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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter IV

Bonaparte vor Mantua

IV. Ereignisse bei der österreichischen Armee bis zum 28. Juli.

Nachdem Beaulieu am 30. Mai durch das Gefecht bei Valeggio zur Aufgabe der Mincio-Linie und zum Rückzug nach Tirol gezwungen worden war, befand sich die österreichische Armee anfangs Juni in folgender Aufstellung: Die Hauptmacht stand im Etschtal zwischen Ala und Roveredo, der linke Flügel bei Levico im oberen Val Sugana, der rechte Flügel bei Torbole und Riva, die Vortruppen auf dem Monte Baldo in der Linie Rivalta-Castelletto und das Hauptquartier in Caliano. Außerdem standen noch 16 Eskadronen neapolitanischer Reiterei in Meran und General Laudon mit etwa 1400 Mann zur Deckung des Einfallweges aus dem Valtelin bei Glurns. Die Gesamtstärke der in Tirol stehenden Truppen betrug etwa 25000 Mann.

Unterdessen hatten die ungünstigen Nachrichten, die schon Ende April und während des Monats Mai vom italienischen Kriegsschauplatze in Wien eingetroffen waren, den Kaiser von Österreich mit wachsender Besorgnis erfüllt; konnte er früher den Operationen nächst der Riviera und in den Seealpen mit aller Berechtigung nur sekundäre Bedeutung beilegen, so sah er jetzt infolge der überraschenden Fortschritte Bonapartes den Kampfplatz in bedenkliche Nähe seiner österreichischen Erblande gerückt, und damit die weiteren Ereignisse auf italienischem Boden entscheidende Bedeutung gewinnen. Schon am 10, Mai wurden daher I I Bataillone und 10 Eskadronen aus verschiedenen Provinzen Österreichs nach Italien in Marsch gesetzt; als aber die Kunde von dem weiteren Zurückweichen Beaulieus und von dem Verluste der Lombardei in Wien eintraf, entschloß sich Kaiser Franz einen beträchtlichen Teil seiner Truppen vom Rhein zur Verstärkung der italienischen Armee nach Tirol abgehen zu lassen und den Kommandanten der Oberrheinarmee, den Feldmarschall Graf Wurmser, an Stelle Beaulieus mit der Führung der Armee in Italien zu betrauen. Wurmser erhielt am 6. Juni in seinem Hauptquartier Mannheim das nachfolgende Schreiben, 1) das die Absichten und Pläne des Kaisers klar entwickelt:

Laxenburg, 29. Mai 1796.

"Mein lieber Feldmarschall, Graf Wurmser!

Der Hofkriegsrat hat Sie schon unterrichtet, daß ich im Plane der Operationen am Rhein eine Änderung befohlen habe, die unerläßlich geworden ist, seit die inzwischen eingetretenen Ereignisse in Italien mich in die Notwendigkeit versetzen, eine nicht unbeträchtliche Zahl meiner Truppen vom Rhein gegen Tirol zu detachieren. Nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge in Italien ist dieser Teil des Kriegsschauplatzes für mich ohne Zweifel der wichtigste; weitere Fortschritte des Feindes würden die Verwüstung bis in das Innere meiner deutschen Provinzen tragen, während Erfolge dort mir die wichtigsten Resultate versprechen: die Wiedereinnahme der reichen Provinzen, die mir soeben verloren gegangen sind. Ich glaube demnach, Ihnen ein hervorragendes Zeichen meines Vertrauens zu geben, wenn ich Ihnen den Oberbefehl der Armee anvertraue, welche zur Vollbringung so großer Taten berufen ist. Ich wünsche, daß die Wahl, die auf Sie gefallen ist, noch nicht bekannt werde; ich habe bisher nur meinem Bruder, dem Erzherzog Carl, von dessen Diskretion ich versichert bin, im Vertrauen davon Mitteilung gemacht. Ich empfehle Ihnen also, das Geheimnis zu wahren, aus mehreren Gründen, auch mit Rücksicht auf den Eindruck, den die vorzeitige Kenntnis meiner Entschließung auf den General Beaulieu möglicherweise machen könnte, dessen moralische und physische Kräfte ohnehin Mühe haben, gegen die erlittenen Unfälle anzukämpfen. Ich wünsche infolgedessen, daß Sie ohne Verzug, aber unter der Hand und ohne das geringste Aufsehen zu machen, die nötigen Vorbereitungen zu Ihrem Abgehen nach Italien treffen, und wollen Sie mir den frühesten Zeitpunkt mitteilen, an welchem Sie zur Abreise bereit sind, damit ich für die gleiche Zeit die erforderlichen Befehle vom Hofkriegsrate, sowie die Bekanntgabe Ihrer Ernennung an die Ihnen anvertraute Armee vorbereiten lassen kann. In diesem Moment ist es das Wichtigste, daß Sie die Inmarschsetzung der gegen Tirol bestimmten Truppen so weit vorbereiten, damit der Marsch in guter Ordnung und mit aller Beschleunigung, aber auch – was sehr wichtig ist – unter sorgfältiger Schonung von Mann und Pferd ausgeführt werden könne, Der Hofkriegsrat hat Ihnen schon mitgeteilt, daß es meine Absicht ist, vornehmlich jene Regimenter vom Rhein zu detachieren, von welchen sich Bataillone bereits in Italien befinden. – Ich habe auch die Aufmerksamkeit des Erzherzogs, meines Bruders, auf die Notwendigkeit gelenkt, die jetzt vom Oberrhein abmarschierenden Truppen sofort zu ersetzen, und wohl darauf zu achten, daß die Franzosen die Absicht haben könnten, durch die Schweiz vorzubrechen.- Der Stand meiner Armee in Italien ist gegenwärtig 46 Bataillone, von welchen einige sehr gelitten haben, so daß die 22 Bataillone, die am meisten heruntergekommen sind und welche die Garnison von Mantua bilden sollen, nur 11000 Mann zählen; in die Zitadelle von Mailand hat man 2000 Mann geworfen, so daß die Armee in diesem Augenblicke eigentlich nur aus ungefähr 20 Bataillonen besteht; da aber 12 bis 13 Bataillone aus dem Innern meiner Provinzen nach Tirol bereits in Marsch gesetzt sind und 24 Bataillone vom Rhein kommen sollen, so werden im ganzen 36 bis 37 Bataillone an Unterstützungen eintreffen, und die Gesamtstärke der Infanterie, die gegen Mitte Juli vereinigt sein wird, wird 56 bis 57 Bataillone betragen; dazu noch das Jägerkorps Mahony. Was die Kavallerie anbelangt, hat Beaulieu gegenwärtig 24 Eskadronen; 10 andere, die aus dem Innern der Erbstaaten unterwegs sind, die 2 Regimenter, die vom Rhein dahin kommen sollen, und ein drittes, welches aus Galizien eintreffen wird, werden Ihre Kavallerie auf etwa 50 Eskadronen bringen, ganz abgesehen von den 16 Eskadronen der neapolitanischen Kavallerie; das Ganze wird eine so starke Armee bilden, wie man sie in den bisherigen Feldzügen in Italien noch nie gesehen hat. – Die Hauptsache ist, daß Beaulieu Zeit gewinne; die Franzosen müssen am Eindringen in Tirol verhindert und dadurch veranlaßt werden, sich erst mit dem Durchziehen und Ausplündern Italiens zu beschäftigen, oder aber die Festung Mantua zu belagern; dieser Platz ist mit allem versehen, was zu einer langen und erfolgreichen Verteidigung gehört, und wird – ich hoffe es – der neuen Armee jene Zeit schaffen, die sie braucht, um sich erst in Tirol zu sammeln, dann vorwärts zu marschieren und die Aufhebung der Belagerung von Mantua zu erzwingen, oder – wenn anderes der Feind unternommen habe – auf andere Weise zu einer Entscheidung zu gelangen, die uns leicht und rasch in den Besitz des Mailändischen setzt. Daraufhin würde es wichtig sein, den Feldzug durch die Einnahme von Tortona, Alessandria und anderer fester Plätze abzuschließen und so unsere Position während des Winters zu sichern. Ich werde Sorge tragen, daß für den Bedarfsfall ein Artilleriepark bereit steht, und Lauer 2) kann dann die Belagerungen leiten.

