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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter XI

Bonaparte vor Mantua

XI. Die Bewegungen Wurmsers vom 31. Juli bis zum 2. August.

Am Abend des 30. Juli hatten – wie schon erzählt wurde – die östlich des Gardasees vorrückenden Kolonnen die folgenden Stellungen erreicht:

Am Morgen des 31. Juli rückte Wurmser mit den beiden Hauptkolonnen nach Süden vor:

Das Hauptquartier folgte der Bewegung zunächst bis Pastrengo, wo der Befehl erging, daß die Schiffbrücke bei Dolce sogleich abgebrochen und bei Bussolengo wieder geschlagen werden solle, und folgte dann dem Vormarsch bis Castelnovo, von wo um 1 Uhr nachmittags dem Kommandanten von Mantua die bisherigen glücklichen Fortschritte mitgeteilt wurden.

Von den Höhen, über welche der Marsch führte, übersah man die Po-Ebene bis gegen Brescia, und man erkannte deutlich, daß bei Lonato gekämpft werde. Gleichzeitig liefen Meldungen ein, daß französische Kolonnen gegen Brescia in Bewegung seien, daß aber bei Roverbella noch starke Kräfte des Feindes stünden. Das letztere war zutreffend, das erstere nicht, denn die französische Armee hat – wie schon bekannt – erst in der Nacht die Bewegung gegen Westen angetreten.

Der Feldmarschall konnte jetzt entweder seinem bedrohten rechten Flügel zu Hilfe eilen und über den Mincio gegen Lonato marschieren, oder auf Roverbella vorstoßen, um die dort zur Deckung der Belagerung stehenden Franzosen zu schlagen. Sein tatsächlicher Entschluß lag zwischen beiden Möglichkeiten: die Hauptkraft sollte bei Valeggio über den Mincio und Quosdanovich die Hand reichen, und eine Nebenkraft – etwas mehr als ein Viertel – sollte den bei Roverbella stehen den Feind in Schach halten.

Zur Bildung dieses Flankenkorps, das sich bei Villafranca zu formieren hatte, wurden dahin in Marsch gesetzt:

Die übrigen Truppen setzte der Feldmarschall um 4 Uhr nachmittags von Castelnovo gegen Valeggio in Bewegung: die Vorhut unter General Liptay, dann die Division Davidovich und zum Schluß der Rest der Division Sebottendorf. Während dieses Marsches erfuhr Wurmser, daß die Belagerung von Mantua noch ungestört im Gange sei, und daß Bonaparte bereit sei, bei Roverbella eine entscheidende Schlacht zu schlagen. Die erste Absicht, über den Mincio zu gehen, wurde aufgegeben und es kam nun darauf an, bei der bevorstehenden Entscheidung möglichst stark zu sein, und so ließ der Feldmarschall dem General Mészáros den Befehl zugehen: „mit seiner Kolonne bei Legnago über die Etsch zu gehen, und in starken Märschen so weit als möglich über Nogara gegen Mantua vorzurücken, dabei jedoch immer nach rechts die Verbindung mit Villafranca aufrecht zu erhalten.“ 1)

In der Nacht auf den 1. August trafen dann beim österreichischen Hauptquartier in Valeggio Meldungen ein über Bewegungen des Feindes bei Roverbella, und am Morgen kam die sichere Kunde, daß die Franzosen von Mantua abgezogen und die Gegend des unteren Mincio vollständig geräumt hätten. Mantua war also befreit, die Hauptaufgabe war erfüllt und nichts stand im Wege, den schon am 31. ins Auge gefaßten Entschluß auszuführen und nunmehr mit aller Macht den nach Westen abziehenden Franzosen zu folgen und sie in glücklichem Zusammenwirken mit Quosdanovich an der Chiese zu schlagen. Die Lage war für Österreichs Waffen die denkbar günstigste. Berthier hat die Situation der französischen Armee folgend skizziert: „Unsere Lage wurde immer mißlicher; die ganze feindliche Armee verfolgte uns, und das Korps, das auf Brescia vorgerückt war, kam uns entgegen.“ 2) – Die Franzosen hatten kaum einen Vorsprung von 24 Stunden, und so lange konnte Quosdanovich allein die Franzosen festhalten und einer Entscheidung aus dem Wege gehen. Es kam nur darauf an, mit der Hauptkraft so rasch als möglich über den Mincio zu gehen und den Franzosen nachzusetzen.

