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 Research | Napoleonic Hortig Bonaparte vor Mantua German Anlagen

Bonaparte vor Mantua

Anlagen.

Anlage 1.

An Josephine in Mailand!

Castiglione, am 4 Thermidor, des Jahres IV
(22. Juli 1796).

Die Bedürfnisse der Armee erfordern meine Anwesenheit hier; ich darf mich nicht zu weit entfernen, Mailand also ist mir versagt: ich brauchte dazu 5 oder 6 Tage und während der Zeit könnten Bewegungen nötig werden, die meine Anwesenheit fordern.

Du versicherst mir, Dein Befinden sei gut, sei also gebeten nach Brescia zu kommen. Ich schicke soeben Murat dorthin, um ein Quartier für Dich zu besorgen, so wie Du es nur wünschen kannst.

Du wirst am besten tun, wenn Du am 6. (24. Juli) in Cassano übernachtest, nachdem Du zu später Stunde Mailand verlassen hast; Du bist dann am 7. (25. Juli) in Brescia, wo Dich mit Sehnsucht der erwartet, der Dich zärtlich liebt. Ich bin in Verzweiflung, Teuerste, wenn ich denke, Du könntest glauben, mein Herz erschlösse sich anderen Frauen; Dein ist es allein durch das Recht der Eroberung und dieses Recht wird bestehen für alle Ewigkeit. Ich weiß nicht recht, weshalb Du mir von der Madame Te . . . sprichst, auf die ich mich kaum besinne. Was Deine Briefe betrifft, und Deinen Ärger, daß ich sie geöffnet habe, so soll der beiliegende der letzte gewesen sein! Dein Brief war noch nicht eingetroffen.

Adieu, Du zärtlich Geliebte, schicke mir häufig Nachrichten. –

Treffe pünktlich bei mir ein, sei glücklich, sei ohne alle Sorgen; alles geht gut, Dein ist mein Herz so lange ich lebe. Denke daran, dem Generaladjutanten Miollis die Medaillen zurückzugeben, die er Dir, wie er mir schreibt, einhändigte. Die Männer sind so boshaft und haben so lose Mäuler, daß man auf der Hut sein muß.

Gesundheit also und pünktliche Ankunft in Brescia! Ich habe in Mailand einen Wagen, der sich gut für Stadt und Reise eignet, bediene Dich seiner. Nimm all Dein Silberzeug mit und einen Teil von dem, was Du notwendig brauchst; reise in kleinen Etappen und während die Luft frisch ist, damit Du nicht ermüdest. Die Truppen brauchen drei Tage bis Brescia. Die Poststraße beansprucht 14 Stunden; ich halte es für das Beste, Du nächtigst in Cassano; am 7. komme ich Dir so weit wie möglich entgegen.

Lebe wohl, meine Josephine, tausend süße Küsse.

Bonaparte.

Anlage 2. 1)

An das Vollziehungsdirektorium.

Hauptquartier Castiglione. 19 Thermidor
(6. August).

Bürger Direktoren, die militärischen Ereignisse sind seit dem 11. (29. Juli) so schnell aufeinander gefolgt, daß es mir unmöglich gewesen ist, Ihnen schon früher über dieselben Bericht zu erstatten.

Seit mehreren Tagen waren die zwanzigtausend Mann Verstärkungen, welche die österreichische Rheinarmee der Armee von Italien geschickt hatte, angekommen, was mit den zahlreichen Rekruten und einer beträchtlichen Anzahl Bataillone, welche aus dem Innern von Österreich gekommen sind, diese Armee außerordentlich gefährlich machte.