Das sind im großen die Ziele, die man sich – wie ich denke – setzen kann; die Ereignisse und unsere Erfolge werden natürlich für die Ausführung unserer Pläne bestimmend sein. Übrigens werden Sie die Notwendigkeit lebhaft fühlen, alle unsere Absichten streng geheim zu halten. Es ist unerläßlich, in dieser Beziehung keine Vorsicht außer acht zu lassen, um so mehr, als ich schon mehr als einmal zu meiner Betrübnis und Überraschung gesehen habe, wie wahrscheinlich durch die Indiskretion von Subalternen Angelegenheiten in die Öffentlichkeit kamen, die zum Besten meines Dienstes die strengste Geheimhaltung verlangt haben würden. Diese Depesche wird Ihnen Oberst von Dietrichstein übermitteln, welcher Ihnen noch eingehender das Vertrauen aussprechen wird, welches mir Ihre Tapferkeit, Ihre Erfahrung und Ihre Talente einflößen, und der Ihnen noch meinen dringenden Wunsch übermitteln wird, daß die Anordnungen, die Ihre neue Bestimmung erfordern und namentlich jene, welche sich auf den baldigen Abmarsch der Truppen nach Tirol beziehen, mit größter Beschleunigung getroffen werden sollen. Die Dispositionen, welche dazu erforderlich sind, können natürlich nicht lange verborgen werden, aber es wird gut sein, die Ungewißheit des Feindes über die Zahl der von der Rheinarmee abgehenden Truppen möglichst lange hinzuziehen, und um dem Geschrei der Übelwollenden zuvorzukommen und zu verhindern, daß die Entmutigung das ganze Reich erfasse, wird es sich empfehlen, das Gerücht zu verbreiten, daß es sich nur um eine Kräfteverschiebung handle, und daß die nach Tirol marschierenden Truppen sofort durch andere ersetzt werden sollen, die schon von Galizien dahin im Marsche begriffen seien. Dietrichstein soll sich von Mannheim sofort zu der Ihrem Befehle unterstellten Armee begeben, also Ihrer Ankunft dort zuvorkommen. Der Hof von London hat den Oberst Graham bestimmt, Ihrem Hauptquartier zu folgen und von dort die Verbindung mit der Mittelmeer-Eskadre und mit den englischen Ministern an den verschiedenen Höfen Italiens zu unterhalten, so daß durch die letzteren eine Unterstützung der Operationen unserer Armee entsprechend den Umständen erfolgen kann. Auch der Chevalier Ventimiglia, Minister von Neapel, wird wahrscheinlich öfter Gelegenheit nehmen, sich Ihnen vorzustellen, um wegen der Truppen seines Hofes mit Ihnen zu verhandeln; er wird sich auch zur Regelung verschiedener anderer Angelegenheiten, wie jener Venedigs und der Übrigen Fürsten Italiens, anbieten, vornehmlich dann, sobald die Armee von neuem vormarschiert und in das Innere von Italien eingedrungen ist. Der Oberst von Dietrichstein will sich künftighin der diplomatischen Laufbahn widmen und Sie werden mit Vorteil von seinen Kenntnissen und von seinem Eifer Gebrauch machen können, in allem, was den politischen Dienst in meiner Armee betrifft.

