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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Chapter I

Bonaparte vor Mantua

I. Vorgänge bei der französischen Armee bis zum 28. Juli.

Nach der Rückkehr Bonapartes in das Hauptquartier Roverbella wurde nunmehr die Belagerung Mantuas mit allem Nachdruck in Angriff genommen. Hatten sich bis dahin die Franzosen mit der Umschließung der Festung und dem Zurückweisen der kleinen Ausfälle begnügt, die von der Besatzung zumeist nur zu Fouragierungen unternommen worden waren, so begann man mit der Einrichtung von Artilleriestellungen und den Vorbereitungen zur Eröffnung des Bombardements. Am 9. Juli wurden die Erdarbeiten zunächst gegenüber der Zitadelle und Porta Pradella, dann am unteren See gegen Migliaretto von den Franzosen in Angriff genommen, und trotz des Feuers der Außenwerke, das mitunter von größter Wirkung war, in den nächsten Tagen wesentlich gefördert.

Unter dem Eindruck der lebhaften Tätigkeit der Franzosen und dem Fortschreiten ihrer Erdarbeiten fand sich der Kommandant von Mantua, F.M.L. Canto d'Yrles bewogen, die Generale zu einem Kriegsrat zu berufen und diesem die Frage vorzulegen: „ob man schon jetzt einen allgemeinen Ausfall unternehmen solle, um die feindlichen Werke zu zerstören und dadurch die Stadt vor einem Bombardement sicher zu stellen.“ – Der einstimmige Beschluß ging aber dahin: „der allgemeine Ausfall solle erst dann ausgeführt werden, wenn das Bombardement wirklich begonnen hätte, oder wenn bestimmte Nachrichten von dem Kaiserlichen Heere eingetroffen sein würden.“ 1)

Unterdessen war die nach dem Falle der Mailänder Zitadelle freigewordene Division Despinois wieder zur Armee gestoßen und am 10. Juli gab Bonaparte aus dem Hauptquartier Legnago seinen Kräften jene Stellung, in der sie ziemlich unverändert bis zum Anmarsch der Österreicher verblieben. Danach stand

Sauret, westlich des Gardasees bei Salo, mit 3800 Mann,
Masséna, im Etschtal von Madonna della Corona bis einschließlich Verona, mit 15600 "
Augereau, bei Legnago an der unteren Etsch, mit 5000 "
Despinois, bei Zevio (zwischen Verona und Legnago) und bei Peschiera, mit 5000 "
Sérurier, vor Mantua, mit 9000 "
und Kilmaine, mit der Kavallerie und Artilleriereserve bei Vallese, mit 3000 "
zusammen 41400 Mann.

Einschließlich der noch bei Bergamo und Iseo stehenden 3000 Mann, und ausschließlich der Garnisonen von Livorno, Mailand, Pavia, Tortona und Ferrara betrug mithin die Gesamtstärke der französischen Armee nächst Mantua 44400 Mann.

Am 12. Juli meldete Bonaparte die Art seiner Aufstellung nach Paris und fügte hinzu: „Der Feind hat seine Vorposten in Ala und Malcesina und schiebt jetzt ziemlich beträchtliche Kolonnen hinter die Brenta; er hat ungefähr achttausend Mann in Bassano. Wir beobachten ihn seit mehreren Tagen in dieser Stellung. Wehe dem, der schlecht rechnen wird.“ 2)

Bonaparte fühlt, daß die Stunde nahe ist, die über das Schicksal des Feldzugs entscheiden wird.

Um so ungeduldiger drang er auf den raschen Fall Mantuas. Im Vertrauen auf die Lokalkenntnisse eines seiner Offiziere, des aus Mantua gebürtigen Oberst Lahoz, und gestützt auf den ungewöhnlich hohen Wasserstand des Po, plante er, die Festung mit einem raschen Handstreich zu nehmen. Dem Direktorium berichtete er darüber am 12. Juli ebenso geheimnisvoll wie geistreich: „Ich habe jetzt einen kühnen Schlag im Sinn. Schiffe, österreichische Uniformen, Brandraketen, alles wird am 16. bereit sein. Die weiteren Operationen werden sich ganz nach dem Gelingen dieses Handstreichs richten, das, wie bei allen Unternehmungen dieser Art, durchaus vom Glücke abhängt: von einem Hund oder einer Gans.“ 3) Hier scheiterte aber der Plan an dem Umstande, daß der Po in 24 Stunden um mehr als 3 Fuß gefallen war, und da das Wasser in den nächsten Tagen noch weiter sank, wurde die Unternehmung dann gänzlich aufgegeben.