Ziemlich allgemein war die Meinung verbreitet, daß die Österreicher bald in Mailand sein würden. Am 11. (29. Juli), morgens 3 Uhr, wird die Division Masséna mit sehr zahlreichen Kräften angegriffen: sie wird gezwungen, den wichtigen Posten von La Corona aufzugeben. Gleichzeitig überfällt eine Division von 15000 Österreicher die Division des Generals Sauret in Salo und bemächtigt sich dieses wichtigen Postens. Der Brigadegeneral Guieu zieht sich mit 600 Mann der 15. Halbbrigade leichter Infanterie in ein großes Haus von Salo zurück und bietet dort allen Anstrengungen des Feindes Trotz, der ihn auf allen Seiten einschloß. Der Brigadegeneral Rusca wurde verwundet. Während ein Teil dieser Division den General Guieu in Salo einschließt, marschiert ein anderer Teil nach Brescia, überfällt die sich dort befindenden Franzosen, nimmt vier Kompagnien gelangen, die ich dort gelassen hatte, so wie 80 Mann vom 25 Regiment Jäger zu Pferde, zwei Generale und einige Stabsoffiziere, die daselbst krank zurückgeblieben waren.

Die Division des Generals Sauret, welche Brescia hätte decken sollen, zog sich nach Desenzano zurück. Unter diesen schwierigen Umständen, von einer zahlreichen Armee durchbrochen, welcher ihre Vorteile notwendig noch mehr Mut einflößen mußten, sah ich ein, daß ein großartiger Plan gefaßt werden müsse. Der Feind, der aus Tirol über Brescia und längs der Etsch herabstieg, nahm mich in die Mitte; war meine Armee zu schwach, um sich beiden Divisionen des Feindes entgegenzustellen, so konnte sie doch jede einzeln schlagen, und weil sich meine Stellung zwischen ihnen befand, war es mir möglich, durch einen schnellen Rückmarsch die in Brescia angelangte feindliche Division zu umzingeln, sie gefangen zu nehmen oder sie aufs Haupt zu schlagen, und von da an den Mincio zurückzukehren, Wurmser anzugreifen und zu zwingen, nach Tirol zurückzugehen. Aber um diesen Plan auszuführen, mußte man hinnen vierundzwanzig Stunden die Belagerung von Mantua aufheben, welches auf dem Punkte war, erobert zu werden; man mußte die vierzig Kanonen aufgeben, welche in Batterien aufgestellt waren, denn es war unmöglich, auch nur sechs Stunden zu zögern; man mußte zur Ausführung dieses Planes sogleich wieder über den Mincio zurückgehen, und den zwei feindlichen Divisionen nicht Zeit lassen, sich einander zu nähren. Das Glück hat diesem Unternehmen gelächelt und das Gefecht bei Desenzano, die zwei Treffen bei Salo und die Schlachten hei Lonato und Castiglione sind dessen Ergebnisse.

Am 12. (30. Juli) abends ging die Division Massena bei Peschiera wieder über den Mincio, die Division Augereau begab sich nach Roverbella; Porto. Legnago und Verona wurden ohne Gefecht geräumt. Die zahlreiche venezianische Artillerie, die wir in diesen Pläzen aufgestellt hatten, wird aufgegeben, die Belagerung von Mantua aufgehoben, ein Teil der Kanonen, welche zur Belagerung dienten, wird dem Feind überlassen; wir nehmen uns bloß die Zeit, die Lafetten zu verbrennen; alle Divisionen setzen sich nach Brescia in Marsch. Unterdessen war die Österreichische Division, die Brescia eingenommen hatte, schon in Lonato.

Am 13. (31. Juli) befahl ich dem General Sauret, nach Salo zu marschieren, um den General Guieu zu befreien, und dem General Dallemagne, Lonato anzugreifen und um jeden Preis zu nehmen. Es gelang dem General Sauret vollständig, den General Guieu in Salo zu befreien, nachdem er den Feind tüchtig geschlagen, ihm zwei Fahnen, zwei Kanonen und 300 Gefangene abgenommen hatte. Der General Guieu und die Truppen unter seinem Befehl sind 48 Stunden ohne Brot geblieben, während der Zeit in dauerndem Kampf mit dem Feinde.

Der General Dallemagne hatte nicht Zeit, die Feinde anzugreifen, er wurde selbst angegriffen; es entspann sich eines der hartnäckigsten Gefechte, das lange unentschieden blieb; aber ich war ruhig: die tapfere 32. Halbbrigade war dort.