„Vacquant muß in Deutschland bei der Rheinarmee bleiben, wo er in seiner Eigenschaft als Oberstleutnant des Generalstabs wird Dienst tun können: gewichtige Gründe, welche ich Ihnen eines Tages werde mitteilen können, gestatten mir absolut nicht, daß er Sie nach Italien begleite. Ich will Ihnen als Generaladjutant den Oberst Klenau geben, welcher ein braver Mann ist und Ihr Vertrauen verdient. Ich ermahne Sie noch, vom Rhein möglichst wenig Offiziere mitzunehmen; Sie werden in Italien genug finden, welche das Land kennen und seine Sprache sprechen, und welche Sie als Adjutanten und Ordonnanzoffiziere werden verwenden können.“ 3)

Franz.“

Feldmarschall Graf Wurmser 4) erklärte sich sofort zur Übernahme des ihm anvertrauten Kommandos bereit, obgleich er sich nur schweren Herzens von der Armee trennen konnte, mit der er gehofft hatte, sein elsässisches Heimatland den Franzosen zu entreißen. Er erkannte sehr wohl die Schwierigkeit der Aufgabe vor die ihn sein Kaiser stellte, und die ihn denn auch tatsächlich dem Ende seines militärischen Glückes entgegenführen sollte. Wie bange Ahnung klingt es aus den Zeilen, die der greise Marschall an Minister Thugut richtet: „Ich bin sehr dankbar für all die Güte, das Vertrauen und die Freundschaftsbeweise, mit denen Euer Exzellenz in Ihren Briefen mich überschütten, Aber gestehen Sie, daß Sie mich ein hohes Spiel spielen heißen; und ich bin nicht eitel genug, um nicht sehr viel Schwierigkeiten vorauszusehen. Ich verlasse mich auf meinen Pflichteifer, etwas auf mein Glück und auf die braven Generale, die ich bei mir haben werde. Die Truppen sind immer gut, wenn sie gut geführt werden; das ist der Grund, auf den ich meine Hoffnungen baue.“ 5) Daß Marschall Wurmser ein Mann von hervorragenden soldatischen Tugenden war, ist unbestritten; seine glänzende militärische Laufbahn, seine Siege bei Weißenburg und Mannheim in den Jahren 1793 und 1795, und die heldenmütige zähe Entschlossenheit, mit der er Mantua verteidigte, erweisen es zur Genüge. Nicht nur persönliche Tapferkeit, auch manche Attribute wahren Feldherrntums waren ihm eigen: „Unser Wurmser ist seit vier Jahren der erste General, welchen ich im Unglück die Besonnenheit bewahren sehe,“ 6) und „Wurmser wird hoffentlich den unter seinen Befehlen stehenden Generalen denselben Eifer, dieselbe Wärme und Kaltblütigkeit einflößen, welche ihn charakterisieren,“ 7) so berichtet Dietrichstein im September 1795 nacht den unglücklichen Gefechten von Siegburg, Diez und Limburg an den Minister Thugut, und kurz vor dem siegreichen Treffen, das Wurmsers rechter Flügel bei Handschuchsheim der Armee Pichegrus lieferte. Es hat aber den Anschein, daß man dem greisen Marschall nicht von allen Seiten jenes Vertrauen entgegenbrachte, das ihm sein Kaiser in so hohem Maße schenkte. Besonders im Hauptquartier der italienischen Armee selbst sah man wenig hoffnungsvoll den nächsten Ereignissen entgegen, wenn man einem Berichte glauben darf, den Oberst Graham am 25. Juli aus dem Hauptquartier Roveredo an seine Regierung in London sandte, und der unter anderem folgendes enthält:

„Wenn man das Vertrauen des Heeres gewonnen hätte [das einzige Mittel, die Mutlosigkeit der Soldaten und das Mißbehagen der Offiziere zu beseitigen, wäre die Wahl eines tüchtigen, fähigen Befehlshabers gewesen], so läge mehr Wahrscheinlichkeit vor, daß Großes geleistet werden wird. Der Eifer dieses guten Alten (Wurmser) genügt nicht und sonst ist nichts vorhanden. Er ist unentschieden, und von der gegenteiligen Ansicht seiner Umgebung leicht verwirrt, will aber niemand, einen entscheidenden Einfluß zugestehen und die Verantwortlichkeit dafür überlassen. . , Nach der Meinung aller hier ist der erste General in Europa und der einzige, welcher diese gebeugte Armee wieder aufrichten könnte, der Generalquartiermeister , welcher, wie ich glaube, im Winter 1793/94 in England war.“ 8) Damit ist Mack gemeint, der im Jahre 1793 als Generalquartiermeister an der Seite des Herzogs von Coburg stand, unter dessen Befehl der Herzog von York mit dem englischen Hilfskorps zu operieren hatte. Mack erfreute sich eines außerordentlichen Ansehens bei der Armee, bis mit der Übergabe von Ulm seine Laufbahn ein ruhmloses Ende fand.

