Home Store Products Research Design Strategy Support News
 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter V

Bonaparte vor Mantua

V. Der österreichische Operationsplan.

Feldmarschall Wurmser beschloß, zum Angriff gegen die französische Aufstellung am 29. Juli mit seinen Hauptkräften auf beiden Seiten des Gardasees vorzubrechen und mit schwächeren Kräften gegen die Etschlinie Verona-Legnago zu demonstrieren.

Zur Ausführung dieser Absicht wurde die Armee in 4 Hauptkolonnen geteilt: die erste hatte im Chiesetal, die zweite am rechten Etschufer, die dritte am linken Etschufer und die vierte im Brentatale über Bassano vorzugehen. Zwischen den beiden letztgenannten Hauptkolonnen hatte noch eine kleine Kolonne über die Monte Lessini gegen Verona vorzurücken.

Die I. Hauptkolonne, die den rechten Flügel der Armee bildete, stand unter dem Befehle des F.M.L. Quosdanovich und zählte 16 Bataillone, 9 Kompagnien, 13 1/4 Eskadronen und 24 Geschütze mit zusammen 17621 Mann. Sie wurde im Hinblick auf die ihr zugewiesenen Aufgaben eingeteilt in die erste Avantgarde unter Oberst Graf Klenau, die zweite Avantgarde unter Oberst Marquis Lusignan, und die vier Brigaden der Generale Ott, Ocskay, Graf Sporck und Fürst Reuß.

F. M. L. Quosdanovich hatte den Auftrag, am 27. seine Kolonne bei Condino bereitzustellen, am 28. über Rocca d'Anfo in die Gegend von Nozza vorzurücken und von da aus am 29. in mehreren Kolonnen mit breiter Front gegen Süden vorzubrechen, und zwar

die Avantgarde Lusignan und die Brigade Sporck über Casto und Lodrino auf die Höhen von Gardone im Mellatale,

die Avantgarde Klenau und die Brigade Reuß über Preseglie, Odolo in der Richtung auf Brescia bis San Eusebio, während

die Brigaden Ott und Ocskay den Marktflecken Salo erobern und nach der Vertreibung des Feindes diesen Ort und Gavardo im Chiesetale besetzen sollten.

„Wenn es möglich ist,“ sagt dann die Disposition, 1) „so wird noch an diesem Tage Brescia angegriffen; dazu wäre aber nötig, daß General Ott von Gavardo aus schon bei Ponte San Marco eingetroffen wäre und die Brücke über die Chiese und Lonato besetzt hätte. Doch muß am 30. der Angriff auf Brescia ausgeführt sein. Dann wird das Korps bei dieser Stadt eine Stellung nehmen, oder an die Chiese nach Montechiaro vorrücken. Hebt der Feind die Belagerung Mantuas auf und geht er über den Po zurück, so muß das Korps trachten, demselben bei Piacenza zuvorzukommen. Wenn dieser Rückzug des Feindes aber nicht eintritt, so müssen die Umstände es bestimmen, ob der Marsch in den Rücken der französischen Armee an den Mincio, auf Valeggio und Goito, ausführbar ist oder nicht. Im zweiten Falle nimmt das Korps bei Brescia eine gute Stellung und besetzt alle vorwärts gelegenen Defileen. Gleich nach der Besitznahme von Brescia werden Patrouillen gegen Bergamo, Crema und Cremona gesendet, und eine starke Abteilung wird zwischen Gardone und Lodrino zurückgelassen, um die Verbindung mit Tirol zu decken.“

Die II. Hauptkolonne, oder die rechte des Zentrums, stand unter dem Befehle des F.M.L. Melas und zählte 17 Bataillone, II Kompagnien, 4 Eskadronen und 24 Geschütze mit zusammen 14403 Mann. Sie umfaßte die Brigaden Gummer, Bajalics, Nicoletti und Pittoni, wovon die beiden letzten dem F.M.L. Sebottendorf unterstellt waren. Diese Hauptkolonne war bestimmt, auf den Osthängen des Monte Baldo vorzurücken und sich am 28. in drei Kolonnen zum Angriff bereit zu stellen, und zwar die Brigade Gummer bei Artiglione, die Brigade Bajalics hinter dem Monte Cerbiol und die Division Sebottendorf bei Mama. „Am 29. sollten die beiden ersten Abteilungen den Feind bei Ferrara angreifen, ihn bis Rivoli verfolgen und sich dieses Ortes bemächtigen. Eben dahin sollte auch die dritte Kolonne, von Mama aus, längs der Etsch hinab, ihre Angriffsbewegung richten, wobei sie eine feindliche Flesche hinter Rivalta und ein verschanztes Lager bei Brentino zu erobern hatte. Nach der Besetzung von Rivoli hatten sie die von der III. Hauptkolonne begonnene Schlagung der Schiffbrücke bei Dolce und den Übergang dieser Kolonne über die Etsch zu decken. Dann waren die weiteren Befehle des Feldmarschalls bei Rivoli zu erwarten.“