Aber mächtiger als diese sehr natürliche Erkenntnis schien den Feldmarschall die Genugtuung über den großen Erfolg zu bewegen, und es zog ihn mit Gewalt gegen das befreite Mantua hin. Er schickte Liptay mit der Vorhut – 4 2/3 Bataillone und 4 1/2 Eskadronen – von Valeggio nach Roverbella, und eine Abteilung auf dem rechten Mincioufer abwärts nach Goito. Das Gros der Armee blieb untätig bei Valeggio stehen.

Liptays Patrouillen zogen in Mantua ein, während er selbst von Roverbella nach Goito marschierte, wo er gegen Abend eintraf. Die dortige Minciobrücke hatten die Franzosen am Morgen teilweise zerstört, ihre Wiederherstellung wurde aber alsbald von den Landleuten und einer von der Kolonne Spiegel eingetroffenen Patrouille in Angriff genommen und bis Liptays Ankunft beendet. So konnte dessen Kavallerie unter Oberst Piaczek über den Fluß setzen, feindliche Patrouillen bis Guidizzolo verfolgen und zahlreiche Nachzügler gefangen nehmen. In Goito wurden 5 schwere Kanonen erbeutet.

An den Kommandanten von Mantua erließ Feldmarschall Wurmser ein Schreiben, in welchem er „diesem und allen seinen Truppen für die tapfere Verteidigung der Festung seinen Dank ausdrückte und mitteilte, daß Bonaparte mit seiner ganzen Armee gegen Brescia und den österreichischen rechten Flügel ziehe. Damit nun Quosdanovich nicht von einer ihm weit überlegenen feindlichen Macht angefallen werden könne, sei bereits der Vortrab des Zentrums über den Mincio gegangen. Er selbst werde am nächsten Morgen mit der II. und III. Kolonne bei Valeggio Liptay bei Goito – über diesen Fluß setzen und dem Feinde nachfolgen. Die IV. Kolonne (Mészáros) habe den Weg über Legnago eingeschlagen, und werde, nach den sich ergebenden Umständen, entweder sich dem Po nähern, oder sich am Mincio wieder mit der Armee vereinigen.“ 3)

Gleichzeitig schickte der Feldmarschall die Generale Funk von der Artillerie und Lauer vom Ingenieurkorps mit mehreren Offizieren in die Festung, um die zur Instandsetzung der Artillerie und der Werke erforderlichen Maßnahmen treffen zu lassen. Bald darauf gab aber der Feldmarschall seine erste Absicht, bei Valeggio über den Fluß zu gehen, auf und bestimmte Goito zum Übergangspunkt für seine ganze Macht. Das war ein folgenschwerer Entschluß, und zunächst nur geeignet, abermals kostbare Zeit zu verlieren, in einer Lage, wo jede Stunde Zeitgewinn von allergrößter Bedeutung war. Es ist nicht leicht, für diesen merkwürdigen, überraschenden Wechsel der Anschauungen im österreichischen Hauptquartier eine Erklärung zu finden, und er war auch, allem Anscheine nach, nicht ohne heftigen Widerspruch zum Entschluß geworden.