Die anfängliche Beklommenheit Wurmsers scheint bald vollem Selbstvertrauen gewichen zu sein; am 12. Juni fügte er einem an den Minister Thugut gerichteten französischen Schreiben folgende deutsche Nachschrift bei: „Die Federmesser in Italien müssen nicht gut geschliffen sein; ich hoffe, daß die Mannheimer die Federn besser schneiden werden; man wird sich solcher bedienen.“ 9)

Während Wurmser mit den Vorbereitungen zum Abmarsch der Verstärkungen beschäftigt war, wurde der F.M.Lt. Baron Allvintzy am 7. Juni zur Berichterstattung über den Zustand der italienischen Armee nach Tirol gesandt, 10) und am 8. Juni Beaulieu nachdrücklichste angewiesen, mit weiterem Rückzug innezuhalten. 11) Am 16. Juni verfügte Kaiser Franz über die Zusammensetzung des Hauptquartiers und über sonstige Personalfragen in folgendem Schreiben: 12)

Laxenburg, 16. Juni 1796.

Mein lieber Marschall, Graf von Wurmser

Der Major Hager hat mir Ihre Depesche vom 6. d. M. überbracht. Ich schätze Sie sehr wegen des neuen Beweises, welchen Sie mir soeben von Ihrem Eifer gegeben haben, indem Sie bereitwilligst die Armee in Italien übernehmen und sich dorthin begeben wollen, wohin Sie die Stimme meines Vertrauens ruft. Ich bin auch überzeugt, daß Sie in der Laufbahn, die meine Wahl Ihnen eröffnet, neue Erfolge und neues Recht auf meine Achtung und mein Wohlwollen erringen werden. Für die Sorgfalt, welche Sie aufgewendet haben, um eine vorzeitige Bekanntgabe Ihrer neuen Bestimmung zu verhindern, kann ich Ihnen nur meine Anerkennung aussprechen; aber der Hauptgrund, welcher mich veranlaßt hatte Ihnen strenge Verschwiegenheit in dieser Hinsicht anzuempfehlen, existiert nicht mehr: in Erwägung, daß die Gesundheit Beaulieus von Tag zu Tag schwächer wurde und sein Gemütszustand durch die wiederholten Schicksalsschläge ganz gebrochen schien, habe ich es für meine Pflicht gehalten, ihn vom Kommando zu entheben und inzwischen durch den General Melas zu ersetzen. Ich habe es gleichzeitig für notwendig erachtet, den General Allvintzy nach Tirol zu senden, mit dem Auftrage, inmitten der unsinnigen und sich widersprechenden Gerüchte, die böser Wille und Schrecken täglich in Umlauf setzen, die wahre Sachlage zu erforschen, weiter die Maßregeln zur Sicherung der bedrohten Grenzen zu prüfen, ferner die zur Verproviantierung und zum Unterhalt der Truppen erforderlichen Mittel kennen zu lernen und vorzubereiten, und endlich auch zu beraten, wie der gute Wille der Einwohner Tirols, die mit höchst lobenswertem Eifer ihre Bewaffnung gefordert haben, am zweckmäßigsten zur Verteidigung ihrer Heimat herangezogen werden kann. – Da ich vermute, daß Beaulieu zur Stunde die Armee schon verlassen hat, würde es sehr nützlich sein, wenn Sie sich so rasch als möglich nach Tirol begeben, um sich dort zu orientieren und so am leichtesten alle Verhältnisse kennen zu lernen. Allvintzy wird dort Ihre Ankunft erwarten. Sie können sich mit ihm über die verschiedenen Bedürfnisse und was für die Schlagfertigkeit der Armee noch zu ergänzen bleibt verständigen, und Allvintzy wird nach seiner Rückkehr den Hofkriegsrat veranlassen, die erforderlichen Maßnahmen schleunigst zu treffen.

Der Transferierung Hotzes nach Italien kann ich nicht leicht zustimmen, weil man den Rhein nicht gerade von jenen Generalen entblößen darf, die bei den Truppen das größte Ansehen und Vertrauen genießen; ich könnte mich eher entschließen, Ihnen Mészáros beizugeben, vorausgesetzt, daß Sie es absolut erforderlich erachten, in welchem Falle Sie nur den Hofkriegsrat darum zu bitten brauchen. Was die anderen Persönlichkeiten anbetrifft, die Sie nach Italien mitzunehmen wünschen, will ich Ihnen gerne beistimmen, aber ich kann Ihnen schon im voraus nicht verhehlen, daß ich mich jetzt zu einem allgemeinen Avancement nicht entschließen könnte, um so mehr, als die unvermuteten Veränderungen in den Kommandostellen der Armee seit einiger Zeit häufige Beförderungen verlangt haben; das soll aber keineswegs verhindern, daß nach Maßgabe errungener Erfolge und günstiger Gelegenheiten Jene Beachtung finden sollen, welche Sie mir empfehlen und welche sich durch ihren Eifer und ihre Talente auszeichnen. In diesem Sinne stimme ich gerne bei, daß Sie Oberstleutnant Auer als Generaladjutant, und die beiden Majore Vincent und Hager als Flügeladjutanten beibehalten, und daß Sie sich auch vom Hauptmann Mohr und Ihrem Verwandten, dem Grafen von Degenfeld, begleiten lassen. Ich bin auch damit einverstanden, daß Oberst Duka 13) zur Übernahme der Geschäfte des Generalquartiermeisters bestimmt wird, und daß Sie ihm den Major Mayer beigeben, der, wie ich glaube, tatsächlich bei der Niederrheinarmee steht, welchen Ihnen aber mein Bruder, der Erzherzog, auf Verlangen gewiß ohne Schwierigkeit überlassen wird. Wenn Sie glauben, daß Mahony für den Jägerdienst nicht geeignet ist, wird man ihn in einem Kavallerieregiment unterzubringen suchen; aber besondere Gründe erlauben mir nicht, Ihrem Vorschlag zugunsten des Oberstleutnants von Zinzendorf beizustimmen, und es wird erforderlich sein, für das Kommando der Jäger in anderer Weise zu sorgen.

