Home Store Products Research Design Strategy Support News
 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter VI

Bonaparte vor Mantua

VI. Das Vorgehen der Kolonne Quosdanovich am 29. und 30. Juli.

Die den rechten Flügel der Armee bildende Kolonne Quosdanovich sollte, der Disposition gemäß, schon am 27. bei Condino vollständig versammelt sein; der äußerst beschwerliche Anmarschweg, der sogar zum Zurücklassen eines Teiles der Geschütze zwang, 1) hatte aber den Marsch so sehr verzögert, daß erst am Vormittage des 28. die letzten Staffeln Condino erreichten und die Kolonne erst am Nachmittage von da aus den Vormarsch gegen Nozza antreten konnte. Unter diesen Umständen war es aber Quosdanovich unmöglich, die für den 28. angewiesenen Marschziele, wonach die Hauptkraft bei Nozza, und die Vortruppen schon in den drei Marschrichtungen des nächsten Tages gegen Gordone, Brescia und Salo vorgeschoben sein sollten, zu erreichen, und er mußte gegen Abend in der Gegend von Lavenone, am Südende des Lago d'Idro, seinen Marsch unterbrechen.

Im Korpsbefehl dieses Tages hatte Quosdanovich daran erinnert, „daß bei allen Zusammenstößen mit dem Feinde das Plänkeln im allgemeinen vermieden und sogleich in geschlossener Abteilung mit dem Bajonette vorgegangen werden sollte“. 2)

Am 29. Juli, 2 Uhr morgens, setzte Quosdanovich von Lavenone seinen Vormarsch im Chiesetal abwärts fort, und zwar zunächst in einer Kolonne. Bald darauf ließ die hinter den beiden Avantgarden an der Tête der Haupttruppe marschierende Brigade Ott, die den Angriff auf Salo durchzuführen hatte, bei Vestone acht Kompagnien unter Oberst Saint-Julien nach links abbiegen, mit dem Auftrage, über Treviso und das Gebirge vorzugehen und die im Tal angreifende Brigade zu unterstützen, dann verließ bei Nozza die zweite Avantgarde, Lusignan, das Chiesetal und marschierte im Nozzatale aufwärts gegen Casto, während die erste Avantgarde, Klenau, bis Barghi auf der Straße blieb und dort rechts abbog, um über Odolo auf Caino zu marschieren.

Die Brigade Ott, gefolgt von der Brigade Ocskay, setzte auf der Chiesetalstraße den Marsch gegen Salo fort und traf um 9 Uhr vormittags auf den Felsen bei Pavone die erste französische Aufstellung. Nach kurzem Kampf wurde diese vom Vorhutbataillon, Major Graf Hohenfeld, geworfen 3) und gegen Salo getrieben. Die Österreicher drängten rasch nach, so daß sie, merkwürdig genug, die im Lager bei Gazzane stehende leichte Halbbrigade, „Allobroges“ genannt, überraschend anfallen konnten. „Die Zeit verlief friedlich, nichts deutete auf einen ernsten Angriff hin, als plötzlich am 29. Juli das Lager der „Allobroges“ energisch angegriffen wurde. Gleich beim Beginn des Gefechts wird General Rusca von einer Kugel getroffen.“ 4) Die Allobroges zogen sich gegen Salo zurück und ihnen schloß sich ein Bataillon der bei Tormini stehenden 29. leichten Halbbrigade an, während die beiden anderen Bataillone den Weg dahin durch die nachdrängende Brigade Ott bereits verlegt fanden, und sich auf Gavardo zurückzogen, das vom III. Bataillon der 11. Linien Halbbrigade besetzt war. Die Aufstellung der Division Sauret war damit durchbrochen; ihr rechter Flügel war auf Salo, ihr linker auf Gavardo geworfen. Dem ersteren folgte Ott nach, während Ocskay seine Brigade zum Angriff auf Gavardo führte. Dieser gelang auch in der Mittagsstunde; Gavardo wurde genommen und seine Besatzung zum Rückzuge gegen Süden in die Berge gezwungen. Daraufhin ließ Ocskay Gavardo stark besetzt und wandte sich mit 2 Bataillonen 2 Kompagnien und 1 Eskadron in den ersten Stunden des Nachmittags gegen Salo, um den Angriff Otts gegen diesen Ort zu unterstützen und den Rückzug der dort postierten Franzosen zu gefährden. Sauret erkannte bald die ihm drohende Gefahr und gab, etwa 3 Uhr nachmittags, den Befehl, Salo zu räumen und den Rückzug gegen Desenzano anzutreten. Die Brigade Ott war aber unterdessen, unterstützt von ihrer linken Flügelkolonne Saint-Julien, die von Norden her gegen Salo vordrang, im Angriffe so weit vorgeschritten, daß der jenseits des Ortes stehende Teil der Franzosen, etwa 600 Mann 5) der 27. leichten Halbbrigade und der Brigadegeneral Guieu den Rückzug bereits verlegt fanden. Ein Versuch dieser Truppen, sich nach Süden durchzuschlagen, mißlang, worauf sich General Guieu kurz entschlossen in das am Seeufer stehende feste Schloß von Martiningue warf, und da, fast ohne Lebensmittel und nur mit geringen Munitionsvorräten versehen, weiterhin energischen Widerstand leistete. Sauret zog sich mittlerweile auf der nach Desenzano führenden Straße zurück, fand auch bald die von Gavardo dahin zurückgeworfenen Teile seines linken Flügels 6) und bezog am Abend mit seiner sehr geschwächten Division bei Desenzano ein Lager. Der Tag hatte ihm neben beträchtlichen Verlusten an Toten und Verwundeten, 27 Offiziere und 550 Mann an Gefangenen gekostet.