Hier muß bemerkt werden, daß der Generalquartiermeister der Armee, Oberst Duka, – auffallend genug – nicht bei Wurmser sondern bei der Kolonne Quosdanovich war, und daß inzwischen der älteste Generalstabsoffizier, Oberst Zach, die Geschäfte im Armeehauptquartier führte. Diese Tatsache läßt vermuten, und ist auch nur so zu erklären, daß Wurmser mit großer Bestimmtheit auf eine baldige Vereinigung der getrennt vormarschierenden Kolonnen rechnete, und daß er in der Zuteilung des Oberst Duka zur Kolonne Quosdanovich die beste Gewähr für deren richtige und seinen Intentionen entsprechende Führung sah. Nun berichtet der damals im Hauptquartier anwesende englische Oberst Graham, daß Oberst Zach entschieden gegen die Verlegung des Übergangspunktes von Valeggio nach Goito war, und daß Zach überdies der Meinung war: „daß es eine Torheit sei, den Mincio in der Verfolgung eines nicht geschlagenen Feindes, dessen Kräfte am Südende des Gardasees konzentriert wären, zu passieren, und daß, wenn man schon über den Fluß wolle, dies näher an Peschiera, bei Valeggio, zu geschehen habe, nicht aber bei Goito, da man durch den Marsch dahin nur unnütz Zeit verliere.“ 4) Der letzteren Ansicht kann man natürlich nur voll beipflichten, nicht so dem erst ausgesprochenen Bedenken. Es handelte sich um keine Verfolgung sondern um das Aufsuchen eines entscheidenden Sieges, der um so wahrscheinlicher war, je früher man zu einem Zusammenwirken mit dem bedrängten Quosdanovich kam. Immerhin läßt diese Feststellung erkennen, daß im österreichischen Hauptquartier von maßgebender Seite Anschauungen zu Worte kamen, die einer Offensive gegen Westen widerrieten und für ein Zuwarten am Mincio waren, und darin wird man auch eine teilweise Erklärung für das sonst ganz unverständliche Zögern des Feldmarschalls erblicken dürfen.

Tatsächlich wurde also Goito für den 2. August als Übergangspunkt bestimmt. Welche Erwägungen zu diesem Entschluß geführt haben, läßt sich mit Bestimmtheit nicht erkennen, aber der am Abend an Mészáros gerichtete Befehl gibt wenigstens zu Vermutungen Stoff. Der Feldmarschall gab nämlich den Auftrag, „Mészáros habe von Nogara, wo er am 1. mittags eingetroffen war, seinen Marsch nach Governolo zu richten, den Mincio zu passieren, sich zwischen diesem Flusse und dem Po gegen Borgoforte zu wenden, und dem Zentrum, sobald dieses über den Mincio gesetzt haben würde, zu folgen, um durch genaues Zusammenwirken den Feind in den Winkel bei Peschiera einzuschließen.“ 5)

Man wollte also den Feind in den Winkel bei Peschiera drängen! Das deutet darauf hin, daß man die französische Armee noch nicht bei Brescia, sondern etwa auf den Höhen zwischen Castiglione und Lonato vermutete, und daß man der Absicht war, durch eine weit ausholende umfassende Angriffsbewegung mit dem starken linken Flügel von Goito aus – Drehpunkt Peschiera – Bonaparte gegen den See nach Norden zu drängen, während Quosdanovich ein Ausbrechen der Franzosen nach Westen verhindern, gewissermaßen die Klappe schließen sollte! War dies der Plan, dann hatte man schlecht gerechnet, denn er konnte nur dann zum guten Ende führen, wenn der Gegner wirklich noch südlich vom Gardasee stand und auch die passive Rolle spielte, die der Plan von ihm erwartete. Man täuschte sich in beidem.

Der Feldmarschall gab für den 2. August die folgenden Befehle aus:

„General Liptay – den man noch in Roverbella vermutete – soll um 3 Uhr morgens von da nach Goito marschieren, durch 2 vorausgeschickte Pionierkompagnien die dortige Brücke in Stand setzen lassen, dann über den Mincio gehen und in der Linie Rodigo-Ceresara-Guidozzolo-Cavriana Vorposten ausstellen.

Oberst Weidenfeld rückt mit 3 Bataillonen und 1 Eskadron von Valeggio über Borghetto-Monzambano-Ponti vor Peschiera, und blockiert diese Festung auf dem rechten Ufer.

Die Hauptkolonne marschiert um 3 1/2 Uhr früh von Valeggio auf Goito; voraus eine Avantgarde von 10 Kompagnien und 1 Eskadron unter General Schubirz, dann die Division Davidovich mit 10 Bataillonen und 2 Kompagnien, endlich die Division Sebottendorf mit 3 2/3 Bataillonen und 4 Eskadronen.

Sobald die Armee bei Goito den Fluß überschreitet, hat sich General Schubirz mit der Avantgarde rechts nach Volta zu ziehen, um die Hügelreihe bis Cavriano zu besetzen, und um die rechte Flanke zu decken und die von Peschiera, Desenzano und Castiglione kommenden Wege zu beobachten.“ –

Die Brigaden Pittoni und Spiegel waren im Laufe des Tages von Villafranca nach Valeggio gerückt, während Mitrovsky den ganzen 1. August dazu gebraucht hatte, um seine Kolonne bei Bussolengo teils auf Plätten, teils mittels der erst nachmittags von Dolce eingetroffenen Schiffsbrücke, über die Etsch zu setzen, so daß diese Kolonne erst am 2. August zur Hauptarmee kam. Sie hätte ihr Marschziel zweifellos rascher auf dem Umwege über Verona erreicht.