Wirklich wurde der Feind vollständig geschlagen; er ließ 600 Tote auf dem Schlachtfeld und 600 Gefangene.

Am 14. (1. August) mittags zieht Augereau in Brescia ein; wir linden daselbst alle Magazine, welche der Feind nicht Zeit gehabt hatte fortzuschaffen. Am 15. (2. August) kehrte die Division des Generals Augereau nach Montechiaro zurück. Masséna nahm bei Lonato und bei Ponte- San Marco Stellung. Ich ließ den General Valette mit 1800 Mann in Castiglione zurück; er sollte diese wichtige Stellung verteidigen und dadurch die Division des Generals Wurmser von mir entfernt halten. Der General Valette verließ indessen am 15. (2. August) abends nur mit der Hälfte seiner Truppen dieses Dorf, und verbreitete in Montechiaro die größte Bestürzung mit der Nachricht, daß der Rest seiner Truppen gefangen sei; diese tapferen Leute aber, von ihrem General verlassen, fanden Unterstützung in ihrem Mut, um den Rückzug nach Ponte San Marco auszuführen. Ich habe diesen General, der schon bei dem Angriff auf la Corona sehr wenig Mut bewiesen hatte, sogleich, und zwar vor seinen Truppen, suspendiert.

Der General Sauret hatte Salo verlassen; ich befahl dein tapferen General Guieu, diesen wichtigen Posten wieder zu nehmen.

Am 16. (3. August) landen wir uns hei Tagesanbruch einander gegenüber. Der General Guieu, der auf unseren linken Flügel war, sollte Salo angreifen; der General Masséna war im Zentrum und sollte Lonato angreifen; der General Augereau, welcher auf dem rechten Flügel war, sollte Castiglione angreifen. Statt angegriffen zu werden, griff der Feind Massénas Vorhut an, die sich in Lonato befand; schon war sie eingeschlossen und der General Pigeon gefangen der Feind nahm uns sogar drei Kanonen von der reitenden Artillerie. Ich ließ sogleich die 18. und 32. Halbbrigade bataillonsweise in geschlossener Kolonne formieren, und während wir im Sturmschritt den Feind zu durchbrechen suchten, breitete sich dieser immer mehr aus um unsere Flügel zu umfassen. Sein Manöver schien mir eine sichere Bürgschaft des Sieges. Masséna schickte nur einige Plänkler gegen die Flügel der Feinde, um deren Vormarsch aufzuhalten. Die erste Kolonne, welche in Lonato angekommen war, warf den Feind. Das 15. Dragonerregiment griff die Ulanen an, nahm unsere Kanonen wieder, und befreite den General Pigeon. In einem Augenblick war der Feind zersprengt und zerstreut. Er wollte sich nach dem Mincio zurückziehen; ich befahl meinem Adjutanten, dem Brigadechef Junot, sich an die Spitze meiner Guidenkompagnie zu stellen, den Feind zu verfolgen, ihm in Desenzano zuvorzukommen und ihn dadurch zum Rückzug auf Salo zu zwingen. In Desenzano angekommen, traf er auf den Oberst Bender, mit einem Teil seines Ulanenregiments, und griff ihn an. Junot wollte sich aber nicht mit einem Angriff auf die Nachhut des Regiments aufhalten, machte rechts einen Umweg, griff das Regiment von vorne an, und verwundete den Oberst, den er gefangen nehmen wollte, als er selbst umzingelt wurde; nachdem er sechs Mann mit seiner eigenen Hand getötet hatte, wurde er selbst vom Pferde gestürzt, in einen Graben geworfen und mit sechs Säbelhieben verwundet, von denen man mich hoffen läßt, daß keiner tödlich ist. Der Feind bewerkstelligte seinen Rückzug nach Salo; da Salo uns gehörte, so ist diese Division, die in den Bergen umherirrte, beinahe ganz gefangen worden.

