Home Store Products Research Design Strategy Support News
 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter XIII

Bonaparte vor Mantua

XIII. Die Kolonne Quosdanovich am 2. August.

Wie bereits erzählt wurde, war F.M.L. Quosdanovich auf die Nachricht von der Besitzergreifung Salos durch die Franzosen, in der Befürchtung, seine Verbindung mit Nozza und Tirol zu verlieren, am Abend des 31. von Montechiaro Chiese aufwärts gerückt, und hatte so den Weg nach Brescia für Bonaparte freigegeben und seine Brigaden – wenn auch unbewußt – dem überlegenen französischen Angriffe entzogen. Als sich am Morgen des 1. Salo vom Feinde verlassen erwies, stellte Quosdanovich den weiteren Marsch gegen Norden ein, machte wieder Front gegen Süden und gab seinen Truppen im Laufe des Tages die in der Karte Blatt 3 eingezeichnete Stellung:

In den Mittagsstunden dachte der Feldmarschalleutnant an eine Offensive gegen Desenzano; als aber nachmittags die Meldung einlief, daß starke feindliche Kräfte in Brescia eingezogen wären, gab er diese Absicht – sehr zum Schaden für Österreichs Waffen – auf, und verblieb bis auf weiteres untätig in der angegebenen Stellung, wozu er sich um so mehr bewogen fühlte, als er noch immer ohne Nachricht von Wurmser war. Er richtete sein Augenmerk auf die Beobachtung der von Süden gegen seine Aufstellung führenden Wege und die Sicherung der im Rücken gelegenen Defileen durch Besetzung von Sabbio, Vobarno und Salo mit einzelnen Kompagnien. Überdies wurde Oberst Lusignan mit einem Bataillon Klebek Infanterie nach Lodrino bestimmt, um von hier aus das Val Trompia zu beobachten.

Da traf am 2. August mittags in Gavardo ein vom 1. August aus Valeggio datiertes Schreiben des Feldmarschalls ein, des Inhalts, daß die Hauptarmee am folgenden Tage den Mincio überschreiten und in den Rücken der Republikaner marschieren werde. Wurmser äußerte zugleich: „er verspräche sich, daß F.M.L. Quosdanovich alles aufbieten werde, um sich den Feind von vorn vom Halse zu schaffen.“ Um den Absichten des Armeekommandos entgegenzukommen, entschloß sich Quosdanovich, die beiden vor- deren Brigaden noch am Nachmittage weiter gegen Süden vorzuschieben und am nächsten Morgen zum allgemeinen Angriff überzugehen. Er gab den Befehl, die Brigade Ott solle nachmittags in zwei [Kolonnen nach Montechiaro, Ocskay aber nach Desenzano marschieren, und beide sollten dann am 3. August vereint gegen Brescia vorrücken; Oberstleutnant Vogel habe diesen Angriff von Caino aus zu unterstützen. Mit den Brigaden Reuß und Sporck wollte der Feldmarschalleutnant am Morgen des 3. nach Montechiaro marschieren. um Wurmser die Hand zu bieten.

Tatsächlich wurde nun von diesen Bewegungen nur der Vormarsch Ocskays auf Desenzano ausgeführt, während die Vorrückung der Brigade Ott unterblieb, und zwar aus Gründen, die einer um halb 11 Uhr abends zu Gavardo eingetroffenen Meldung Otts zu entnehmen sind. Ott berichtete: „er habe nachmittags um 4 Uhr eine Meldung erhalten, daß eine starke feindliche Kolonne von Lonato über das Gebirge nach Salo ziehe; er habe sie rekognosziert und schätze ihre Stärke auf 4000 Mann. Bis zum Einbruche der Dämmerung habe er immer erwartet, daß diese feindliche Kolonne auf die Stellung des Generals Ocskay bei Sojano stoßen werde; indes sei kein Schuß vernommen worden. General Ott schließe daraus, daß Ocskay bereits seine Stellung verändert habe, daß dadurch die Gegend von Salo entblößt und dem Feinde offen stehe, und daß dieser sowohl die Position Otts bei Goglione, als jene des F.M.L. Quosdanovich bei Gavordo umgangen habe.“ 1)

Die französische Kolonne, von der diese Meldung spricht, und die so merkwürdig zwischen die österreichischen Brigaden geraten war, war die von Guieu statt des erkrankten Sauret geführte Division. Diese war bald nach Mittag von Lonato über Drugolo gegen Salo aufgebrochen und hatte nur das I. Bataillon der 11. Linienhalbbrigade unter Dallemagne zurückgelassen, damit dieses am Morgen des 3. über Paitone den von Salo aus geplanten Angriff gegen die obere Chiese unterstütze. Da Ocskay zu gleicher Zeit von Sojano-Monigo auf Desenzano vorgerückt war, so blieb Guieus Marsch von dieser Brigade unbemerkt und ungestört.

Quosdanovich war über die gemeldeten Vorgänge, die durch Kundschafter und zurückkehrende Nachrichtenpatrouillen ihre Bestätigung fanden, äußerst beunruhigt, und, statt in dieser isolierten feindlichen Kolonne eine willkommene Beute zu sehen, gab er den für den nächsten Morgen geplanten Vormarsch auf. Er begnügte sich damit, gegen Mitternacht den General Fürst Reuß mit 2 Bataillonen und 1 Eskadron aus dem Lager bei Gavardo aufbrechen zu lassen, mit dem Befehle: „der gemeldeten französischen Kolonne entgegenzugehen, diese, wo er sie fände. anzugreifen, und die Verbindung zwischen den Brigaden Ott und Ocskay wieder herzustellen und zu sichern.“

Es kann natürlich nicht überraschen, daß Fürst Reuß auf seinem Marsche die Kolonne Guieu nicht traf, denn seine auf Desenzano gerichtete Vorrückungslinie kreuzte die französische in der Höhe von Castrezzone zu einer Zeit, da Guieu bereits in der Nähe von Salo war.

Die Brigade Ocskay hatte am Abend Desenzano erreicht, während General Ott seine Brigade bei Goglione enger zusammenschloß. –

Previous: XII. Bonaparte am 1. und 2. August zu Brescia und Montechiaro.
Next: XIV. Die Ereignisse westlich des Gardasees am 3. und 4. August.
  1. Österreichische Militär-Zeitschrift, Jahrgang 1830.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 139-141