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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Verzeichnis der benutzten Quellen

Bonaparte vor Mantua

Referent:
Herr Professor Dr. phil. F. Schirrmacher.

Vorwort.

Im Verlaufe des Kriegsjahres 1796 in Italien sind es besonders die letzten Tage des Monats Juli, die ein spezielles Studium verdienen.

Die politischen Erfolge der Republik, die Eroberungen der französischen Armee und der strahlende Ruhm ihres jugendlichen Führers waren nie wieder so schwer bedroht, als in jenen glühend heißen Sommertagen, da der greise österreichische Marschall mit mehreren Kolonnen aus den Tiroler Bergen südwärts zog, im ungestümen Anprall die ersten französischen Linien über den Haufen warf und Mantua, der Übergabe nahe, aus seiner argen Bedrängnis befreite. Aber nach wenigen Tagen schon wurde der Sieg zur Niederlage, den flüchtenden Trümmern der österreichischen Armee folgten die siegreichen französischen Brigaden, und mit neuem Ruhm erfüllte Bonaparte die Welt.

Und wie merkwürdig: gerade da, wo das Genie des jungen Feldherrn sich selbst zu übertreffen scheint, hat eine überaus scharfe Kritik eingesetzt. 1) Während man bis dahin die glänzenden Erfolge der französischen Waffen vor allem in der Kühnheit, im wohldurchdachten Handeln und im höchsten Selbstvertrauen des genialen. Führers begründet gesehn hatte, trat die Meinung auf den Plan, es gäbe untrügliche Beweise dafür, daß Bonaparte in den kritischen Stunden, da ihm von allen Seiten das siegreiche Vordringen österreichischer Kolonnen gemeldet wurde, völlig verzagt und verwirrt an nichts anderes gedacht habe, als an eiligen Rückzug hinter den schützenden Po. Nur der Kaltblütigkeit seiner Unterführer und besonders der Umsicht Augereaus habe der französische Feldherr den großen Erfolg jener denkwürdigen Tage zu danken.

Diese Kritik blieb zwar nicht unerwidert, 2) aber – wie dem auch sei – weder Angreifer noch Verteidiger in diesem Streit der Meinungen haben bis heute eine erschöpfende Darstellung der umstrittenen Ereignisse gebracht, sondern vielmehr nur in polemischer Art durch einzelne aus dem Zusammenhang herausgeholte Tatsachen ihre Ansichten zu erweisen gesucht.

Wenn es die Klarstellung rein psychischer Vorgänge gilt, kann aber ein solches Verfahren niemals zu einem überzeugenden und historisch glaubwürdigen Urteil führen. Wo die angezogenen Quellen so widersprechend, so dürftig und, wie es sich noch zeigen wird, mitunter auch so trübe fließen, ist es untunlich, den Gegenstand der widerstreitenden Anschauungen für sich allein und aus dem Zusammenhang gelöst zu betrachten; es wird vielmehr der wahren Erkenntnis ungleich förderlicher sein, durch eine möglichst eingehende und kritische Untersuchung aller Umstände vor- und nachher, das Gebiet der Frage so enge zu umgrenzen, daß sich ihre Beantwortung als das Glied einer ganzen Entwicklungsreihe dann gewissermaßen von selbst ergibt.

Dieser Gesichtspunkt mußte demnach zu einer umfänglichen Untersuchung des persönlichen Verhaltens Bonapartes während der ganzen kritischen Zeit der letzten Julitage führen.

Die vorliegende Studie geht aber darüber noch hinaus und erweitert den Rahmen zu einer Gesamtdarstellung des sogenannten "ersten Entsatzversuches", jenes kurzen Feldzuges, in dem von österreichischer Seite das erstemal eine Befreiung des belagerten Mantuas angestrebt wurde. Diese Neubearbeitung erscheint den wenigen älteren Darstellungen gegenüber berechtigt, wenn man die bedeutenden und inhaltsvollen Bereicherungen beachtet, welche in den letzten Dezennien dem älteren Bestande an Quellenpublikationen hinzugefügt worden sind. Hier haben sich wahre Lichtquellen geöffnet, die so manchen dunklen Zusammenhang erhellen, so manche Lücke füllen und so manches rätselhafte Motiv entschleiern.

Vor allem sind zu nennen: das gewaltige Material der „Correspondance de Napoleon I.“, deren Veröffentlichung 1858 begann und 1870 zu Ende geführt wurde, dann die Herausgabe wichtiger Originaldokumente aus den Wiener Staatsarchiven durch Ritter von Vivenot unter dem Titel „Thugut, Clerfayt und Wurmser“ (Wien 1869) und ferner die von W. Rose in der „English Historical Review“ im Januar 1899 veröffentlichten Berichte des Oberst Th. Graham (später Lord Lynedoch) aus Wurmsers Hauptquartier an die Regierung in London. Viel schätzenswertes Material fand sich auch in neueren Geschichten österreichisch-ungarischer Regimenter und endlich in jüngeren französischen Memoirenwerken.

Ein vollständiges Verzeichnis der benutzten Quellen ist den Anlagen am Ende des Buches beigeschlossen.

Rostock, Oktober 1903.

Hortig.

Next: Introduction: Gedrängte Übersicht der Ereignisse, die zur Belagerung Mantuas führen.
  1. Comment s'est formé Je génie militaire dc Napoléon 1. par le général Pierron, Paris 1888
    und Beiheft zum Militärwochenblatt. Berlin 1889, Drittes Heft. Napoleons Feldzug 1796.

  2. Réponse au général Pierron, par X. Paris 1899.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: II-V