General Bajalics hatte schon am Nachmittage des 31. Juli, als er vor Peschiera eintraf, diese Festung vergebens zur Übergabe aufgefordert; er erhielt vom Feldmarschall den Befehl: „die Festung mit starken Posten zu umgeben, und unter der Drohung eines ernstlichen Angriffes, die Aufforderung sowohl bei dem französischen Kommandanten, als auch beim venetianischen Gouverneur schriftlich zu wiederholen.“

F.M.L. Mészáros meldete am Abend, „daß er bei seinem Eintreffen in Legnago, am Morgen des 31. Juli, die Etschbrücke vom Feinde zerstört gefunden habe, daß aber ihre Wiederherstellung bis 11 Uhr vormittags bewirkt worden war. Am Morgen des 1. August habe er in Legnago 2 Kompagnien und 12 Husaren gelassen und sei über Sanguinetto auf Nogara marschiert, von wo aus er seine Vorposten bis Castellaro vorgeschoben, und sich rechts durch Patrouillen mit den Truppen bei Villafranca in Verbindung gesetzt habe.“ Der Befehl, der ihm für den 2. August den Marsch über Governolo nach Borgoforte auftrug, wurde bereits erwähnt. Am 1. August war also die österreichische Hauptkraft im wesentlichen in der Stellung geblieben, die sie schon am 31. Juli erreicht hatte, und nur die zurückgebliebenen Kolonnen Mitrovsky und Mészáros waren näher an den Mincio herangekommen.

Aber ebensowenig kam es auch am 2. August zum Vormarsch über den Mincio, und Wurmser begnügte sich mit der angeordneten Verschiebung seiner Hauptkraft von Valeggio nach Goito, die am Morgen dieses Tages ausgeführt wurde. Über den Fluß setzten nur die Kolonnen Liptay, Schubirz und Weidenfeld.

General Liptay ging am frühen Morgen bei Goito ans rechte Mincio-Ufer und rückte auf Castiglione vor, wo Valette mit 1500 Mann der 18. leichten Halbbrigade stand. Die Franzosen räumten aber schon bei der Annäherung der Kavallerie nach wenigen Schüssen und in großer Eile den Ort und zogen sich an die Chiese zurück.

General Schubirz war von Goito nach Cavriano marschiert – er hätte es auf direktem Wege von Valeggio im dritten Teile der Zeit erreicht – und erhielt noch nachmittags den Befehl, von Cavriano gegen Pozzolengo vorzurücken und die Verbindung zwischen Liptays Truppen und der Kolonne Weidenfeld herzustellen. Diese hatte inzwischen die angewiesene Stellung zwischen Ponti und Peschiera erreicht, so daß diese Festung nunmehr auf beiden Ufern des Mincio blockiert war. Die etwa 650 Mann starke französische Besatzung entzog so der Offensivkraft der österreichischen Armee eine nahezu zehnmal so große Kraft.

Dafür befahl der Feldmarschall dem Kommandanten von Mantua, von der Besatzung die Generale Vukassovich und Ruccavina mit 7 Bataillonen und Eskadronen über Goito zur Armee und 1 Eskadron zur Kolonne Mészáros abrücken zu lassen. Diesem Auftrage wurde jedoch nicht im vollen Umfange entsprochen, was Canto d'Yrles damit begründete, daß er starke Detachements zu Governolo und Borgoforte unterhalten müsse, und daß das feindliche Belagerungskorps noch ganz in der Nähe, bei Marcaria, aufgestellt sei; Ruccavina sei übrigens krank und nach Padua unterwegs. Tatsächlich wurde auch Vukassovich allein, und zwar mit 4 schwachen Bataillonen und 4 Kompagnien, die zusammen nicht ganz 2000 Mann zählten, am 3. August 4 Uhr früh nach Goito in Marsch gesetzt.

