalbbrigade während der Nacht eingetroffen. Um Uhr früh brachen dann die Franzosen von Salo auf und gingen in zwei Kolonnen zum Angriff vor. Eine nördliche marschierte über die Höhen gegen Vobarno, um das Defilé im Rücken der Osterreicher zu besetzen, eine südliche richtete sich gegen Gavardo, auf die Front der österreichischen Nachhut.

General Graf Sporck, der mit den Grenadierbataillonen am linken Flügel stand, erkannte die seinem Rückzuge drohende Gefahr, und setzte sich sofort in Marsch, um Vobarno und die Straße vor den Franzosen zu gewinnen. Er fand aber, dort angelangt, den Ort und die beherrschenden Höhen von den Franzosen bereits besetzt, und erst nach hartem Kampf und schweren Verlusten gelang es einem Teile seiner Grenadiere, welche die Chiese durchfurtend oder schwimmend passierten, die Straße jenseits Vobarno zu erreichen.

Oberst Knorr, der erst später folgen konnte, fand den Rückweg schon vollkommen verlegt, und so kehrte er mit den beiden Bataillonen Ehrbachinfanterie gegen Gavardo um, wo unterdessen Major Trach mit den eingezogenen Vorposten eingetroffen war. Es schien unmöglich zu sein, den Anschluß an die abziehende Division noch zu finden, und so beschloß Oberst Knorr, Chieseabwärts zu marschieren, um durch die französischen Linien über Ponte San Marco nach Castiglione zu gelangen, wo man die Truppen des Feldmarschalls zu finden hoffte. In Ausführung des kecken Entschlusses erreichte man nachmittags glücklich San Marco, wo ein feindlicher Posten vertrieben wurde, und setzte den Marsch gegen Osten fort. Da wurde – 5 Uhr nachmittags – gemeldet, daß Lonato von 300 Franzosen besetzt sei. Oberst Knorr schickte einen Parlamentär in den Ort, und ließ die Besatzung zur Übergabe auffordern. In Lonato stand aber zu jener Zeit tatsächlich General Victor mit zwei Bataillonen der 18. Linienhalbbrigade und der 4. leichten Halbbrigade und kurz vorher war der französische Obergeneral, mit seinem Stabe von Castiglione kommend, dort eingetroffen. Der Parlamentär wurde vor Bonaparte geführt. „Wissen Sie, vor wem sie stehen?, sprach dieser, vor dem Obergeneral der französischen Armee, und offenbar machen Sie nicht den Anspruch, ihn mit seiner Armee gefangen zu nehmen. Ihr Korps ist abgeschnitten und an ihm ist es, sich zu ergeben. Ich gewähre ihm nur 10 Minuten, um die Waffen zu strecken, und bewillige den Offizieren ihre Pferde, ihre Equipierung und ihre Degen; wenn es Widerstand leistet, gebe ich niemandem Quartier.“ 7)

Oberst Knorr zweifelte an der Möglichkeit, angesichts der persönlichen Anwesenheit des französischen Obergenerals die feindlichen Linien gewaltsam zu durchbrechen, sah auch keine andere Richtung zum Entkommen offen, und so gab er sich mit seinen Truppen kriegsgefangen. 8) Damit war der letzte Rest des österreichischen rechten Flügels aus dem Felde. –

Überblickt man die Gesamtheit der zahlreichen Einzelkämpfe, die Quosdanovich mit den Franzosen zu schlagen hatte, so erscheinen vor allem zwei Momente charakteristisch: auf französischer Seite ein unentwegtes, zähes Hinstreben gegen die feindliche Rückzugslinie, und auf Seite der Österreicher eine überaus ängstliche Beachtung dieser feindlichen Bestrebungen, die keine energische Offensive aufkommen läßt. Quosdanovich wird bei allen seinen Anordnungen stets nur von der Sorge um seine rückwärtigen Verbindungen geleitet und verliert damit seine offensive Hauptaufgabe: über Desenzano zu einer gemeinsamen Aktion mit Wurmser

zu kommen, immer wieder aus den Augen. Er gelangt nur zu schwächlichen Versuchen in dieser Richtung. Nicht unbeachtet darf aber bleiben, daß Quosdanovich über die Bewegungen der österreichischen Hauptarmee stets nur sehr dürftig unterrichtet war, und diese Unkenntnis auf seine Entschlüsse lähmend wirken mußte.

Weniger klar als andernorts zeigen die französischen Angriffsbewegungen die Vorzüge Napoleonischer Kriegführung. Man vermißt die Formation einer Hauptkraft und ihr Ansetzen in entscheidender Richtung; das Rencontre löst sich in eine Reihe einzelner Kämpfe auf, die ohne direkten Zusammenhang in einem Raume von reichlich 20 km Frontbreite ausgefochten werden. Tatsächlich führte auch keines der einzelnen Gefechte mit zwingender Notwendigkeit die Entscheidung herbei, und der Entschluß des österreichischen Generals zum Rückzuge war ein durchaus freiwilliger; nicht leicht hätte Quosdanovich gehindert werden können, mit den Resten seiner Division am Morgen des 4. August Salo wieder zu nehmen. Die Übermacht hätte bei diesem Angriff entschieden auf österreichischer Seite gelegen, und was die Erschöpfung der Truppen anbelangt, den Mangel an Proviant und Munition, so waren wohl beide Gegner gleichwertig.

Erst der freiwillige Rückzug des österreichischen rechten Flügels gab dem französischen Feldherrn die Möglichkeit, am 5. August eine Überlegenheit an Zahl zur entscheidenden Wirkung zu bringen. –

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  1. Siehe Anlagen: Bericht Bonapartes vom 6. August.
  2. Berittene Stabstruppe.
  3. Soll wohl heißen 5. Halbbrigade; diese hatte sieh aber am 31. Juli bei Lonato wacker geschlagen.
  4. Correspondance inédite. Despinois au général en chef. Brescia, le 17 therm. (4 août) 1796.
  5. Österreichische Militärzeitschrift, Jahrgang 1830.
  6. Österreichische Militärzeitschrift, Jahrgang 1830.
  7. Marmonts Memoiren, I. Teil.
  8. Bonaparte an den Gouverneur von Brescia.

    Hauptquartier Lonato, den 4. August 1796.

    In diesem Augenblick, mein Herr, haben drei österreichische Bataillone, viertausend Mann stark, vor den französischen Truppen die Waffen gestreckt. Diese Truppen kommen heute Abend nach Brescia, um dort zu biwakieren oder einquartiert zu werden. Der Obergeneral fordert sie auf, viertausend Portionen Brot für jeden Tag backen und an die Gefangen verteilen zu lassen.

    Ein anderes Korps von eintausendachthundert Mann ist soeben bei Salo gefangen worden. Es wird noch in der Nacht in Brescia ankommen. Lassen Sie ihnen gefälligst gleichfalls eintausenddachthundert Rationen bereiten, was im ganzen fünftausendachthundert Rationen für fünftausendachthundert Gafangene beträgt, die heute Abend in Brescia ankommen. Diese Unglücklichen haben seit zwei Tagen nicht gegessen. Die Menschlichkeit schreibt Ihnen vor, ihnen von allen Einwohnern Ihrer Stadt Brot geben zu lassen. Der Obergeneral empfiehlt Ihnen, die bestimmtesten Befehle zu erteilen.

    Auf Befehl des Obergenerals.

    (Correspondance No. 832.)

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 141-151