Der Hofkriegsrat wird für Belagerungsartillerie, Pontons und sonstiges Kriegsmaterial Sorge tragen, und ich selbst werde meine Aufmerksamkeit auf alles richten, was die Operationen und Erfolge der Armee erleichtern kann, denn ich wünsche lebhaft, die unter Ihrem Befehle stehende Armee recht bald in Tätigkeit zu sehen.

Franz,"

Am 21. Juni übergab Beaulieu den Interimsbefehl über das Heer an den F.M.Lt. Melas, der das Hauptquartier am 24. Juni von Caliano vorwärts nach Roveredo verlegte. In der Aufstellung der österreichischen Truppen war inzwischen insoweit eine Verschiebung eingetreten, als sich Beaulieu durch ein lebhaftes Vorpostengefecht auf dem Monte Baldo, am 17. Juni, zum Zurücknehmen seiner Vortruppen in die Linie Borghetto-Cerbiol-Artiglione-Malcesine veranlaßt gefühlt hatte. Ein am 28. Juni von Masséna unternommener heftiger Angriff gegen diese Front wurde von F.M.L. Sebottendorf unter Mitwirkung der österreichischen Gardaseeflottille energisch zurückgewiesen.

Am 26. Juni traf Wurmser in Innsbruck ein, am 30. in Trient, und am 4. Juli in Roveredo. Der Zustand, in dem er die Armee und ihre Anstalten fand, versprach wenig Gutes. Am 3. Juli klagte er dem Kaiser, daß die Verpflegung der Armee noch lange nicht sichergestellt sei und daß der Mangel an Lebensmitteln und Fourage den Beginn der Operationen verzögern werde. So müßten die im Anmarsche befindlichen Kavallerieregimenter Czartoriski, Erdödy und Wurmser bei Laibach, Klagenfurt und Kufstein aufgehalten werden, da im Etschtale noch keine Vorräte wären. Auch die Hospitäler befanden sich in einem trostlosen Zustande: „J'ai trouvé les hopitaux dans un état si négligé, que je crains de faire souffrir le coeur compatissant de V. M. en lui en traçant le tableau. L'on m'assure, que dans la dernière retraite plus de 3000 malades ont péri faute de soins; je vais porter les remèdes les plus prompts a cet objet si intéressant pour le bien de l'armée de V. M. et pour l'humanité en général.“ 14)

Unterdessen waren die von der Oberrheinarmee nach Tirol bestimmten Truppen mit großer Beschleunigung über Ulm und Sigmaringen in Marsch gesetzt worden, so daß bereits Mitte Juli ein beträchtlicher Teil der Truppen in Südtirol versammelt war. Am 13. berichtete Wurmser an den Kaiser: „Die vom Rhein kommenden Truppen treffen successive in Trient ein, wo das Reservekorps stehen soll, da dieser Punkt derjenige ist, von dem aus ich meine Kräfte am leichtesten in jene Richtungen dirigieren kann, die für meine ohne Zeitverlust zu beginnenden Operationen am passendsten sind. Mehr als die Hälfte der Infanterie ist schon angekommen. Über den Rest ist so disponiert, daß am 27. alles in Trient versammelt sein muß.“ 15)

In Wien wurden die Ereignisse auf dem italienischen Kriegsschauplatze mit steigender Spannung verfolgt und dem baldigen Vormarsche Wurmsers mit begreiflicher Ungeduld entgegengesehen. Die Verhältnisse Italiens hatten sich unter der zwingenden Gewalt der siegreichen republikanischen Waffen und dem Übermut der französischen Truppen in einer Weise gestaltet, die nicht nur den Fürsten und den ihrer Macht Beraubten unerträglich schien, sondern auch den größten Teil der Bevölkerung, besonders der ländlichen, 16) zu glühenden Feinden der Franzosen werden ließ. Mit allgemeiner Freude und neu erwachender Hoffnung auf einen baldigen Umschwung der Verhältnisse begrüßte man daher die Nachricht von dem Ansammeln eines mächtigen kaiserlichen Heeres und allenthalben rüstete man insgeheim zur Vertreibung der verhaßten Eroberer. Dem allgemeinen Verlangen nach einem raschen Einfall in Italien durfte aber Wurmser nicht eher entsprechen, bevor nicht alle seine Truppen zur Stelle und die Heeresbedürfnisse in ausreichender Menge beschafft waren, und da konnten auch die dringenden Wünsche seines kaiserlichen Herrn an der Notwendigkeit weiteren Zuwartens nichts ändern. „Ich habe aus Ihrem Bericht vom 5. d. M. mit Schmerz gesehen, so schreibt der Kaiser am 14. Juli, daß Sie zwar die dringenden Beweggründe zum baldmöglichsten Beginn der Operationen fühlen, bis jetzt aber die erforderlichen Mittel dazu nicht besitzen, ja scheinbar nicht einmal in der Lage sind, den voraussichtlichen Zeitpunkt Ihres Vormarsches zu bestimmen. . . . Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß die Mailänder-Zitadelle dem Feinde bereits übergeben ist und da Sie wissen, in welchem Zustande sich Mantua bezüglich der Lebensmittel befindet, werden Sie erkennen, wie wichtig es ist, daß diesem Platze baldigst geholfen werde. . . . . Es ist auch Zeit, der reichlichen Ernte Bonapartes an Geld, Lebensmitteln und allen möglichen Kriegsmaterialien, sowie den allgemeinen Verwüstungen ein Ende zu bereiten, und dem öffentlichen Geiste, der sich allgemein gegen die Franzosen ausspricht, zu Hilfe zu kommen und unseren Operationen dienlich zu machen. Die Art und Weise, wie sich der Feind gegenwärtig ausgebreitet und zerteilt hat, um Italien zu plündern, sowie alle Berichte, welche mir aus diesen Gebieten und von Turin und Venedig zukommen, sind geeignet, Ihren Operationen Erfolge zu versprechen. Indessen wird es gut sein, keine der notwendigen Maßregeln zu vernachlässigen, sowohl was Ihre Verbindungen anbelangt als auch die Sicherung der Grenzen des Landes, welches Sie verlassen werden. .... Im Interesse meines Dienstes und um die Zuneigung der Bewohner des Landes zu gewinnen, welches Sie passieren werden, ist es mein besonderer Wille, daß Sie die genaueste und strengste Disziplin beobachten lassen und diese durch alle Mittel der Anerkennung und Bestrafung befestigen.“ 17)

