Home Store Products Research Design Strategy Support News
 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter X

Bonaparte vor Mantua

X. Bonapartes Vorstoss auf Brescia am 1. August.

Den Befehlen vom 31. Juli gemäß, setzten sich die französischen Kolonnen in der Nacht auf den 1. August aus ihren Stellungen am Mincio und bei Roverbella gegen Brescia in Bewegung.

Kilmaine und Augereau passierten mit der Vorhut: der

4. Linienhalbbrigade,

einem Grenadierbataillon der Division Sérurier,

der Kavallerie und der leichten Artillerie etwa um Mitternacht den Mincio bei Goito und erreichten bei Tagesanbruch Castiglione, wo auch bald darauf Bonaparte von Roverbella her eintraf. Hier lief die Meldung ein, daß der Feind die Brücke von San Marco und die Höhen von Montechiaro besetzt habe. Augereau entwickelte daraufhin die Vorhut in der Ebene vor Montechiaro zum Gefecht und ritt vor, um die feindliche Aufstellung zu rekognoszieren. Er überzeugte sich bald, daß ihm nur kleine Infanterieabteilungen und Kavallerie entgegenstünden und setzte seinen Marsch gegen Montechiaro fort, während er den Oberst Pourailler mit einem Bataillon der 4. Linienhalbbrigade, 2 Geschützen und 50 Reiter über Ponte San Marco dirigierte. 1)

Oberst Klenau, der mit 1 Bataillon, 4 Kompagnien und 2 Eskadronen in Montechiaro stand, hatte kurz vorher von Quosdanovich den Befehl erhalten, sich auf Ponte San Marco zurückzuziehen. Er schickte auch sogleich 1 Bataillon und 2 Kompagnien dahin ab, und war eben im Begriff, vor den anrückenden Franzosen Montechiaro gänzlich zu räumen und mit den zurückbehaltenen 2 Kompagnien und der Kavallerie seiner Haupttruppe zu folgen, als er durch die über San Marco dirigierte Kolonne Pourailler den Weg dahin verlegt fand. Er entschloß sich darauf nicht nach Norden, sondern nach Brescia zurückzugehen; es war mittlerweile 8 Uhr geworden, und um 11 Uhr vormittags erreichte er mit seiner kleinen Kolonne unbehelligt Brescia.

Augereau folgte über Castenedolo rasch nach. Bonaparte, der bei Brescia die Hauptmacht des Korps Quosdanovich zu finden hoffte, beabsichtigte, dieser den Rückweg über San Eusebio – Nozza zu verlegen, und gab von Montechiaro aus die folgenden Befehle:

1. An Sauret.

„General Sauret hat von dem Punkte, wo er sich befindet, und dies scheint Ponte San Marco zu sein, mit seiner Division auf dem kürzesten Wege nach Salo und Gavardo zu marschieren. Der Weg (von Brescia) über San Eusebio ist mit einer Abteilung zu besetzen. Er hat sich aller von Brescia kommenden Wege zu bemächtigen, um so das dort stehende feindliche Korps, welches durch die Kolonnen Augereau und Despinois von Montechiaro und Lonato her angegriffen wird, zu schlagen und gefangen zu nehmen.

Die Kolonne des Generals Augereau hat die Chiese und die Höhen von Ponte San Marco passiert und ist auf 4 bis 5 Meilen an Brescia herangekommen.“ 2)

2. An Augereau.

„General Augereau hat eine Halbbrigade, 50 Reiter und 2 Geschütze zur Verfolgung der Feinde zu entsenden; diese Truppen haben zunächst nach Gavardo zu marschieren und den General Sauret bei seiner Operation gegen Salo zu unterstützen, und haben sich dann auf den Weg zu werfen, welcher von Brescia über Nave-Sant Eusebio und Sabbio nach Trient führt. Alle Nach richten, die über den Rückzug des Feindes bekannt werden, sind zu sammeln und dem Obergeneral mitzuteilen. Wegen der 50 Reiter geben Sie dem General Beaumont entsprechenden Befehl.“ 3)