Die Verbindung zwischen den beiden ersten Hauptkolonnen hatte die österreichische Flottille auf dem Gardasee zu unterhalten, die unter dem Kommando des Major Maelcamp stand und einige gewöhnliche Segelschiffe zählte, die mit Kanonen besetzt waren.

Die III. Hauptkolonne, die linke des Zentrums, stand unter dem Befehle des F.M.L. Baron Davidovich, und zählte 10 Bataillone, 8 Kompagnien, 10 Eskadronen und 10 Geschütze mit zusammen 9892 Mann. Sie wurde in 3 Abteilungen geschieden, wovon die erste der im Range älteste Stabsoffizier, die zweite der General Graf Mitrovsky und die dritte der General Liptai befehligten. Die Angriffsdisposition bestimmte: „Der F.M.L. Davidovich wird am 25. Juli von Ala am linken Ufer der Etsch auf Borghetto vorrücken, und eine Abteilung von 2000 Mann, unter General Baron Spiegel, ??ks durch das Val Fredda und über die lessinischen Berge nach Lugo im Val Pantena schicken, Diese letztere rückt am 29. gegen Verona vor und bedroht diese Stadt, und hält sich auch über Volargne mit dem nach der Chiusa marschierenden Teile der Kolonne in Verbindung. Die Hauptkolonne soll durch Geschützfeuer über den Fluß die Angriffe des, von Avio und Mama gegen Rivalta und Brentino vorrückenden Teils der II. Hauptkolonne unterstützen. F.M.L. Davidovich läßt bei Dolce eine Schiffbrücke schlagen. Nach ihrer Vollendung rückt General Mitrovsky mit 2 Bataillonen, 2 Kompagnien, I Eskadron und 6 Reservegeschützen am linken Ufer der Etsch weiter hinab, marschiert jenseits der Chiusa auf und schickt Patrouillen auf der Straße gegen Verona. Zugleich bestreicht er mit seinen Geschützen die jenseits des Flusses nach Rivoli führende Straße. Räumt der Feind Verona, so wird die Stadt von der über Lugo vorgerückten Abteilung sogleich besetzt. F.M.L. Davidovich geht indes mit dem Hauptteile seiner Truppen auf der Schiffbrücke bei Dolce nach dem rechten Ufer über, läßt hier zur Deckung der Brücke 4 Bataillone aufgestellt und marschiert mit den übrigen Truppen nach Rivoli, wo er sich mit der II. Hauptkolonne vereinigt.“

Die allgemeine Absicht ging weiter dahin, die II. und III. Hauptkolonne unter dem direkten Be fehle Wurmers über Valeggio und Goito zum Entsatze von Mantua vorzuführen.

Die IV. Hauptkolonne, die den linken Flügel der Armee bildete, stand unter dem Befehle des F.M.L. Mészáros und zählte 4 Bataillone, 6 Kompagnien, 7 Eskadronen und 10 Geschütze mit zusammen 5021 Mann. Ihre beiden Abteilungen befehligten die Generale Prinz Hohenzollern und Baron Minkwitz. Diese Hauptkolonne hatte sich am 26. bei Bassano zu sammeln und am 27. nach Vicenza zu marschieren. „Sie sollte, sowie das von der III. Hauptkolonne über Lugo gesendete Detachement Spiegel, des Feindes Aufmerksamkeit von den Hauptangriffspunkten ablenken, und nach den Gegenden der unteren Etsch hinziehen. Von Vicenza sollte die IV. Kolonne gegen Legnago oder Verona vorzudringen suchen und den Feind durch entsendete Abteilungen beunruhigen. Sobald die Franzosen Verona geräumt, sollte F.M.L. Mészáros über die Etsch setzen und sich dann rechts mit der III. Kolonne verbinden.“

Die Gesamtstärke der 4 Kolonnen betrug 47 Bataillone, 34 Kompagnien, 34 1/4 Eskadronen und 98 Geschütze mit zusammen 46937 Mann. Was die artilleristische Stärke anbelangt, ist zu beachten, daß jedes Infanteriebataillon noch zwei dreipfundige Bataillonsgeschiitze als sogenannte „Liniengeschütze“ mitführte; die oben angegebenen 98 Geschütze, teils sechs – und zwölf-pfündige Kanonen, teils siebenpfundige Haubitzen, bildeten hingegen die „Reserveartillerie“ der einzelnen Kolonnen.