Der Kolonne Mészáros wurde noch aus Valeggio der Befehl gesendet, „von Nogara über Governolo nach Borgoforte an den Po zu marschieren, womöglich über diesen Fluß zu setzen, und dem Feinde auf dessen Rückzuge zu folgen.“ – Man darf annehmen, daß dem Feldmarschall zuletzt Meldungen vorgelegen haben, die von einem weiteren Rückzuge der Belagerungsarmee Po-aufwärts berichteten, und dieser sollte vermutlich Mészáros nachfolgen.

Über den bisherigen Verlauf der Operationen berichtete Feld- Marschall Wurmser an den Kaiser in folgendem Schreiben:

„Geheiligte Majestät! In der Freude meines Herzens kann ich F.M. die Aufhebung der Belagerung von Mantua melden. Der große Erfolg, in so wenigen Tagen errungen, ist dem umfassenden Angriff und vor allem der rechten Kolonne zu danken, die über Brescia vorgerückt war und den Feind in Bestürzung versetzt hat. 6) Ich marschiere eiligst auf Brescia, wohin sich die ganze Macht des Feindes gewendet hat. Ich gehe bei Goito mit der Armee über den Mincio, und blockiere Peschiera, das sich von selbst ergeben wird. Der linke Flügel unter dem Kommando des Generals Mészáros hat Befehl, die Überschreitung des Po zu versuchen, um den Feind zu verfolgen. Mir liegt Mailand zu sehr am Herzen, als daß ich die Armee verlassen könnte, und man darf dem Feinde keine Zeit lassen, der Lombardei weiteres Leid zuzufügen. Deshalb kann ich nicht selbst nach Mantua gehen. 7) Ich schicke den General Lauer dorthin, damit er die zur Ausbesserung der Werke erforderlichen Anordnungen treffe, und feststelle, ob genug Artillerie vorhanden sei, um Tortona und Alessandria belagern zu können; die Kosten für die Herbeischaffung der Artillerie vom Rhein könnten dann vermieden werden.

Ich hoffe, daß E. M. geruhen werden, dem Major Baron Vincent den Rang eines Oberstleutnants und Generaladjutanten zu verleihen: das ist ein tapferer, vortrefflicher Offizier, welcher mir von großem Nutzen ist, und welcher die Gnade und Güte E. M. verdient.“ 8)

Diesem Schreiben war der folgende Bericht 9) des Festungskommandanten Canto d'Yrles beigelegt:

Mantua, den 1. August.

„Die Gelegenheit, daß der Herr Oberleutnant Graf Khevenhüller vom Generalstab mit einer Extrapatrouille herein in die Festung gekommen ist, nehme ich mir zur Pflicht, in Rücksicht der Festung Mantua den gegenwärtigen Zustand in möglichster Kürze gehorsamst zu unterlegen:

Nachdem heute früh eine außerordentliche Stille in denen feindlichen Linien um die Festung wahrgenommen worden, so habe ich zuerst einige angemessene Patrouillen aus denen Außenwerken den Feind auszunehmen, gegen seine Linien vorrücken lassen. Nach eingegangenen Rapporten, daß die Tranchée und alle übrigen Aufwürfe um die Festung vom Feinde verlassen worden, ließ ich stärkere Detachements von Infanterie und Kavallerie gegen Governolo, Borgoforte und Marmirolo vorrücken. In der Tranchée und übrigen feindlichen Linien verließ der Feind alles Geschütz und Munition, und auf allen Straßen die Spur einer präzipitierten Flucht, welches die abgeworfenen Gewehre und Bagage verrieten. 1 Obrist, 10 Offiziers und über 100 Gefangene sind bis jetzt eingebracht. In Governolo sind bis 300 Franzosen von Bauern mittels militärischen Beistands eingesperrt und werden von da hereingeführt. 10)

In Borgoforte ist der ganze Artilleriepark von beinahe 100 Kanonen, 12 Bombenkessel von größtem Kaliber, nebst Munition in größter Quantität, nämlich 80-90 000 Bomben und Kugeln, 40000 Zentner Blei, teils in Kugeln, teils in ganzen Stücken, 200 Doppelhacken, eine Quantität kleines Feuergewehr, Degen und Säbel, 4 Schiffe, welche noch ganz mit Munition beladen, 2 Pulvermagazine, vieles Bauholz und sehr viele Requisiten zu verschiedenen Arbeiten.