Auf die tatsächliche Ausführung dieses an Augereau gerichteten Befehles weisen aber nirgend Spuren; sie unterblieb vermutlich, weil die Truppen dieser Division in sehr erschöpftem Zustande in Brescia eintrafen und der Erholung dringend bedurften. Daß diese gegen den Rücken des Korps Quosdanovich geplante Operation am 1. August nicht in Gang kam, dafür spricht auch der Umstand, daß Despinois am nächsten Tage einen fast gleichlautenden Befehl zur Durchführung erhielt. 4)

Augereau hatte unterdessen seinen Marsch fortgesetzt und traf zuerst mit der Kavallerie und 6 leichten Geschützen, mit welchen er seiner Kolonne vorausgeeilt war, kurz nach Klenau in Brescia ein. Er fand dort die Magazine und Spitäler, wie sie am 30. von den Franzosen zurückgelassen worden waren; die Österreicher hatten zu ihrer Fortschaffung noch keine Zeit und Gelegenheit gefunden. Klenau und Oberstleutnant Vogel, der mit 2 Bataillonen und 2 Eskadronen in Brescia gestanden war, zogen sich nach Caino zurück, und während Vogel zur weiteren Beobachtung von Brescia dort verblieb, marschierte Klenau am 2. August 3 Uhr morgens nach Gavardo zum Hauptkorps.

Bald nach Augereau, um die Mittagsstunde des 1. August, traf Bonaparte in Brescia ein, und im Laufe des Nachmittags die übrigen Teile der Division. Die Marschleistungen dieser Truppen sind außerordentlich; die 106 km betragende Entfernung Legnago- Goito-Brescia wird in 2 1/2 Tagen zurückgelegt!

Der Hauptteil der Kavallerie nahm Stellung bei Montechiaro.

Während dieser Vorgänge hatte Masséna seine Division um I Uhr früh von Peschiera in Marsch gesetzt und zunächt bis Lonato vorgeführt. Dort fand er Despinois und auf den Höhen nördlich Desenzano die Division Sauret. Es hat den Anschein, daß Masséna über die nächsten Maßnahmen ziemlich lange unentschlossen blieb; wenigstens berichtet Sauret, daß erst gegen Mittag eine gemeinsame Besprechung der drei Divisionsgenerale in Gegenwart des Generals Saint Hilaire vom Armeehauptquartier zu dem Entschluß führte, mit allen drei Divisionen über Ponte San Marco nach Brescia zu marschieren. Die von Bonaparte dringend empfohlene Operation auf Salo wurde zwar eingehend diskutiert, aber aufgegeben, angeblich weil, wie Sauret erzählt, „Masséna glaubte, daß es zu dieser Unternehmung bereits zu spät geworden sei“. 5)

Die drei Divisionen setzten sich darauf gegen Brescia in Marsch. Die schwache österreichische Besatzung von San Marco war schon am Morgen vor Pourailler zurückgewichen und gleich. zeitig mit dem größten Teil der Truppen Klenaus, die von Montechiaro kamen, bei Goglione zur Brigade Ott gestoßen.

Die französischen Kolonnen näherten sich schon Brescia, als der vorhin erwähnte Befehl Bonapartes aus Montechiaro eintraf: Sauret habe auf dem kürzesten Wege nach Salo zu marschieren und von dort gegen den Rücken des Korps Quosdanovich zu operieren. Sauret kehrte allsogleich gegen Ponte San Marco um. Gleichzeitig und sehr wahrscheinlich infolge dieses eintreffenden Befehles gelangte Masséna zur Überzeugung, daß die Besetzung von Lonato zur Unterstützung der auf Salo gerichteten Operation sehr wichtig sei, und befahl der 4. leichten Halbbrigade unter Pigeon, der Kolonne Sauret zu folgen und bei Lonato Stellung zu nehmen. Beide hatten auf ihrem Marsch gegen Osten San Marco wieder erreicht, als die Nachricht kam (möglicherweise von Landleuten), daß von Gavardo her eine große feindliche Kolonne im Marsch gegen Süden sei. Pigeon gab darauf sogleich die Vorrückung auf und zog sich wieder gegen Brescia zurück; Sauret hingegen nahm mit seinen Truppen bei San Marco mit der Front gegen Norden Stellung und sandte 20 Reiter mit einem Offizier zur Rekognoszierung gegen Gavardo vor. Es ergab sich bald, daß die alarmierende Nachricht falsch gewesen war, und da mittlerweile eine Ordonnanz von Masséna mit dem mündlichen Befehl eingetroffen war, sogleich auf Lonato vorzurücken, setzte sich Sauret dahin in Marsch. Es stellte sich zwar bald heraus, daß dieser Befehl an Pigeon gerichtet war, um diesen zu größerer Eile zu veranlassen, zu einer abermaligen Richtungsänderung war es aber mittlerweile zu spät geworden und so fand die einbrechende Nacht die sehr ermüdeten Truppen der Division Sauret wieder bei Lonato, statt im Marsche auf Gavardo. 6)