Unterdessen marschiert der unerschrockene Augereau nach Castiglione und bemächtigt sich dieses Dorfes. Den ganzen Tag liefert er hartnäckige Gefechte gegen doppelt stärkere Streitkräfte als die seinigen. Der Kern der österreichischen Truppen ist dort; er erhält dreimal neue Verstärkungen. Vergeblicher Widerstand; er wird gezwungen, das Schlachtfeld zu verlassen und vor unseren ungestümen Soldaten zu fliehen.

Artillerie, Infanterie, Kavallerie, alles hat seine Pflicht vollkommen erfüllt, und der Feind ist an diesem denkwürdigen Tage auf allen Seiten geschlagen worden. Er hat zwanzig Kanonen, 2300 Mann an Toten oder Verwundeten und 4000 Gefangene, darunter 3 Generale, verloren. Wir haben 150 Tote und 500 Verwundete. Wir haben den General Beyrand verloren. Dieser Verlust, den die Armee lebhaft empfindet, ist für mich ganz besonders traurig gewesen; ich hielt viel von den kriegerischen und moralischen Eigenschaften dieses tapferen Mannes. So sterben alle Tapfern, aber sie sterben rühmlich! Der Kommandant der 4. Infanteriehalbbrigade, Pourailler, der Oberst des 1. Husarenregiments, Bougon, der Oberst des 22. Regiments Jäger zu Pferde, Marmet, sind gleichfalls getötet worden. Per General Robert ist verwundet worden.

Die 4. Halbbrigade , an deren Spitze der Generalstabsoffizier Verdier angegriffen hat, hat sich mit Ruhm bedeckt. Der General Dommartin, Kommandant der leichten Artillerie, hat ebensoviel Mut als Talent bewiesen.

Am 17. (4. August) habe ich dem General Despinois befohlen, auf dem Wege längs der Chiese in Tirol einzudringen; er mußte vorher 5 bis 6000 Mann des Feindes werfen, die sich in Gavardo befanden. Der Generalstabsoffizier Herbin hatte große Erfolge; er warf zwei feindliche Bataillone, welche sich auf seinem Weg befanden, und drang bis nach San-Eusebio vor. Der General Dallemagne marschierte an der Spitze eines Bataillons der 11. Halbbrigade nach Gavardo, warf die Feinde, und nahm eine große Zahl gefangen, aber da er von dem Übrigen Teil der Division nicht unterstützt worden war, wurde er umzingelt und konnte seinen Rückzug nur dadurch bewerkstelligen, daß er sich durch die Feinde durchschlug. Der General Despinois hatte seinen Rückzug nach Brescia bewerkstelligt, und ließ einen Teil seiner Division im Kampf mit dem Feinde zurück.

Ich schickte den General Saint-Hilaire nach Salo, um sich mit dem General Guieu zu verständigen und die in Gavardo aufgestellte feindliche Kolonne anzugreifen, um den Weg nach Tirol frei zu machen. Nach einem sehr lebhaften Gefecht schlugen wir den Feind; wir machten 1800 Gefangene und tötetem ihm 500 Mann.