Mit der Aufstellung der neuen Armee Wurmsers wurde gleichzeitig die in der Verfassung der Grafschaft Tirol vorgesehene Landesverteidigung ins Werk gesetzt. Nachdem schon am 21. und 30, Mai die Vertreter der Hochstifte und Stände in Bozen zur Beratung zusammengetreten waren, und auf dringendes Ersuchen Beaulieus schon Anfang Juni mehrere Hundert Mann Landestruppen die bedrohten Grenzpunkte, besonders Taufers zur Deckung der Wormserjochstraße, besetzt hatten, wurde am 5. Juli in einer Konferenz der tirolischen Stände mit General Allvintzy die Zahl der zu errichtenden Landesschützenkompagnien auf 37 und ihre Stärke zu je 120 Mann festgesetzt. Die Landesverteidigung leitete General Baron Brabek im Einvernehmen mit dem Landeshauptmann, Grafen von Wolkenstein. 18) Zur Unterstützung der Landesschützen, besonders an der Westgrenze Tirols, bestimmte Feldmarschall Wurmser 4 Bataillone und 3 1/2 Eskadronen, und zwar den General Baron Graffen mit 2 Bataillonen bei Feldkirch, 4 Kompagnien bei Vadutz und 2 Kompagnien bei Balzers, und den General Baron Laudon mit 1 Bataillon und 3 1/2 Eskadronen bei Glurns und kleineren Posten zu Tonal, Tauffers und Nauders. Die Schwächung der Oberrheinarmee um die nach Tirol detachierten 25000 Mann war auf die Ereignisse am Rhein nicht ohne nachteiligen Einfluß geblieben. Am 24. Juni war Moreau unter gleichzeitigen Demonstrationen gegen Hüningen und Mannheim mit seiner Hauptkraft bei Straßburg über den Rhein gegangen und hatte mit seiner Übermacht die nach Wurmsers Abgang unter dem Kommando des Feldzeugmeisters Latour am rechten Stromufer stehenden Truppen teils rheinabwärts gegen Rastatt, teils über die Schwarzwaldpässe gegen Osten gedrängt. Erzherzog Karl, der soeben durch eine kräftige Offensive über Mainz-Wetzlar seinem rechten Flügel gegen Jourdan in glücklichster Weise Luft gemacht hatte, war zwar auf die Nachricht vom Rückzuge Latours von Frankfurt her mit 20000 Mann eilends zu Hilfe gekommen, hatte aber am 9. Juli, mit Latour vereint, im Gefechte bei Malsch gegen Moreau nicht durchzudringen vermocht und sich in den nächsten Tagen sogar zum Rückzug nach Pforzheim veranlaßt gesehen. Hier faßte dann Erzherzog Karl am 12. Juli den seiner exakten und erfolgreichen Ausführung wegen später so berühmt gewordenen Entschluß: seine bei Pforzheim und Hanau etwa 130 km voneinander entfernt stehenden Armeegruppen Latour und Wartensleben durch einen konzentrischen Rückzug gegen Regensburg zu vereinen, um sich dann nach erfolgter Vereinigung mit überlegener Kraft auf einen oder den anderen Teil des in der Trennung erhaltenen Gegners zu werfen. In der Ausführung dieses Entschlusses begann am 15. Juli der Rückzug der österreichischen Hauptkräfte gegen Osten, und die Deckung Tirols wie die Sicherung der Verbindung mit Wurmer blieb den schwachen Kräften des F.M.L. Fröhlich überlassen. Dieser hatte den linken Flügel Latours gebildet, war anfangs Juli vor dem rechten Flügel Moreaus über den Schwarzwald gegen Villingen zurückgewichen, und hatte am 20. Juli in der Linie Rottweil-Geisingen-Blomberg, beiderseits der oberen Donau, mit 12 Bataillonen und 17 Eskadronen Stellung genommen.