Unterdessen trafen die letzten Truppen der Division Masséna gegen 11 Uhr abends in Brescia ein. 7)

So hatte also Bonaparte am Abend des 1. August fast seine ganze Armee in und um Brescia vereint, die Verbindung mit Mailand war wieder geöffnet, aber der Zweck des Unternehmens war nur zum Teil erreicht: Quosdanovich war – wenn auch unbewußt – vor dem Stoße nach Norden ausgewichen, und stand gesichert und unversehrt bei Gavardo.

„Es war ein bloßer Lufthieb gewesen,“ wie Clausewitz 8) sagt, der übrigens auf Grund sehr dürftigen Quellenmaterials – die ganze Bewegung „etwas exzentrisch und wunderlich“ nennt. Sie war eben auf eine Annahme gestützt, die sich zu spät als falsch erwies. Quosdanovich war nicht in Brescia. Daß es aber der ganzen Armee bedurfte, um diese Tatsache festzustellen, ist „wunderlich“. Mit Kilmaines Reiterei hätte dies Bonaparte leichter und früher erfahren. Die Verwendung großer Kavalleriekörper zum strategischen Aufklärungsdienst wurde eben erst später zu einem Requisit der napoleonischen und damit der modernen Kriegführung. –

Bonaparte schrieb am nächsten Morgen aus Brescia an den Regierungskommissar Salicetti:

„Das Glück schien uns einen Augenblick ungünstig zu sein. Es hat sich seit fünf bis sechs Tagen so viel ereignet, und ich bin noch so sehr beschäftigt, daß es mir unmöglich ist, Ihnen einen genauen Bericht zu erstatten; aber endlich, Dank dem Siege bei Lonato und den kräftigen Maßregeln, die ich ergriffen habe, werden die Dinge eine befriedigende Wendung nehmen. Ich habe die Belagerung von Mantua aufgehoben; ich bin hier mit beinahe meiner ganzen Armee.

Ich werde die erste Gelegenheit ergreifen, dem Feinde eine Schlacht anzubieten; sie wird über das Los Italiens entscheiden. Geschlagen, ziehe ich mich an die Adda zurück; siegreich halte ich mich nicht bei den Sümpfen von Mantua auf, Ludwig 9) wird Ihnen mündlich ausführliche Mitteilungen über unsere zwei Siege bei Lonato und Salo machen.

Ludwig wird Ihnen von meinen gegenwärtigen Streitkräften und von denen des Feindes sprechen. Schreiben Sie dem General Kellermann, daß er mir alle verfügbaren Truppen in Eilmärschen schicke. Versichern Sie sich, daß die Zitadellen von Mailand, Tortona, Alessandria und Pavia verproviantiert sind. Wir sind hier außerordentlich ermüdet; fünf von meinen Pferden sind vor Müdigkeit zu Grunde gegangen. Ich kann dem Direktorium nicht schreiben; wollen Sie ihm in wenigen Worten mitteilen, was ich Ihnen anzeige und was Ihnen Ludwig mündlich sagen wird.“ 10)

Previous: IX. Die Gefechte bei Salo und Lonato am 31. Juli.
Next: XI. Die Bewegungen Wurmsers vom 31. Juli bis zum 2. August.
  1. Mémoires de Masséna. . Pièces justificatives No. XIV.
  2. Correspondance No. 816.
  3. Correspondance No. 817.
  4. Siehe Seite 137.
  5. Correspondance inédite. Sauret au général en chef. 3 août 1796.
  6. Correspondance inédite, Sauret au général en chef.
  7. Pelleport, Souvenirs militaires et intimes, le 1 août.
  8. Der Feldzug von 1796 in Italien, Seite 132.
  9. Ludwig Bonaparte.
  10. Correspondance No. 820.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 108-113