Am 17. (4. August) beschäftigte sich Wurmser den ganzen Tag damit, die Trümmer seiner Armee zu sammeln, seine Reserve herbei- zuziehen, aus Mantua alle verfügbaren Truppen an sich zu ziehen, und sie zwischen dem Dorfe Solferino, worauf er seinen rechten Flügel stützte, und der Chiese (!), an die er schon vorher seinen linken Flügel gelehnt hatte, in Schlachtordnung zu stellen. Das Los Italiens war noch nicht entschieden. Er vereinigte ein Korps von 25 000 Mann, eine zahlreiche Kavallerie, und glaubte, das Schicksal noch bestimmen zu können Von meiner Seite wurde der Befehl erteilt, alle Kolonnen der Armee zu vereinigen. Ich begab mich selbst nach Lonato, um nachzusehen, welche Truppen ich aus diesem Ort ziehen konnte aber wie war ich überrascht, als ich in diesen Platz einzog, einen Parlamentär zu empfangen, der den in Lonato kommandierenden General aufforderte, sich zu ergeben, weil dieser wie er sagte, von allen Seiten eingeschlossen sei! In der Tat meldeten mir verschiedene Kavalleriepatrouillen, daß sich verschiedene Kolonnen unseren Feldwachen näherten, und daß schon der Weg von Brescia nach Lonato bei der Brücke von San Marco abgeschnitten sei. Ich merkte, daß es nur Trümmer der geschlagenen Kolonne sein konnten, welche, nachdem sie umhergeirrt und sich dann vereinigt hatten, einen Weg sich zu öffnen suchten, Die Lage war ziemlich schwierig; ich hatte nur ungefähr 1200 Mann. Ich ließ den Parlamentär kommen, ließ ihm die Binde von den Augen nehmen und sagte ihm, wenn sein General sich einbilde, den Obergeneral der italienischen Armee gefangen nehmen zu können, so solle er nur vorrücken; er müsse wissen, daß ich in Lonato sei, weil alle Welt wisse, daß meine Armee sich daselbst befinde; alle Generale und Stabsoffiziere seiner Division würden für die persönliche Beleidigung, die mir zugefügt worden, verantwortlich gemacht werden. Ich erklärte ihm, daß, wenn seine Division nicht binnen acht Minuten die Waffen gestreckt habe, ich alles über die Klinge würde springen lassen. Der Parlamentär schien sehr erstaunt, mich dort zu finden, und einen Augenblick darauf streckte die ganze Kolonne die Wallen. Sie war 4000 Mann stark, mit 2 Kanonen und 50 Reiter. Sie kam von Gavardo und suchte einen Ausweg; da sie morgens nicht hatte durch Salo durchkommen können, wollte sie über Lonato entfliehen.

Am 18. (5. August) fanden wir uns bei Tagesanbruch einander gegenüber; indessen war es schon sechs Uhr morgens und noch rührte sich nichts. Ich ließ die ganze Armee eine rückgängige Bewegung machen, um den Feind zu uns zu locken, während die Division des Generals Sérurier, die ich jeden Augenblick von Marcaria her erwartete, Wurmsers linke Flanke umging. Diese Bewegung hatte zum Theil die Wirkung, die man davon erwartete. Wurmser breitete sich auf seiner Rechten aus, um unseren Rücken zu beobachten; sobald wir bemerkten, daß die von General Fiorella kommandierte Division Sérurier den linken Flügel angriff, befahl ich dem Generalstabsoffizier Verdier eine Schanze anzugreifen, welche die Feinde mitten in der Ebene aufgeworfen hatten; ich beauftragte meinen Adjutanten Marmont, zwanzig Kanonen leichter Artillerie auf dieselbe zu richten und durch dieses Feuer den Feind zu zwingen, uns diese wichtige Stellung zu überlassen. Nach einer lebhaften Kanonade zog sich der linke Flügel des Feindes vollständig zurück.

Augereau griff das feindliche Zentrum an, das sich auf den Turm von Solferino stützte; Masséna griff den rechten Flügel an; der Generalstabsoffizier Leclerc marschierte an der Spitze der 5. Halbbrigade der 4. Halbbrigade zu Hilfe. Die ganze Kavallerie, unter dem Befehl des Generals Beaumont, marschierte gegen den rechten Flügel, um die leichte Artillerie und die Infanterie zu unterstützen. Wir siegten überall, überall hatten wir das vollständigste Glück. Wir haben dem Feind 18 Kanonen und 120 Munitionswagen abgenommen. Sein Verlust beläuft sich auf 2000 Mann an Toten und Gefangenen. Er war in vollständiger Auflösung; aber unsere Truppen, die ganz ermattet waren. konnten ihn nur drei Stunden weit verfolgen. Der Generalstabsoffizier Frontin ist getötet worden; dieser tapfere Mann starb, wie er gelebt hatte, im Angesichte des Feindes.