In San Benedetto ist eine feindliche Kriegskasse, von einigen Franzosen bewacht, welche nicht fortgebracht werden kann, wozu ich gleich jetzt eine starke Division 11) von Erzherzog Anton unter Führung des Herrn Obersten von Fronius dahin abgeschickt, solche abzuholen. 12)

Aus allen Umständen wird die totale Deroute des Feindes geschlossen. Die Detachements sind noch nicht eingerückt. Ich behalte mir vor, seiner Zeit einen umständlichen schriftlichen – und morgen von dem Verlauf der Sache, wenn ich die Gnade nicht haben sollte, Euer Excellenz in Mantua meine Dienerschaft zu zeigen. durch einen Herrn Stabsoffizier einen vorläufigen mündlichen Bericht davon gehorsamst abzustatten.“ 13)

In einem zweiten Bericht vom selben Tage meldet der Feldmarschall noch dem Kaiser: „der heutige und der morgige Tag sind von der größten Wichtigkeit, und es erfordert alle Anstrengung, um in Ordnung die Armee in anhaltenden Märschen vorzuführen und dabei in der besten Verfassung zu bleiben; und wenn ich nur, wie ich hoffe, so glücklich bin, die Verbindung mit F.M.L. Quosdanovich zu erzwingen, so getraue ich mich auch zu behaupten, daß bei dem Mut und guten Willen der Armee die weiteren Fortschritte nicht minder vorteilhaft sein werden. Obzwar es nicht möglich ist, die Truppe mit allem zu versehen, so erträgt selbe dennoch die Fatiguen mit einer ausgezeichneten Anstrengung.“ 14)

Aber noch hatte die Botschaft des Sieges Wien nicht erreicht, als Bonaparte das Glück der Waffen von neuem an seine Seite zwang, und als wenige Tage verstrichen waren, hatte das Kriegsgeschick gegen 'Österreich entschieden.

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  1. Österr. Militärschrift,, Jahrgang 1830.
  2. eldzug des Generals Buonaparte in Italien (Paris im 6. Jahre der Republik). Übersetzung von J. Frey. Seite 140.
  3. Österr. Militärzeitschrift, Jahrg. 1830.
  4. The english historical review. January 1899. Seite 123.
  5. Österr. Militärzeitschrift, Jahrgang 1830. Der Feldzug 1796.
  6. Sacrée Majesté! Je suis dans Ja joie de mon coeur de pouvoir annoncer officiellement à V. M. la levée du siège de Mantoue: c'est à force de manoeuvre et de serrer de près le général Bonaparte, que je suis parvenu à ce bonheur en si peu de jours. C'est la colonne de la droite, qui s'est portée sur Brescia, qui à donne le plus d'inquiétude à l'ennemi . . .
  7. Nach der Darstellung Schels (Österr. Militärzeitschrift, Jahrg. 1830) begab sich der Feldmarschall am Nachmittage des 2. August von Goito nach Mantua, um die Festung zu besichtigen.
  8. Vivenot, Wurmser an den Kaiser, Valeggio den 2. August, Seite 474. – In der Antwort auf diesen Bericht sagt Kaiser Franz: „Ihre glänzenden Erfolge haben ganz Wien mit Jubel erfüllt. Ich kenne meinen wackeren und tapferea Wurmser zu gut, um nicht sicher zu sein, daß nun die Verfolgung des Feindes nachdrücklichst betrieben, und der Sieg mit aller Energie ausgenützt wenien wird.“ (Vivenot, Seite 478, der Kaiser an Wurmser, Laxenburg, 11. August 1796.)
  9. In deutscher Sprache verfaßt.
  10. Nach Schels (Österr. Militärzeitschrift, Jahrgang 1830) wurden am 1. August etwa 800 Gefangene in die Festung gebracht und das erbeutete Artilleriematerial betrug 179 Geschütze.
  11. Eine Division bestand aus 2 Kompagnien.
  12. Die Meldung war übrigens falsch. Oberst v. Fronius fand nichts in San Benedetto (Gesch. des k. k. Inf. Rgts. Nr. 41).
  13. Vivenot, Canto d'Yrles an Wurmser, Mantua, den 1. August 1796.
  14. Vivenot, Wurmser an den Kaiser, Valeggio, 2. August 1796.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 113-123