Die Nachricht von diesen Vorgängen auf dem deutschen Kriegsschauplatze erregte in Wien nicht geringe Beunruhigung, und schien sogar die Sorge um Mantua so weit in den Hintergrund zu drängen, daß Kaiser Franz ernstlich in Erwägung zog, mit einem Teile der für Wurmser bestimmten Nachschübe das Korps des F.M.L. Fröhlich zu verstärken, vermutlich zu dem Zwecke, diesen dadurch zu einer Operation gegen die rechte Flanke Moreaus zu befähigen. Am 18. Juli schrieb der Kaiser, nachdem er den Feldmarschall wiederholt und dringendst zur schnellsten und kräftigsten Eröffnung der Feindseligkeiten aufgefordert hatte: „Der sofortige Beginn Ihres Angriffes würde mir um so angenehmer sein, als dieser viel dazu beitragen würde, meine Armeen am Rhein aus der ungünstigen Lage zu befreien, in der sie sich gegenwärtig befinden. Wenn Sie übrigens glauben, augenblicklich hinreichend mit Truppen versehen zu sein und der Verstärkungen entbehren zu können, die Bregenz noch nicht passiert haben, so wollen Sie diesen sofort Befehl geben, sich mit dem Korps des F.M.L. Fröhlich zu vereinen.“ 19) Zur Ausführung dieser Absicht des Kaisers kam es aber nicht; zu den entsprechenden Gegenbefehlen war es zu spät geworden und einer Schwächung seiner Kräfte wollte Wurmser – gewiß mit voller Berechtigung – nicht zustimmen. Überdies war der Feldmarschall bezüglich seiner Verbindung mit der Armee in Deutschland und der Sicherung von Tirols Nordgrenze in lebhafter Sorge; er legte auf das Festhalten der von Fröhlich eingenommenen Stellung größten Wert und hielt im Interesse seiner Rückensicherung eine Kooperation des Korps Fröhlich mit der Armee des Erzherzogs für höchst bedenklich.

Unterdessen war der Feldmarschall über die Art seines Vorgehens zum Entsatze Mantuas schlüssig geworden und legte am 25. Juli in einem Schreiben an den Präsidenten des Hofkriegsrats, Grafen Nostitz, seinen Angriffsplan 20) vor. „Sobald meine vom Rhein kommenden Truppen eingetroffen sind bin ich entschlossen, die Feinde anzugreifen und Mantua zu entsetzen; den Angriffsplan lege ich diesem Schreiben bei: es wird harte Arbeit geben, ich kann sie aber nicht vermeiden. Jede Kolonne muß Defileen passieren, selbst auf Fußpfaden marschieren. Auf den meisten Wegen kann man keine Geschütze fortbringen. Mein Trost ist, Euer Exzellenz versichern zu können, daß ich viel guten Willen in der Armee finde, sowohl bei den Generalen, als auch bei den Offizieren und gemeinen Soldaten. Nun, ich lebe in der Hoffnung, den Feind zu schlagen. Ich füge hier den letzten Brief des Generals Canto samt meiner eben abgesandten Antwort bei. Ich vertröste ihn auf seine Befreiung am 2. August; ich hoffe aber, daß es eher sein wird. Der F.Z.M. Allvintzy hat für meine Lebensmittel gut gesorgt; ich bin auf 7 bis 8 Tage versehen. Der General Fröhlich schreibt mir soeben unter dem 21. d. M.: er habe sich von Villingen zurückgezogen und beiderseits der Donau eine Stellung bezogen; sein rechter Flügel stehe bei Rottweil, sein Zentrum bei Geisingen und sein linker Flügel bei BIomberg; er hat 12 Bataillone, 17 Eskadronen und das Korps von Condé. 21) Vom Erzherzog Karl hat er keine neuen Nachrichten. Wenn General Fröhlich stehen bleibt und seine Stellung behauptet, sind Voralberg und Tirol gedeckt; müßte aber dieses Korps zur Armee des Erzherzogs stoßen, so wäre dies ein großes Unglück und Tirol wäre in Gefahr: ich habe in Vorarlberg nur 5 Bataillone und einige Eskadronen . . . Ich bitte noch Euere Exzellenz dringend, mir den Kommissär Floch zu senden; das ist ein Mann von Kopf, der mir bei der Oberrheinarmee große Dienste geleistet hat. Er schonte die Verpflegsbeamten nicht, die er nach der Trommel marschieren ließ und mit denen ich fortwährend unzufrieden war: es ist ein abscheuliches Geschlecht.“ 22)

Mittlerweile trafen die letzten Verstärkungen in Südtirol ein und der Feldmarschall schob nunmehr seine Kräfte in jene Räume vor, von welchen aus die Kolonnen zum Angriff gegen die französische Aufstellung vorgehen sollten. Die zum Vorrücken westlich des Gardasees bestimmten Truppen des F.M.L. Quosdanovich verließen am 25. ihr Lager bei Trient, erreichten am 26. Roncone, am 27. Condino und formierten sich am 28. zwischen diesem Orte und Storo, mit den Vortruppen bei Pte di Caffaro; die Hauptkraft im Etschtale versammelte sich beiderseits des Flusses im Raume Mama-Borghetto-Ala unter dem Schutze der auf dem Monte Baldo stehenden Vorposten, und der linke Flügel, der die Kolonne Meszáros zu bilden hatte, stand am 26. Juli bei Bassano zum Vormarsch bereit.