Bonaparte hat später dem General Sauret zum Vorwurf gemacht, durch seinen Rückzug nach Desenzano Brescia entblößt zu haben. Man kann diesen Vorwurf nicht leicht verstehen. Aus der Aufstellung, die Sauret am 29. tatsächlich inne hatte, und die auf die Festhaltung von Salo den Nachdruck legte, war ein „Rückzug“ nach Brescia kaum ausführbar. Für den Verteidiger von Salo lag Brescia gewissermaßen „vor“ der Front, so daß diese Stadt nur im Falle eines Sieges gewonnen werden konnte. Wenn Saurets Aufgabe war, Brescia zu decken, dann durfte eben die Division nicht bei Salo stehen, sondern mußte, wie schon bei Beurteilung der französischen Aufstellung dargetan wurde, bei Nozza postiert werden; dort „deckte“ sie mehr, und hatte die Wahl der Rückzugsrichtung frei.

Nachdem Sauret gegen Desenzano abgezogen war, ließ General Ott 2 Bataillone zur Bewachung des eingeschlossenen Guieu und bezog mit dem Rest seiner Brigade auf den Höhen südlich der Stadt ein Lager. Gegen Abend traf General Ocskay mit seinen Truppen ein, und übernahm die Blockade Guieus und die Besetzung der Stadt, während die bis dahin mit dieser Aufgabe betrauten beiden Bataillone zu ihrer Brigade ins Lager rückten.

Die anderen Kolonnen des Korps Quosdanovich erreichten ihre Marschziele ohne Zwischenfälle. Lusignan und die ihm folgende Brigade Reuß besetzten die Höhen zwischen Lodrino und Gardone am linken Ufer der Mella, Klenau stellte sich für die Nacht bei Caino auf und ließ gegen Brescia patrouillieren, und F.M.L. Quosdanovich erreichte mit der Brigade Sporck San Eusebio. Von hier aus schickte er um 7 Uhr abends dem Feldmarschall Meldung über den bisher günstigen Verlauf seines Vormarsches, und fügte hinzu, daß am Morgen des 30. alle Kolonnen ihren Marsch gegen Brescia fortsetzen würden; er selbst wolle bis zum Abend Montechiaro zu erreichen suchen.

Ob diese Meldung das österreichische Hauptquartier überhaupt jemals erreicht hat, ist fraglich; jedenfalls wußte man dort bis zum 2. August nachmittags von den Schicksalen der Kolonne Quosdanovich nichts. 7) Dieses Fehlen einer sicheren Verbindung zwischen den beiden getrennten Heeresteilen konnte natürlich nur von den nachteiligsten Folgen sein; und doch wäre dem leicht abzuhelfen gewesen, wenn man die aus dem Chiesetal um das Nordende des Gardasees in das Etschtal führende Verbindung Nozza-Storo-Riva-Mori-Ala-Borghetto-Dolce ausgiebig mit Relais besetzt, und so eine möglichste Gewähr für die sichere und schnelle Beförderung von Befehlen und Meldungen geschaffen hätte. Da diese Verbindung nur durch Gebiete mit loyalster Bevölkerung führte, konnte man auch jeder Unterstützung von dieser Seite sicher sein. Die Entfernung Nozza-Dolce ist 100 km; zur Hinterlegung dieser Strecke hätte dann kein Schreiben länger als 8 Stunden gebraucht. – Die Verbindung über den See, mittels Segelschiffen, war zu sehr vom Wetter abhängig.