Das 10. Regiment Jäger zu Pferde hat sich ganz besonders ausgezeichnet, sowie sein Kommandant, Oberst Leclerc.

So ist denn in fünf Tagen ein zweiter Feldzug beendigt worden. Wurmser hat in diesen fünf Tagen 70 Feldkanonen verloren, alle Munitionswagen der Infanterie; 12 bis 15000 Gefangene, 6000 Mann an Toten und Verwundeten, und beinahe alles Truppen, die vom Rhein gekommen waren. Außerdem ist noch ein großer Teil zerstreut, und wir fangen sie auf, während wir den Feind verfolgen. Wir haben unsererseits 1300 Gefangene und 2000 Tote oder Verwundete verloren. Alle Soldaten, Offiziere und Generale haben in dieser schwierigen Lage eine große Tapferkeit entfaltet.

Ich bitte Sie um den Grad eines Brigadegenerals für die Generalstabsoffiziere Verdier und Vignolle; der erste. hat auf eine ausgezeichnete Weise zum Erfolg beigetragen; der zweite, welcher der älteste Generalstabsoffizier der Armee ist, verbindet mit großem Mut seltene Talente und seltene Tätigkeit. Ich bitte Sie um den Grad eines Majors für den Adjutanten Ballet, um den eines Divisionsgenerals für den Brigadegeneral Dallemagne und um den eines Obersten der Artillerie für den Major Bürger Songis.

Bonaparte.

Anlage 3. 2)

An das Vollziehungsdirektorium.

Hauptquartier Verona, 21 Thermidor, Jahr IV
(8. August 1796).

Am 19. morgens (6. August) hielt der Feind die Minciolinie besetzt; sein rechter Flügel stützte sich auf das verschanzte Lager gegenüber Peschiera, sein linker auf Mantua, und sein Zentrum stand in Valeggio. Augereau marschierte nach Borghetto und begann. eine lebhafte Kanonade mit dem Feinde. Unterdessen marschierte Masséna nach Peschiera, griff den Feind in dem verschanzten Lager an, nahm ihm zwölf Kanonen und machte siebenhundert Gefangene. Das Resultat dieses Gefechts war, daß der Feind gezwungen wurde, die Belagerung von Peschiera aufzuheben und die Minciolinie zu verlassen.

Am 20. (7. August) ging der General Augereau bei Peschiera über den Mincio. Die Division des Generals Serurier marschierte nach Verona, wo sie abends zehn Uhr ankam, während die Division Masséna ihre alten Stellungen wieder eingenommen, vierhundert Gefangene gemacht und sieben Kanonen erobert hatte. Die Nachhut des Feindes war noch in Verona; die Tore waren geschlossen und die Fallbrücken aufgezogen. Der Proveditore der Republik Venedig wurde aufgefordert, sie zu öffnen, erklärte aber, daß er es nicht vor zwei Stunden tun könne. Ich befahl sofort, daß man die Tore einschieße, was der General Dommartin in weniger als einer Viertelstunde vollziehen ließ Wir haben dort verschiedenes Gepäck gefunden und einige Hundert Gefangene gemacht.

So sind wir denn in unsere alten Stellungen zurückgekehrt. Der Feind flieht nach Tirol. Die Hilfstruppen, die Sie mir von der Armee der Oceansküsten angekündigt haben, treffen endlich ein, und so ist hier alles in der befriedigendsten Lage.

Die österreichische Armee, welche seit sechs Wochen Italien mit einem Einfall bedrohte. ist wie ein Traum verschwunden, und das bedrohte Italien ist jetzt ruhig.