Ein von den Österreichern am 16, Juli aus der Porta Pradella und gegen Cerese und Pietole unternommener Ausfall gelang insoweit, als reichliche Mengen Futter in die Stadt gebracht und das Schußfeld durch Abbrennen einiger Häuser und das Wegräumen von Bäumen freier gemacht werden konnte; die beabsichtigte Zerstörung der französischen Erdwerke mußte aber unausgeführt bleiben.

Unterdessen hatten die Franzosen bis zum 18. Juli alle Vorbereitungsarbeiten zur Beschießung beendet, die Geschütze in Stellung gebracht, und in der Nacht auf den 19. das Bombardement eröffnet. In dieser Nacht schon gelang es dem General Chasseloup vom Geniekorps, der die Belagerungsarbeiten der Franzosen leitete, gegen die Südfront von Mantua, und zwar auf 350 Schritte von dem Glascis der Verschanzung von Migliaretto, die erste Parallele zu eröffnen und in der folgenden Nacht den Bau einer zweiten zu beginnen. 4) Von jetzt an wurde die Beschießung der Festung mit wechselnder Stärke fortgesetzt und meist nur tagsüber unterbrochen, um die durch das Feuer der Belagerten entstandenen Schäden in den Batterien auszubessern.

Eine Aufforderung zur Übergabe wies der Kommandant am 20. mit Entschiedenheit zurück. 5) Aber nicht nur „Ehre und Pflicht“ geboten ihm, den ihm anvertrauten Platz bis auf das äußerste zu verteitigen, sondern auch die sichere Aussicht, in Bälde entsetzt zu werden. Dank der Sorglosigkeit, mit der die französischen Vorposten ihren Dienst taten, war Canto d'Yrles in steter Verbindung mit dem Armeekommando in Tirol geblieben, und dieses gab ihm wiederholt die Versicherung, daß der Entsatz bis zum 2. August ausgeführt sein würde. Ungefähr für den gleichen Zeitpunkt prophezeite hingegen Chasseloup den sicheren Fall der Festung.

Gegen Ende des Monats Juli nahm Bonaparte einige Verschiebungen in der Aufstellung der vorgeschobenen Divisionen vor: am 23. wurde Augereau angewiesen, die Etsch aufwärts statt bis Ronco bis Zevio einschließlich zu besetzen; 6) Despinois hingegen sollte die Verteidigung des Abschnittes von Verona abwärts bis vor Zevio übernehmen, und den Brigadestab von diesem Orte nach San Giovanni verlegen.") Weiter ordnete Bonaparte am 24. die Räumung von lseo an und gab den beiden dort stehenden Bataillonen der 25. Halbbrigade den Befehl, am 26. nach Brescia zu marschieren; von den dort stehenden 3 Bataillonen sollte dagegen eines zur Division Sauret und eines (von der 11. Halbbrigade) zur Division Masséna stoßen. 7) Die angeordnete Bewegung der letztgenannten Bataillone wurde ausgeführt; die Garnison von Iseo erhielt aber den Befehl mit solcher Verspätung, daß beim bald erfolgenden Angriff auf Brescia, wie noch gezeigt werden wird, die Stadt nahezu von Truppen entblößt war. Endlich erhielt noch der Kommandant der Flottille auf dem Gardasee, der Fregattenkapitän Allemand, am 24. den Befehl, am 26. mit den Galeeren und Barken auszulaufen, die feindliche Flottille anzugreifen, zwischen Malcesine und Campione fleißig zu kreuzen, und jede Bewegung feindlicher Schiffe, besonders in der Umgebung von Peschiera und Salo, zu verhindern. 8)

