Home Store Products Research Design Strategy Support News
 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter IX

Bonaparte vor Mantua

IX. Die Gefechte bei Salo und Lonato am 31. Juli.

Die Kolonne Quosdanovich war unmittelbar nach der Einnahme Brescias in breiter Front gegen Osten eingeschwenkt und hatte am Morgen des 31. mit allen ihren Teilen das Chiesetal erreicht. Während aber der linke Flügel durch den blockierten Guieu bei Salo festgehalten war, und der rechte Flügel mit der durch einen Nachtmarsch gewonnenen Besitzergreifung von Montechiaro sich begnügte, setzte die Brigade Ott am frühesten Morgen den Marsch über die Chiese fort, um das als Marschziel angewiesene Lonato zu besetzen. Da aber Sauret am Abend vorher das II. Bataillon der 11. Linienhalbbrigade dahin vorgeschoben hatte, gelang den Österreichern die Besetzung Lonatos erst nach Vertreibung dieses Bataillons.

Für den Morgen des gleichen Tages war den beiden Divisionen Sauret und Despinois der gemeinsame Angriff auf Salo befohlen. Als aber am Abend des 30. und im Laufe der Nacht Meldungen vom Erscheinen zahlreicher feindlicher Kräfte bei Ponte San Marco einliefen, entschloß sich General Despinois, die Wiedereinnahme von Salo und die Befreiung von Guieu dem General Sauret allein zu überlassen und sich mit seiner Division gegen Ponte San Marco zu wenden. Dieser Entschluß war gewiß gerechtfertigt, denn im Interesse der Sicherheit der gegen Salo operierenden Kolonne und bei der Wichtigkeit der Straße Verona-Brescia war die Festhaltung des Raumes Lonato-Desenzano dringend geboten.

So trat denn die schwache Division Sauret, bestehend aus der Halbbrigade „Allobroges“, der 29. leichten Halbbrigade und dem I. Bataillon der 11. Linienhalbbrigade in den ersten Morgenstunden des 31. Juli von Desenzano aus allein den Vormarsch gegen Salo an. Sie traf die ersten Posten Ocskays auf den Höhen südlich der Stadt, warf sie nach kurzem Gefecht, drang bald darauf in Salo ein, und da Guieu durch einen gleichzeitigen Ausfall den Angriff Saurets unterstützte, gerieten die österreichischen Truppen in Verwirrung und Ocskay sah sich damit genötigt, Salo zu räumen; er zog sich nach Vobarno zurück. Aber auch Sauret blieb nicht in Salo, sondern hielt mit der Befreiung Guieus seine Aufgabe für gelöst und trat 4 Uhr nachmittags den Rückmarsch nach Desenzano an, umsomehr als er für seinen Rücken ernste Befürchtungen hegte. Wegen der freiwilligen Aufgabe des wichtigen Salo von Bonaparte zur Rede gestellt, erklärte er diesem in einem Schreiben vom 3. August, er hätte nur den Auftrag gehabt, Guieu zu befreien, aber nicht „dort zu bleiben.“ 1)

Unterdessen hatte Despinois bei Tagesanbruch seine beiden Linienhalbbrigaden 5 und 32 und das 10. Regiment Jäger zu Pferde gegen Lonato in Marsch gesetzt. Er war anfänglich scheinbar noch darauf bedacht, wenn irgend tunlich zur Unterstützung Saurets von Lonato aus gegen Salo vorzugehen, gab aber diese Absicht auf, als er im Laufe des Gefechtes die Stärke seines Gegners erkannte, und setzte alle Kräfte zum Gewinn Lonatos an. 2)

Er entwickelte die Division in zwei Treffen: im ersten Bertin mit der 5. Linienhalbbrigade und der Artillerie, im zweiten Dallemagne mit der 32. Linienhalbbrigade. Ott verteidigte sich mit der größten Entschlossenheit und ließ auch seine Husaren wiederholt attackieren; seine Aufstellung wurde aber von General Bertin mit einem Bataillon umfaßt und als es dem Generalstabsoffizier Frontin gelang, mit einem Bataillon in Lonato einzudringen, und auch Dallemagne mit dem 2. Treffen den allgemeinen Angriff unterstützte, gab Ott den weiteren Widerstand auf und zog sich – nach mehrstündigem Kampf und mit schweren Verlusten – nach Ponte San Marco zurück.