Die Völker von Bologna und Ferara, aber vorzüglich das mailändische, haben während unseres Rückzuges den größten Mut und die größte Anhänglichkeit an die Freiheit bewiesen. Während man sagte, daß der Feind in Cassano und wir auf der Flucht seien, verlangte das Volk in Mailand Waffen und man hörte in den Straßen, auf den Plätzen und in den Theatern das Kriegslied: „Allons, entants de la patrie“. Dagegen hat das Volk in Casal-Maggiore zu den Waffen gegriffen, unsere Kranken ermordet und unser Gepäck geplündert. In Castelnovo, im venetianischen Gebiet, hat man einen Freiwilligen ermordet; ich habe das Haus niederbrennen und auf seine Trümmer schreiben lassen: „Hier ist ein Franzose ermordet worden“. Der Brigadegeneral Victor hat im Treffen bei Peschiera an der Spitze der 18. Halbbrigade die größte Tapferkeit gezeigt.

Bonaparte.

Anlage 4. 3)

An das Vollziehungsdirektorium.

Hauptquartier Brescia, 27 Thermidor, Jahr IV
(14. August 1796).

Ich halte es für nützlich, Bürgerdirektoren, Ihnen meine Meinung über die in dieser Armee verwendeten Generale mitzuteilen Sie werden sehen, daß nur sehr wenige darunter sind, die mir nützen können.

Berthier Talent, Tätigkeit, Mut, Charakter; alles für ihn.

Augereau: viel Charakter, Mut, Festigkeit, Tätigkeit; er ist an den Krieg gewöhnt, wird von den Soldaten geliebt, und ist in seinen Unternehmungen glücklich.

Masséna: tätig, unermüdlich; hat Kühnheit, einen scharfen Blick und ist schnell im Entschluß.

Sérurier schlägt sich als Soldat, nimmt nichts über sich; fest, hat nicht genug gute Meinung von seinen Truppen: ist krank.

Despinois: schlaff, ohne Tätigkeit, ohne Kühnheit; ist nicht für den Krieg gemacht und beim Soldaten nicht beliebt- schlägt sich nicht an seiner Spitze. Er ist übrigens geistvoll und hat gesunde politische Grundsätze; gut, um im Innern zu kommandieren.

Sauret: guter, sehr guter Soldat; für einen General nicht kenntnisreich genug; wenig glücklich.

Abatuccui: 4) kann nicht fünfzig Mann kommandieren.

Garnier, Meunier, Casabianca: unfähig; können in einem so tatenvollen und ernsten Kriege, wie dieser, kein Bataillon kommandieren.

Macquart: ein braver Mann; ohne Talent j lebhaft.

Gaultier: gut für eine Schreibstube; ist niemals im Krieg gewesen.

Vaubois und Sahaguet waren in den Festungen verwendet; ich habe sie zur Armee kommen lassen; ich werde sie noch kennen lernen. Sie haben das, was ich ihnen bis jetzt anvertraut habe, gut ausgeführt; aber das Beispiel des Generals Despinois, der in Mailand sehr tüchtig war, und an der Spitze seiner Division sehr schlecht ist, macht es mir zur Pflicht, die Leute nach ihren Taten zu beurteilen.

Bonaparte.

Previous: XX. Schlussbemerkungen.
Next: Verzeichnis zier benutzten Quellen.
  1. Correspondance No. 842.
  2. Correspondance No. 852.
  3. Correspondance No. 890.
  4. Vater des Generals Karl Abatuccui, der bei der Verteidigung des Brückenkopfes von Hüningen als Held starb.

Library Reference Information

Type of Material: Text (Book, Microform, Electronic, etc.)
Personal Name: Hortig, Viktor
Main Title: Bonaparte vor Mantua, ende juli 1796.
Der erste entsatzversuch.
Von Dr. Phil. Hortig.
Mit 5 Karten und 5 Textskizzen.
Published/Created: Rockstock, Stiller (G. Nusser) 1903.
Description: viii, 204 p. illus. (5 plans) 5 Fold. maps (in pocket) 23cm.
Notes: "Verzeichnis der benutzten quellen": p. [203]-204.
Subjects: Napoléon I, Emperor of the French, 1769-1821 --Military leadership.
First Coalition, War of the, 1792-1797--Campaigns--Italy.
Mantua (Italy)--History--Siege, 1796-1797.
LC Classification: DC223.4 .H6
Pages: 191-202