Am 30. Juli setzten die Kolonnen Quosdanovichs ihren Vormarsch fort. Die Brigaden Reuß und Sporck auf Brescia, die Brigade Ott gegen Lonato. Die erstgenannte Brigade stieß mit ihrer Vorhut Lusignan, bei Gardone auf eine kleine französische Abteilung, vermutlich von der 25. Linienhalbbrigade, warf diese und machte 90 Mann Gefangene. General Sporck, der von San-Eusebio gegen Brescia marschierte, vernahm das Feuer im Mellatale, und schickte das Grenadierbataillon Kottulinsky nach rechts in den Rücken des Feindes; dieses Bataillon nahm 80 Franzosen gefangen und erbeutete mehrere Bagagewagen. Unterdessen war Oberst Klenau mit seiner aus 1 Bataillon, 1 Kompagnie Jäger und 2 Eskadronen Husaren bestehenden Avantgarde von Caino gegen Brescia marschiert, und hatte auf Grund der Nachrichten, daß Brescia nur schwach besetzt sei, beschlossen, diese Stadt zu überrumpeln. Die österreichische Militärzeitschrift hat von der Einnahme Brescias folgende anschauliche Darstellung gebracht: „Oberst Graf Klenau sendete den Hauptmann Marocz mit 70 Jägern und den Leutnant Vlasich mit 30 Freiwilligen der Infanterie gegen das Tor le Pile voraus, und folgte selbst mit den 2 Eskadronen Wurmserhusaren und dem Bataillon de Vins Infanterie. Eine halbe Eskadron mußte rechts, eine halbe links um die Stadt nach dem feindlichen Lagerplatz la Fiera eilen; 2 Kompagnien wurden zur Besetzung der Tore und Wälle, die übrigen 4 Kompagnien und 1 Eskadron aber bestimmt, sich auf den Höhen und um die Stadt aufzustellen. In dem Augenblicke, als die feindliche Besatzung die Annäherung des Hauptmanns Morocz bemerkte um 10 Uhr vormittags – ließ Oberst Klenau 30 Husaren vorsprengen, um sich schnell des Tores le Pile zu bemächtigen. Doch die französischen Wachen hatten noch Zeit gewonnen, dasselbe zu schließen. Einige mit Äxten versehene Husaren warfen sich nun von den Pferden, und versuchten das Tor einzuhauen. Gleich darauf kamen auch die Jäger und die Freiwilligen im vollen Laufe an und halfen das Tor zertrümmern. Die 30 Husaren sprengten sogleich hindurch und auf die zu beiden Seiten anstoßenden Wälle, jagten über dieselben um die ganze Stadt und verbreiteten überall Verwirrung und Schrecken unter den Feinden. Die Infanterie besetzte sofort die wichtigsten Punkte auf den Wällen. Ein Teil der französischen Besatzung hatte sich indes auf dem Lagerplatze gesammelt. Ehe diese Truppen aber noch zur Besinnung kommen, und sich in Ordnung stellen konnten, stürzte sich der Rittmeister Steingruber mit seiner Eskadron mitten unter dieselben und zersprengte sie nach geringem Widerstande. Nur wenige Schüsse fielen, wobei Oberleutnant Sommer tötlich verwundet wurde. Die Franzosen in der Stadt flohen dem Breganertore zu; da sie sahen, daß ihnen der Rückzug bereits abgeschnitten war, so warfen sie die Waffen weg und ergaben sich. Durch die Infanterie wurden Tore und Wälle stark besetzt.“ Den Österreichern fielen mit Brescia 3 Generale, 4 Oberste, einige 20 andere Offiziere, 700 Mann, 2000 Kranke, 2 Geschütze, 500 Gewehre und beträchtliche Vorräte aller Art in die Hände, während sie selbst nur 3 Tote und 11 Verwundete zählten.