Dieser Tag war also nicht glücklich für Österreichs Waffen, und berechtigt zu der Frage, ob der vereinzelte Vorstoß mit der Brigade Ott zweckmäßig war. Man wird dies verneinen dürfen. Solange Quosdanovich im Gebirge vorrückte, war die Teilung in mehrere Kolonnen insoweit weniger bedenklich, als aller Voraussicht nach nur kleinere französische Posten zu werfen waren, und insoweit auch begründet, als die ganze Bewegung auf zwei weit voneinander entfernte Punkte zielte: auf Salo und auf Brescia. Nach dem Eintritt in die Ebene war aber der baldige Zusammenschluß der Kräfte geboten und dieser war am zweckmäßigsten an der Chiese anzustreben. Die Brigade Ott, welche die Verbindung zwischen den auf Salo und Brescia dirigierten Kräfte aufrecht zu erhalten hatte, brauchte dazu nur talabwärts, nach der Brücke von San Marco zu marschieren, und die Hauptkolonne von Brescia nach Montechiaro vorzurücken. So geschah es ja auch zunächst; aber an ein Vorgehen über die Chiese war richtigerweise erst dann zu denken, wenn das Korps im Aufmarschraume Ponte San Marco-Montechiaro vereint und zu weiterem Vormarsch bereit war. Wie ganz anders wären die Ereignisse des Tages geworden, wenn Quosdanovich die Brigade Ott bis zum Eintreffen der Brigaden Sporck und Reuß zurückgehalten und dann erst mit allen Kräften auf Lonato vorgestoßen hätte.

Diesen Vorstoß plante nun Quosdanovich tatsächlich erst für den Morgen des 1. August und er traf auch die entsprechenden Anordnungen dazu, als abends 9 Uhr eine Meldung Ocskays eintraf, die von dem unglücklichen Verlauf des Gefechtes bei Salo und von einer ernsten Bedrohung der Verbindungen des Korps mit Nozza-Rocca d'Anfo berichtete. Die inzwischen erfolgte Räumung Salos war dem General Ocskay entgangen. – Quosdanovich teilte die Befürchtungen Ocskays für die Sicherheit seines Rückens und zwar so lebhaft, daß er kurz entschlossen den beabsichtigten Vormarsch gegen Lonato und Desenzano aufgab und schon eine Stunde später seine Brigaden im Chiesetal aufwärts in Marsch setzte, mit der Absicht, Salo wieder zu nehmen und sich die Rückzugslinie damit wieder zu öffnen.

Jeder der beiden Gegner, Quosdanovich wie Sauret, hielt sich vom anderen umgangen und im Rücken bedroht; an beide trat das Gebot, im kühnen Verharren möglichsten Vorteil aus der Lage zu ziehen, aber beide wählten den Weg der Vorsicht und wandten sich nach rückwärts dem Ausgangspunkte ihres Vormarsches zu. Geschah dies von Sauret mit einer gewissen Berechtigung, da er in der Befreiung Guieus seine eigentliche Aufgabe gesehen haben wollte, so war es bei Quosdanovich, dem wesentlich Stärkeren, übergroße Ängstlichkeit und Mangel an kühner Initiative.

Um 10 Uhr abends brachen die Brigaden Reuß und Sporck von Montechiaro auf, ließen dort nur 1 2/3 Bataillone und 2 Eskadronen unter dem Kommando des Oberst Klenau als Nachhut stehen, und marschierten über San Marco gegen Norden. General Ott folgte mit seiner Brigade etwas später Quosdanovich nach und ließ gleichfalls nur eine schwache Nachhut in Ponte San Marco zurück. Während des Marsches gegen Salo – in der Nähe von Gavardo -, am frühen Morgen des 1. August, erhielt nun Quosdanovich die sichere Kunde, daß die Franzosen Salo bereits verlassen hätten, also von dort her keine Gefahr drohe. Er ließ darauf seine Kolonnen sogleich Halt machen und wieder Front gegen Süden nehmen. Als sich die Spitzen der französischen Kolonnen vom Mincio her der Chiese näherten, war das Korps in folgender Stellung:

Klenau mit 1 2/3 Bataillon und 2 Eskadronen bei Montechiaro, Ott in der Front Paitone-Goglione-Mocasina,

Sporck und Reuß bei Gavardo, und

Ocskay auf dem Marsche von Vobarno nach der ihm zugewiesenen Stellung bei Sojana-Monigo östlich von Ott.

Der Weg nach Brescia war den Franzosen so gut wie freigegeben.

Zu erzählen bleibt noch, daß auch am 31. Juli die Gardaseeflotille in Tätigkeit trat. Major Maelcamp versuchte den General Ocskay in seinem Kampfe bei Salo zu unterstützen, wurde aber durch französisches Geschützfeuer daran verhindert und zum Rückzug gezwungen. Darauf segelte die Flottille nach Sermione, wo Maelcamp 8 Uhr abends landete und das dortige Kastell besetzte.

Previous: VIII. Das Eingreifen Bonapartes.
Next: X. Bonapartes Vorstoss auf Brescia am 1. August.
  1. Correspondance inédite; Sauret au général en chef. 3 août, 1796.
  2. Mémoires de Masséna ; Despinois au général in chef Bonaparte. 23 août 1796, p. 488.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 105-108