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  1. Dieses wie eine Reihe anderer Schreiben sind der von Hauptmann Ritter von Vivenot unter dem Titel: Thugut, Cherlayt und Wurmser veröffentlichten Sammlung von Originaldokumenten (siehe Verzeichnis der benutzten Quellen) entnommen Der Briefwechsel zwischen dem Kaiser und Wurmser, wie auch zwischen Wurmser und Nostitz, dem Präsidenten des Hofkriegsrats, wurde fast ausschließlich in französischer Sprache geführt. Die zumeist von Ministur Thugut konzipierten Briefe des Kaisers haben bei der Eigenart des Stils der Übersetzung nicht geringe Schwierigkeiten bereitet.
  2. General Lauer vom Geniekorps.
  3. Diese mit Gänsefüßchen bezeichnete Stelle ist vom Kaiser dem Originalschreiben eigenhändig beigefügt.
  4. Dagobert Siegmund Graf von Wurmser war am 22. September 1724 zu Schlettstadt im Elsaß geboren. Als französischer Untertan stand er anfänglich im Dienste des Königs von Frankreich und kämpfte in den ersten Jahren des siebenjährigen Krieges als Reiteroffizier unter Marschall Soubise. Im Jahre 1762 trat er aber in österreichische Kriegsdienste über, wurde 1763 Generalmajor, bald darauf Feldmarschallleutnant, und befehligte im bayerischen Erbfolgekrieg, der ihm zu besonderer Tätigkeit wenig Gelegenheit gab, ein in Böhmen aufgestelltes Korps. Darauf wurde Wurmser zum kommandierenden General in Galizien, und 1787 zum General der Kavallerie ernannt. Im Frühjahr 1793 kommandierte Wurmser den linken Flügel der Verbündeten bei Heidelberg. operierte sehr glücklich gegen Custine und erstürmte am 13. Oktober die Weißenburger Linien. Ende Dezember wurde aber Wurmer wieder über den Rhein zurückgedrängt und bald darauf von seinem Korps abberufen. Im Jahre 1795 mit dem Kommando der Oberrheinarmee betraut, erzwang er am 22. November nach erfolgreichen Operationen gegen die Franzosen die Kapitulation der ca. 10000 Mann starken Besatzung von Mannheim. Nachdem am 1. Januar 1796 ein fünfmonatlicher Waffenstillstand den Operationen in Deutschland ein Ende bereitet hatte, verblieb Wurmser in Mannheim, bis ihn der Ruf seines Kaisers nach Italien führte. Nach dem Fall von Mantua (2. Februar 1797) begab sich der 73 jährige Feldherr nach Wien, wurde noch zum kommandierenden General von Ungarn ernannt, starb aber schon vor dem Antritte seines hohen Postens an den Folgen einer hei der heldenmütigen Verteidigung Mantuas sich zugezogenen Krankheit.
  5. Vivenot, Wurmser an Thugut, Mannheim, den 6. Juni 1796.
  6. Vivenot, Dietrichstein an Thugut, vom 21. September 1795.
  7. Vivenot, Dietrichstein au Thugut. 23. September 1795.
  8. The English Historical Review, vol. XIV, January 1899, S. 118.
  9. Vivenot, Seite 458, Wurmser an Thugut, Mannheim, den 12. Juni 1796. In „Souvenirs militaires et intimes du général Vicomte de Pelleport“ ist Seite 48 folgende Notiz zu lesen: „Le bruit se répandit aussi que le maréchal Wurmser, prenant congé de l'Empereur, avait dit à ce prince, qu'il châtierait Bonaparte de son audace et qu'il renverrait ce ‚petit caporal' à Pécole.“ In den nach Wien geschickten Berichten Wurmsers ist diese kräftige und humoristische Formulierung seiner nächsten Aufgabe nicht zu finden; möglicherweise ließ der Feldmarschall ähnliche Worte im Verkehr mit seinem Offizieren fallen.
  10. Vivenot, Seite 455, der Kaiser an Nostitz, Laxenburg, den 7. Juni 1796.
  11. Vivenot, Seite 456, der Kaiser an Nostitz, Wien, den 8. Juni 1796.
  12. Vivenot, Seite 459, der Kaiser an Wurmser, Laxenburg, den 16. Juni 1796.
  13. In den bisherigen Darstellungen des Feldzuges 1796 (wie bei Clausewitz und Rüstow) wird Oberst Weirotter als Generalquartiermeister resp. Generalstabschef Wurmsers genannt. Weirotter war zur Zeit der beschriebenen Ereignisse Major und kam erst nach Italien, als Allvintzy Ende Oktober das Kommando der Entsatzarmee übernahm.
  14. Vivenot, Wurmser an den Kaiser, Trient, den 3. Juli 1796.
  15. Vivenot, Wurmser an den Kaiser Roveredo, 13. Juli 1796.
  16. Joubert erzählt in einem Briefe an seinen Vater, datiert Verona, 9. August 1796, über die Verhältnisse beim Rückzuge Ende Juli: ‚‚Du Bagagen sämtlicher Offiziere wurden von italienischen Bauern geplündert, die sich zu Hunderten zusammenrotteten und die Nachzügler massakrierten; nichts war kritischer als unsere Lage.“ (Le général Joubert, d'après sa correspondance par Edmond Chevrier, Paris 1884.)
  17. Vivenot, Der Kaiser an Wurmser, Baden, den 14. Juli 1796.
  18. Geschichte der Kriegsereignisse in Vinstgau von P. Cölestin Stampfer.
  19. Vivenot, Der Kaiser an Wurmser, Wien, den 18. Juli 1796.
  20. Siehe Abschnitt V.
  21. Emigranten unter Ludwig Joseph von Bourbon, Prinz von Condé.
  22. Vivenot. Wurmser an Nostitz. Roveredo, den 25. Juli 1796.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 25-40