Die Verbindung der Armee Wurmsers mit den beiden Rheinarmeen und die Deckung der Hauptstraße über den Brennerpaß war Aufgabe des bei Geisingen stehenden Korps Fröhlich und der an den Grenzen Tirols gegen Norden und Westen stehenden Truppen und Landesschützenkompagnien. Wie bereits erwähnt, standen in Feldkirch und südlich davon, im Liechtensteinschen Gebiet, General Graffen und bei Glurns der General Laudon. Der erstere mit 2288 Mann, der letztere mit 1933 Mann. Überdies waren Ende Juli bereits 22 Kompagnien Landesschützen mobil gemacht, die an der Nordgrenze postiert waren, und zwar 9 Kompagnien im oberen Inntal und am Arlberge, 12 Kompagnien im oberen Lechtale bei Reutte und der Ehrenberger Klause und eine Kompagnie in der Scharnitzklause nordwestlich Innsbruck. Da jede Kompagnie 120 Mann zählte, hatte die Landesverteidigung im ganzen 2640 Mann unter Waffen gestellt, so daß die Gesamtstärke der an Tirols Grenzen stehenden Streitkräfte 6861 Mann betrug.

Es wäre nun möglich, schon an dieser Stelle in eine Betrachtung des österreichischen Operationsplanes einzutreten, und gewissermaßen ohne Beachtung der tatsächlichen Ereignisse, die seiner Ausführung gefolgt waren, und nur auf Grund rein theoretischer Erwägungen ein Urteil über ihn zu fällen. Auf diesem Wege sind die berufensten Kritiker, wie Clausewitz und Cornaro, zu scharfer Verurteilung des österreichischen Vorgehens gelangt. Geht man aber an die Prüfung dieses Resultats und beachtet man, was durch diesen Operationsplan erreicht wurde, da doch vor allem im Kriege das Wort gilt, daß über Wert und Unwert nur der Erfolg entscheidet, so erkennt man bald, und das ist gewiß auffallend, daß dieser schlechte, „völlig verfehlte“ Angriffsplan ganz unmittelbar, und zweifellos auch bewußt angestrebt, die bedeutendsten und durchschlagendsten Wirkungen erzielt. Man frägt sich unwillkürlich, ob ein „besser“ ersonnener Plan mehr Erfolg hätte haben können. Es muß also doch wohl im österreichischen Angriffsplan „etwas“ sein, das bei der Kritik bisher nicht zu seinem Rechte gelangt ist. Doch soll erst am Schlusse der Darstellung, auf Grund eingehender Kenntnis der Ereignisse, diesem Gedanken näher getreten werden.

Hier sei schon ausdrücklich bemerkt, daß auf der beigeschlossenen Karte, Blatt I, die westlich des Gardasees angreifenden Österreicher in der Lage eingezeichnet sind, die sie um etwa 8 1/2 Uhr vormittags erreichten, während die übrigen Kolonnen in der Situation dargestellt sind, aus der sie um 2 Uhr früh zum Angriff vorgingen. Diesen Anachronismus, zu dem sich die Darstellung aus rein äußerlichen, technischen Gründen entschloß, möge man entschuldigen, um so mehr, als bei der großen Entfernung der innere Zusammenhang der nächsten Ereignisse ohnehin nur ein sehr loser ist, und die Zeitdifferenz in der weiteren Entwicklung sehr bald zum Ausgleich kommt.

Previous: IV. Ereignisse bei der österreichischen Armee bis zum 28. Juli.
Next: VI. Das Vorgehen der Kolonne Quosdanovich am 29. und 30. Juli.
  1. Die Disposition ist der „Österreichischen Militärzeitschrift“ entnommen, die im Laufe der Jahre von 1813 bis 1832 in einer Artikelserie eine auf die Akten des Kriegsarchivs basierte Darstellung des Feldzuges 1796 in Italien brachte. Der Verfasser dieser Artikel war der Chefredakteur der Zeitung, der Hauptmann, später Major, T. B. Schels. Für den ersten Entsatzversuch Mantuas kommt der Jahrgang 1830 in Betracht.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 40-45