Zwei Befehle aus Brescia, wohin sich Bonaparte am 25. begeben hatte, kamen wegen des inzwischen erfolgten Angriffs der Österreicher zu spät in die Hände der Empfänger und infolgedessen nicht zur Ausführung; im ersten, datiert vom 27., wurde Kilmaine angewiesen, zur Flankendeckung gegen feindliche Unternehmungen an der unteren Etsch 200 Reiter und 3 leichte Geschütze jenseits Badia zu unterhalten; 9) der zweite, datiert vom 28., enthielt den Befehl an Masséna, den bereits im Bau begriffenen Brückenkopf an der Schiffsbrücke über die Etsch, unterhalb Sega, mit tunlichster Beschleunigung fertigzustellen, und enthielt weiter eine ausführliche Instruktion zur Verteidigung dieses Brückenkopfes. 10)

Die Beschießung von Mantua war inzwischen mit einigen Unterbrechungen bis zum Abend des 26. fortgesetzt worden, um dann fast gänzlich eingestellt zu werden. Dagegen unternahmen die Franzosen am Morgen des 27. einen Sturm auf den gedeckten Weg von Migliaretto, der aber mit beträchtlichen Verlusten zurückgeschlagen wurde. Erst am Morgen des 29. wurde die Beschießung der Stadt aus allen Batterien mit Energie wieder aufgenommen und besonders gegen das vorgeschobene Werk von Migliaretto ein umfassendes Feuer gerichtet. Ein am Abend des 29. gegen dieses Werk unternommener Sturm wurde zwar zurückgewiesen, immerhin war aber die vorausgegangene Beschießung so wirksam gewesen, daß sich der Kommandant zur Räumung des äußeren gedeckten Weges veranlaßt sah, und Vorbereitung traf, um die Verbindung der Stadt mit dem Migliaretto schnell gänzlich abbrechen zu können. Noch wurde im Laufe des 30. und 31. die Stadt von den Franzosen wiederholt und heftig beschossen; am Abend des 31. hörte aber die Beschießung ganz auf, denn mittlerweile war bei Sérurier der Befehl zur Aufhebung der Belagerung eingetroffen. Die Vorgänge, welche den französischen Feldherrn zu dieser folgenschweren Maßnahme veranlaßten, sind in den nächsten Abschnitten dargestellt.

Previous: Einleitung. Gedrängte Übersicht der Ereignisse, die zur Belagerung Mantuas führen.
Next: II. Stellung der französischen Armee am 28. Juli.
  1. Österreichische Militär-Zeitschrift, Jahrgang 1830.
  2. Corresp. No. 755. An das Direktorium, Verona, 12. Juli.
  3. Bei welcher Gelegenheit der Major Sanson des Geniekorps die besondere Anerkennung Bonapartes erwirbt. Corresp. No. 768.
  4. Aufforderung des Generals Berthier an den Kommandanten der Festung Mantua; Marmirolo, den 30. Messidor (18. Juli) 1796.

    „Der Obergeneral der italienischen Armee gibt mir den Auftrag, Ihnen mein Herr, zu schreiben, daß Sie von allen Seiten angegriffen und nicht imstande sind, Mantua langer zu verteidigen, und daß Sie durch eine übelangebrachte Hartnäckigkeit diese unglückliche Stadt gänzlich zu Grunde richten würden; die Kriegsgesetze gebieten Ihnen daher, die Festung zu übergeben. Wenn Sie gegen sein Erwarten einen längeren Widerstand hartnäckig fortsetzen sollten, würde Sie die Verantwortung treffen für das Nut, das Sie unnützerweise vergießen lassen, und für die Zerstörung und das Unglück dieser großen Stadt. Der Obergeneral würde sich dann genötigt sehen, Sie mit aller kriegsstrenge zu behandeln.“

    Der Kommandant der Festung gab folgende Antwort: „An den Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Italien. Die Gesetze der Ehre und der Pflicht gebieten mir, den mir anvertrauten Platz bis auf den letzten Mann zu verteidigen.

    Mantua, den 20. Juli 1796.

    Unterzeichnet: Grat Canto d'Yrles.“

    [Feldzug des Generals Buonaparte in Italien, Paris, im sechsten Jahre der Republik, S. 118.]

  5. Corresp. No. 787.
  6. Corresp. No. 788.
  7. Corresp. No. 789.
  8. Corresp. No. 790.
  9. Corresp. No. 791.
  10. Corresp. No. 793.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 11-14