Nachmittags rückte dann F.M.L. Quosdanovich mit der Brigade Sporck in Brescia ein, und bald darauf auch die Brigade Reuß, nachdem sie zur Bewachung des Mellatales mehrere Posten in Brozzo, Gardone und Zenone, zusammen 1 Bataillon und einen Zug Husaren, zurückgelassen hatte. Die Brigade Ott war an diesem Tage mittlerweile bis Ponte S. Marco gerückt, konnte aber Lonato, wohin sie für den Abend dieses Tages gewiesen war, wegen der Erschöpfung der Truppen und wegen des Mangels an Lebensmittel nicht erreichen. Die Brigade Ocskay hielt Guieu in Salo weiter blockiert.

Quosdanovich hatte den Befehl, am 30. Brescia zu nehmen, und dann „bei dieser Stadt eine Stellung zu nehmen, oder an die Chiese nach Montechiaro vorzurücken.“ Er entschloß sich bald zu dem letzteren, und nachdem er 2 Bataillone und 2 Eskadronen unter Oberst Vogel mit der Bewachung Brescias und der dort gemachten Beute betraut hatte, marschierte er gegen Mitternacht von Brescia nach Montechiaro ab, wo er am 31., um 9 Uhr vormittags, mit den Brigaden Reuß und Sporck ohne Zwischenfall eintraf.

Previous: V. Der österreichische Operationsplan.
Next: VII. Die Vorgänge im Etschtal am 29. und 30. Juli.
  1. Geschichte des k. und k. Infanterieregiments Nr. 4.
  2. Geschichte des k. und k. Infanterieregiments Nr. 14 – Damit war übrigens nur in Kürze zum Ausdruck gebracht, was die im Jahre 1794 herausgegebenen „Instruktionspunkte für de Kampfweise der kaiserlichen Truppen“ und in ihrer Ergänzung die „Observationspunkte für die Generale bei der Armee in Deutschland im Jahre 1796“ verlangten. Dort hieß es bezüglich der Linieninfanterie:

    „Eine reguläre, abgerichtete und solide Infanterie kann, wenn sie mit geschlossener Front in gestreckten Schritten, mutvoll, unter Protektion des Artilleriefeuers avanciert, von zerstreuten Plänklern in ihren Fortschritten gar nicht aufgehalten werden, muß sie daher verachten, sich weder mit Plänkeln noch mit Abteilungsfeuer, auch gegen die feindliche Linie, außer wenn letzteres von der größten Wirksamkeit sein kann, aufhalten und ihrem Gegner mit möglichster Geschwindigkeit bei stets anhaltender größter Ordnung zu Leibe gehen, um ihn zu werfen und das Gefecht bald zu entscheiden.

    Diese Methode ist die wahre Menschenschonung; alles Schießen und Plänkeln kostet Leute und entscheidet nichts.“ –

    Bekanntlich hat Suwarow zu dieser Frage das Wort geprägt: „Die Kugel ist eine Närrin, nur das Bajonett ist weise.“

  3. Geschichte des k. und k. Infanterieregiments Nr. 34.
  4. Historiques des demibrigades, 29. demibrigade, legère. – Diese im „Spectateur militaire“ in den Jahren 1842 bis 1844 erschienenen Geschichten der unter Bonaparte in Italien gestandenen Halbbrigaden sind, mit wenigen Ausnahmen, sehr oberflächlich gearbeitet, enthalten zahlreiche, ganz offenkundige Irrtümer und bringen nur in geringem Maße brauchbare Aufschlüsse.
  5. Die Geschichte der „27. demibrigade legere, Spectateur mil. 1842“, berichtet von 400 Mann, Bonaparte in seinem großen Bericht an das Direktorium (Correspondance No. 842, Castiglione, 6. August) von 600 Mann, und Schels in der Österr. mil. Zeitschrift, Jhrgg. 1830, von 1500 Mann. Die letzte Angabe ist sehr unwahrscheinlich; die Brigade Ott zählte bei ihrem umfassenden Angriffe auf Salo vielleicht 3800 Mann, kann daher nur in sehr dünner Linie Salo umstanden haben, und mit 1500 Mann hätte sich der entschlossene Guieu wohl durchzuschlagen vermocht.
  6. Memoires de Massena: Le général de division Sauret au général en chet. Sala, 29. août 1796.
  7. The English historical Review, Vol. XIV. Depesche Grahams vom 2. August aus Goito. Diese besagt: vom General Quosdanovich liegt noch kein Bericht vor.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 45-51